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Mittwoch, 12. Dezember 2012

Wahlverfahren Teil B: Delegationen

Alexander Hauk / www.alexander-hauk.de  / pixelio.de
Der Zeitaufwand der Wahl und der Vorbereitung - aber auch das notwendige Fachwissen - kann situativ oder phasenweise delegiert werden, wenn diese Punkte kein Ausschlusskriterium sein sollen.

Delegationen werden häufig kritisiert, ermöglichen aber auch gleichzeitig jemandem, der nicht ausreichend Zeit für diese Aufwände hat, sich bei der Wahl repräsentiert zu fühlen. 


Prinzipiell zeigen sich Delegationen (so fern dennoch eine Urwahl potentiell möglich ist) als basisdemokratischer denn ohne Delegation!

Ich verstehe die Problematik der Superdelegierten sehr wohl - empfinde die Funktion delegieren zu können aber grundsätzlich als basisdemokratisch. Der Inhaber der Stimme fühlt sich repräsentiert - und das ist erstmal das Wichtigste. Die Frage sei erlaubt, ob sich alle, die ihre Stimme abgeben, auch wirklich repräsentiert fühlen - ob diese zyklisch überprüfen, was mit ihrer Stimme gemacht wird??

Ändern diese dann ggfs. auch ihre Delegationen oder lassen viele diese (auch ohne Klarheit über die tatsächlichen Entscheidungen) einfach weiterlaufen?

Ohne Delegation würden Teilnehmer aus einer ganzen Reihe von Gründen ausgeschlossen werden - und das ist zu vermeiden. Beteiligung kann nicht erzwungen werden und wie bei jeder Bewegung müssen die Piraten damit leben, dass sich nur ein Teil der Mitglieder wirklich engagiert. Die Rahmenbedingungen hierfür kann man verbessern - aber mehr oder wirklichen Ausschluss sollte man vermeiden.

In der Analyse der Wahlverfahren habe ich bei den Parteitagen eine Form von Delegationen beigefügt, die nicht mit dem Delegierten-System üblicher Parteitage verwechselt werdendarf . Es ist ein Unterschied, ob prinzipiell Delegierte gewählt werden müssen, oder ob Abwesende ihre Stimme delegieren können.

Die verschiedenen Arten von Delegationen, die es gibt, habe ich noch nicht durchschaut und analysiert. Diese deuten jedoch darauf hin, dass Delegationen in ihrer Art und Weise optimiert werden können (z.B. auch zyklischer Verfall automatischer Delegationen). Vielleicht macht sich da ja mal jemand an diese Analyse oder vielleicht gibt es ja bereits eine Übersicht??

>>> Voting-Software Überblick <<<
Übersicht der Analyse von Wahlverfahren

Freitag, 7. Dezember 2012

Wahlverfahren Teil I: Ergebnisse im Vergleich

  1. Die wenigsten Barrieren treten bei der Briefwahl auf - Piratenbegehren, wie ich diese im Kontext der Piratenpartei getauft habe (Antrag an den Vorstand in Vorbereitung)
    Gerd Altmann / pixelio.de


  2. Die Vorbereitung auf jegliche Wahl: Der eigentliche zentralste Punkt, der viel zu leicht übersehen wird, ist die Vorbereitung auf die Wahl.

    1. Egal welches Wahlverfahren - eine crossmediale Vorbereitung ist in jedem Fall möglich. Eine solche fand auch zu vielen Themen TRANSPARENT statt.

      Hier zeigt sich bereits der Vogonismus. Es fehlt eine Zusammenführung der vielen transparenten Daten, Blogbeiträge, Videