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Sonntag, 14. Oktober 2012

Umfragen als Mittel für Bürgerbeteiligung, Transparenz & Öffentlichkeitsarbeit


Gerd Altmann / pixelio.de
Umfragen sind eine Möglichkeit, um folgende Effekte in einem Streich zu erreichen:

    • Auf der Straße mit dem Bürger in Kontakt kommen und in ein interessantes Gespräch einsteigen... 

    • Dem Bürger das Gefühl geben "gefragt zu werden" - "sich für ihn und seine Meinung interessieren und diese aufzugreifen".

    • Eventuell konkrete Lösungs-Vorschläge für ein Problem erhalten ("the crowd" offline) 

    • Einerseits kann herausgefunden werden, welche Programmpunkte in der Öffentlichkeit am meisten angenommen werden und wo Nachholbedarf besteht in der Aufklärung - andererseits können emotionale bzw. instinktive Schlüsselwörter herausgefunden werden, die innerhalb einzelner Programmpunkte besonders ansprechen.

    • Wertvolles Hintergrundmaterial für die Ausarbeitung der eigenen Positionen erhalten - z.B. die natürlichen Gegenargumente und eine erste Sammlung von "Fallbacks", um diese auszuhebeln (wenn es um konkrete Positionen geht).

    • Es wird transparent und charmant kommuniziert, worüber sich die Piratenpartei aktuell Gedanken macht.

      • Sollte man dem Argument begegnen, dass die Piraten keine Ahnung hätten und jetzt auch noch den Bürger fragen, ist zurück zu rudern und prinzipiell zu klären, dass sich die Piratenpartei als Bürgerpartei versteht - und sich jeder bei der "Mitmachpartei" eingeladen fühlen darf, gemeinsam die gesellschaftlichen Probleme auch wirklich lösungsorientiert anzugehen.

    • Öffentlichkeitsarbeit, erstmal keine Antworten liefert, sondern interessiert nachfragt. (Die Antworten kommen später als Auswertung der Bürgerstimmen bzw. Positionierung der Piraten)

    • Tatsächlich einen Wert für Stimmungen auf der Straße zu bekommen.Ab 1.000 Antworten können die Ergebnisse wissenschaftlich statistisch verwertet werden.

      Z.B. werden für die Sonntagsfrage (Wahlprognose) von jedem Institut durchschnittlich 1.000 Menschen befragt.
      Wenn in jedem Bundesland nur 100-Umfragebögen ausgefüllt werden, sammeln die Piraten in ihren Umfragen deutlich mehr Stimmen. Umfragen können von den Piraten wahrscheinlich praktisch nebenzu durchgeführt werden und erfrischen die Arbeit an den Infoständen.Befragungen, die sich andere Parteien viel Geld kosten lassen, können so kostengünstig als eigene Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt werden.

    • Die Ergebnisse können zu einer eigenen interessanten Pressemeldung gebündelt werden und somit ein weiteres Mal für Aufmerksamkeit sorgen.
Die Piratenpartei nennt sich Bürgerpartei und behauptet Fragen zu haben, die von den Bürgern beantwortet werden können. Ursprünglich (und vor noch gar nicht so langer Zeit) war es die Piratenpartei, die keine Antworten hat, weil sie noch nachfragt ... allerdings primär parteiintern. Die Bürger können sich ja an die Mitmachpartei wenden, falls diese wollen ...

So lange die Piratenpartei keine Struktur hat, die den Bürger fragend einbindet - oder Kriterien, wann sich die Piratenpartei prinzipiell z.B. in Volks- & Bürgerbegehren an das Volk wendet (oder eben konkrete Volks- & Bürgerbegehren, die von der Piratenpartei zumindest unterstützt werden und somit den Eindruck erwecken, die Piratenpartei würde sich bindend für die Meinung der Bürger interessieren) ... empfiehlt es sich zyklisch Umfragen zu gestalten und auszuwerten, die den Infoständen als Material mitgegeben werden.

Der Behauptung eine Bürgerpartei zu sein, müssen auch TATEN folgen - und nicht nur eine Erwartungshaltung, die vom Bürger eine Bringschuld erwartet, auf die Piratenpartei zuzukommen. Auch - und besonders für diejenigen, die sich in der Piratenpartei nicht engagieren würden (oder vielleicht politisch sind, aber nicht aktiv werden wollen) - sollte eine Möglichkeit als Anknüpfungspunkt geschaffen werden.

Fragebögen haben mehrere psychologische Vorteile (gegenüber üblichen Ansprachen und Werbematerialien):


  • der Bürger fühlt sich gefragt und nicht beantwortet

  • der Bürger hat das Gefühl mitzuwirken, dass seine Meinung einfliesst

  • eventuell erwartet der Bürger z.B. über die Webseite an die Auswertung zu gelangen (und sich dort wieder zu finden)

  • dem Bürger wurde kein Flyer oder Prospekt aufgequatscht - im Gegenteil, er hat etwas von sich (seine Meinung, etwas aus seinem Innersten) dagelassen ...

  • ... die Frage, ob er dafür etwas braucht (einen Flyer, das Parteiprogramm, ...) ergibt sich wie von selbst, denn evtl. benötigt der Antwortende eine Info, um sich die Ergebnisse aus dem Netz zu holen - oder eben nicht.

  • Nachteil bzw. Hinweis:
    Da der Befragte etwas gegeben hat, erwartet er (subtil), dass etwas zurück kommt. Einerseits sollte daher immer gefragt werden, ob ein Flyer mitgegeben werden darf, wo auch die Website verzeichnet ist und die Ergebisse abrufbar sein werden. Ein konkretes Datum, wann die Ergebnisse abrufbar sein werden, sollte jedoch NUR DANN angegeben werden, wenn dies sicher ist - sonst verspielt man sich das gute Gefühl eines reibungslosen Austauschs von Geben und Nehmen im Kleinen!

    Ganz prinzipiell sollten die Umfragen zumindest als solche ernst genommen - und nicht nur zur Show rein kosmetisch durchgeführt werden. Die Ergebnisse sind unbedingt zeitnah zu publizieren und dürfen keinesfalls zeitlich versanden. Wird eine Auswertung vergessen oder eine Umfrage nur zum Schein durchgeführt, hinterlässt man bei jedem interessierten Befragten, der sich um die Auswertung bemüht, das Gefühl vergebener Liebesmühe / sinnlos investierten Engagements!!

  • Je nachdem welche Arten von Fragen verwendet werden, ergeben sich weitere Vorteile:

  • Gerd Altmann / pixelio.de
    • Wie bei einem Quiz fühlt man sich gut, wenn man Fragen (richtig) beantworten kann!! Da es primär um die Meinung geht, gibt es praktisch keine falschen Antworten.

      Sollte es Antworten geben, die in richtig / falsch eingeordnet werden können, sollte darauf geachtet werden, dass diese offen genug gestellt werden, um "Erfolgserlebnisse" zuzulassen.

    • Lerneffekt: Z.B. der Fragebogen für die Inhalte von Parteiprogrammen ermöglicht durch die Verknüpfung mit anderen Parteien und deren Positionen einen hohen Lerneffekt (Wissen vernetzt sich leichter, wenn es mit vor handenen Anknüpfungspunkten in Verbindung gebracht wird).

      Zurück bleibt - wenn nicht sogar klare Einzelpositionen aus dem Parteiprogramm der Piraten - zumindest die Gewissheit, dass die Piraten ein (umfangreiches) Programm haben.

      In der Auflösung direkt vor Ort sollte natürlich gezeigt werden, dass die "Treffer" nur wenigen Programmpunkten aus dem insgesamten Programm entsprechen. (Es dürfte eher selten sein, dass jemand das Programm der Piraten nahezu auswendig kann - bzw. ist dies auch ein netter "Zeitvertreib" für Piraten am Stand!!

    • Neutralität: Da im "Parteiprogramm"-Fragebogen nach beliebigen Parteien gefragt wird, bleibt Neutralität gewahrt und der Befragte fühlt sich - unabhängig seiner bisherigen Parteiwahl - persönlich angesprochen.

    • "Informieren" statt "verkaufen": Es entsteht NICHT das Gefühl, dass mir etwas verkauft oder aufgedrückt werden soll - es handelt sich eher um "pull" als "push" Marketing.

    • 2be continued ...
  • Beispiele für Befragungen / Umfragen:

Strategische Öffentlichkeitsarbeit (Konzeption & Analyse)

Gerd Altmann  / pixelio.de
Die vier Phasen der Strategischen Öffentlichkeitsarbeit nach der kulturwissenschaftlichen Sichtweise von Faulstich (2000), S. 208-219


  1. Ist-Analyse (interne und externe Situationsanalyse, mit Stärken-Schwächen-Analyse, Selbstbild- und Fremdbildbestimmung) 

  2. Soll-Bestimmung (Bestimmung von Zielen der Öffentlichkeitsarbeit und mit Bestimmung der relevanten Teilöffentlichkeiten)

  3. Umsetzung (Planung der Strategie und Taktik, Termin- und Finanzplanung, Realisierung, Auswahl der Kommunikationsmedien)

  4. Wirkungskontrolle und Evaluation

Diese vier Phasen werden in den verschiedenen Konzepten der Literatur unterschiedlich bewertet. Hier eine Orientierung nach Bläse (1982), Dirk: Methodischer Rahmen für Planung, Durchführung und Kontrolle von Öffentlichkeitsarbeit, S. 194. In: Öffentlichkeitsarbeit.


  1. Ist-Analyse (Ermittlung des bestehenden Images)
  2. Soll-Analyse (Festlegung des Wunsch-Images und konkreter PR-Ziele)
  3. Soll-Ist-Vergleich (Analyse der Differenzen hinsichtlich des Images)
  4. Definition und Gewichtung der Zielgruppen
  5. Strategische Phase: Festlegung der Kommunikationsinhalte
  6. Festlegung des PR-Etats
  7. Taktische Phase: Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs inkl. Budgetierung
  8. Detaillierte Zeit- und Terminplanung
  9. Durchführung der Maßnahmen einschließlich Budget-Kontrolle
  10. Überprüfung der erzielten Wirkungen anhand der Zielsetzungen 


Dem füge ich noch eine Liste der Medien hinzu, die in 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 und 10 zur Anwendung kommt. Das bedeutet, dass diese Planung für jedes Medium (crossmedial)  gemacht werden muss.

Medien-Teams:
Gerd Altmann & Anja Wichmann  / pixelio.de

Für die wichtigsten Bereiche braucht es möglichst eigene PR-Teams:
In der jetzigen PR-Arbeit, wie ich diese wahrnehme, werden PM jeweils nur für eine Medien-Zielgruppe erstellt - Fachmedien, Photographie, Visualisierung, Audiovisuelle Medien, Radio, ... werden zu wenig bis nicht bedacht. 

Beispiele für Presse- / Medienteams:
Rainer Sturm  / pixelio.de
  • Standard-Pressemledungen und Team für die jetzigen Leitmedien, die über die Piratenpartei berichten.

  • Fachpresse-Teams, die sich um Artikel in den verschiedensten Fachmedien kümmern, die zu den Themen und Punkten des Parteiprogramms passen.

  • Social Media: Die Teams der einzelnen Social Media-Plattformen solltenmehr in den Prozess der Öffentlichkeitsarbeit einbezogen werden. Auf Facebook machen z.B. Bilddateien immer mal wieder ammeisten Sinn (auch Umfragen haben einen großen viralen Wert!). Dafür braucht es Photos oder gar Visualisierungen.

  • Weiterführende Interviews: Soweit wirkliche fachliche Repräsentanten zu einer Pressemeldung zur Verfügung stehen, sollte es zu fast jeder Pressemeldung möglich sein, auf Wunsch ein Interview hinzu zu buchen. Mindestens eines dieser Interviews sollte schlimmstenfalls selbst gemacht - und der Presse frei zur Verfügung gestellt werden.

  • Buch zur Partei: Für die Offliner sollte es das Wichtigste zur Partei auch als Buch (Print on Demand) geben - online natürlich zum Freien Download oder zumindest in einer der präferierten alternativen Vergütungsmodelle. Mann kann auch umfangreichere pdf-Downloads gewisser Weise e-Book nennen und Übersichten über die vielen bereits vorhandenen Downloads schaffen.

  • Photo- & Visualisierungsteam: Es fällt auf, dass der Presse offensichtlich zu wenig Freies Photomaterial zur Verfügung gestellt wird. Für komplexe Themen ist auch eine Visualisierung hilfreich. Damit sind die Veröffentlichungen insgesamt deutlich kreativ zu steigern. Zu jeder Pressemeldung sollte ein Link zu eigenen passenden Bildmaterialien. 

  • Kunst: Welche Künstler haben sich bereits mit den Inhalten der Piraten auseinandergesetzt - gibt es das Programm der Piratenpartei auf DIAs oder als Microfish? ;-) Welche Ausstellungen sind möglich? 

  • Typographie: Gibt es eine Schriftart, die im speziellen von der Piratenpartei genutzt wird - eine Freie, die zur Verfügung gestellt werden kann - oder Vorgaben aus dem CD/CI, die zu kommunizieren wären?

  • Events / Termine: Welche Termine und Veranstaltungen - wie auch Barcamps,  globale Aktionstage und zu erwartende Demonstrationen für das kommende Jahr stehen bereits fest? [Lieber man nimmt einen Google-Kalender, wenn die eigene open source Sofatware für einen Kalender noch nicht ausgereift genug ist - anstelle keinen bundesweit einheitlichen Kalender zu haben, den man auch Regionen und Themen mergen und kombinieren kann .... als gar keinen Kalender vorweisen zu können!!]

  • Online-TV: Auf youtube gibt es Hunderte spannende Videos über die Piraten - aber auch von den Piraten zu den wichtigsten Kernthemen. Aber es gibt keine Übersicht. Das ist in etwa so, als würde man vor einem Fernseher sitzen, in dem man die Kanäle noch von Hand einstellen muss - oder als hätte jemand die Fernbedienung weggenommen. Das vorhandene Videomaterial ist zu einem Sender mit vielen Kanälen zu bündeln - vgl. www.greencasting.tv mit der open source Software http://mirocommunity.org/ 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die transpartente Medienproduktion der Piratenpartei eine der Kernkompetenzen ist. Gleichzeitig gibt es so viele Medien der Piraten, dass der Eindruck von Chaos und einer fehlenden Übersicht fehlt. Die Transparenz wird derart intransparent!! Es braucht nicht nur Transparenz - sondern auch eine barrierefreie, intuitiv verständliche Übersicht der Medien und Einführungen, die es den Interessierten erleichtern Zugang zu finden.

Ich freue mich darüber informiert zu werden, wenn es zu den einzelnen Bereichen bereits Material gibt - wahrscheinlich sogar sehr viel Material, das transparenter und übersichtlicher dargestellt werden will.

Sonntag, 30. September 2012

Humor in der Öffentlichkeitsarbeit

khv24  / pixelio.de
Grundsätzlich könnte man denken, Öffentlichkeits- und vor allem Pressearbeit habe nichts mit Humor am Hut. 

Und tatsächlich ist es so, wenn man als Journalist gezwungen ist, die ganzen trockenen Pressemeldungen zu lesen - wenn diese überhaupt gelesen werden!

Am meisten Spaß macht da noch die Verteilung der Pressemeldungen, die mit Produktproben, Sektempfängen und Schnittchen verziert sind - aber dann ist auch Schluss mit Lustig. 

Die wenigsten Journalisten können noch über das schreiben, was sie wirklich interessiert - und das Meiste ist weitgehend vorgefertigt von Agenturen. Hinzu kommt, dass der Alltag von Nachrichten-Journalisten gefüllt ist mit Mord und Totschlag.

Das Maximum, was einen Journalisten da noch erreichen kann, sind entweder gut geschriebene Pressemeldungen - oder eben dermassen grottenschlechte Meldungen, dass man sich wenigstens mit Kollegen amüsieren kann.


Man könnte meinen Humor habe in der Öffentlichkeitsarbeit nichts zu suchen ...

Ähnlich lehnte die Aufklärung den Humor ab, aber nicht aus religiösen Gründen,
sondern weil sie glaubte, dass er ein Verstoß gegen Logik und stringente Argumentation
wäre.
Später wurde Humor als Waffe entdeckt und eingesetzt. In der Reformation und
Gegenreformation gab man mit ihm den Gegner der Lächerlichkeit preis. Da man sich
aber selber fürchtete, Opfer des Lachens zu werden, mäßigte man sich. In der
französischen Nationalversammlung war Lachen sogar verboten,
aber wurde allmählich
als ein Mittel der politischen Auseinandersetzung akzeptiert. Im deutschen Vormärz
bediente man sich des Humors als ein wichtiges Mittel im Kampf gegen Aristokratie und
Absolutismus. Die Zahl der Karikaturen, Witzblätter und gedruckten Satiren schnellte
daher in die Höhe – trotz der Zensur der Karlsbader Beschlüsse von 1819 (vgl. Stöber,
2000, S. 134). Heute haben sich Politik und Volkskultur auch unter dem Einfluss der
Massenmedien angenähert.

Diese geschichtlichen Streifzüge zeigen, wie wirkungsmächtig Witz und Humor sind, wie sie Machtverhältnisse zum Ausdruck bringen und wie sie als Waffe in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen eingesetzt werden. Nachfolgend werden wir näher auf die drei Phänomene Humor, Witz und Lachen eingehen und deren Bedeutung für die Kommunikation herausstellen...


"Witz und Humor in der Kommunikation" von Vazrik Bazil und Manfred Piwinger aus der Loseblattsammlung "Kommunikationsmanagement" (Artikel-Nr.5/61). Den Artikel hier als PDF herunterladen. 
 

Natürlich ist Humor in der (äusseren) Kommunikation ein zweischneidiges Schwert - und ist man sich im Einzelfall nicht sicher, lässt man dies besser. Andererseits - und das ganz menschlich - jemand, der keinen Humor beweist, trotz Verfehlungen völlig auf Selbstironie verzichtet, ist schlicht unsympathisch. Mit anderen Worten:


"Alle vorgenannten Methoden, um einer Person mit Humor eine neue Sichtweise auf ein Problem oder eine Situation zu eröffnen, haben eins gemein: Es ist enorm wichtig, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann sie genutzt oder nicht genutzt werden können. Zudem sollte man selbst ausgeglichen und relaxt sein. Sonst bekommen humorvoll gemeinte Aussagen schnell einen sarkastisch und somit verletzenden Unterton."

(Mit Humor heikle Situationen meistern - von Sabine Prohaska)


 
Selbstironie ist in der Lage zu zeigen, dass man sich durchaus selbst reflektieren und auch kritisch betrachten kann - ohne dadurch zum Miesepeter zu werden. Die Fähigkeit Fehler einzugestehen fehlt den meisten Unternehmungen völlig und sorgt für mehr als nur Distanz zur Zielgruppe. Dies mit Humor zu würzen, der keine Betroffenen verletzt, ist eine Kunst, die in der Lage ist, Stimmungen umzudrehen.

„Sie haben da was…“, „Das Bild hängt schief. “
Loriot, der große deutsche Humorist, hält uns den Spiegel vor. Wir lachen, weil wir sehen, wohin wir mit unserer bürgerlichen Spießigkeit und Überkorrektheit kommen. Wir landen unentwegt in Fettnäpfchen, je mehr wir die Situation angeblich im Griff haben: Wir tragen Nudeln im Gesicht bei der Liebeserklärung, verheddern uns in der Auslegeware oder der Sitzgruppe, verrennen uns in der Sprache und sind am Ende tief im Fett versunken. Wir schauen uns das mit Vergnügen an, weil wir uns damit immer wieder vor Augen führen, dass niemand perfekt ist. (PR-Report 08/2007 zum Thema "Humor" - aus "Ein Mittel gegen Sozialneid, Konkurrenzdenken und die „PR-Magersucht" - von Vera Bacchi)




CC BY 2.0 Nicole Britz
Ein - aus meiner Sicht - wunderschönes Beispiel für Humor in der Öffentlichkeitsarbeit (sogar in Verbindung mit politischem kreativem Aktionismus) ist die Schreibmaschine im Landtag von Schleswig-Holstein. Diese hat es sogar in die internationale Presse und NBC gebracht und transportiert regelrecht Inhalte und Positionierung. Die bisherige Politik sieht hiermit gegenüber den Piraten wirklich alt aus - und genau das ist etwas, das diese moderne Piratenpartei ausmacht und die Altgedienten ablösen wird.

Humor kann in allen Lebensbereichen helfen, denn "Humor hilft heilen" - und Wunden sowie Probleme haben wir allemal genug, besonders in der Politik und Öffentlichkeitsarbeit.

Überrascht bin ich allerdings von der Kirche, denn im Internet finden sich gleich mehrere Beiträge von kirchlicher Seite zu "Humor in der Öffentlichkeitsarbeit" - sogar eine ganze Jahrestagung. Naja, die Kirche hat es auch bitter nötig Humor zu predigen ;-)

Die heutige PR ist etwas verstaubt, wurde von "Social Media" aufgewirbelt - bleibt aber festgefahren in den Zwängen, die unseren ganzen "Freien Journalismus" abgenutzt und ausgehölt haben. Es ist Zeit für frischen Wind in der Öffentlichkeitsarbeit - vor allem, wenn man den Anspruch hat, mit der Öffentlichkeit zu Reden - den Bürger gar einbinden zu wollen.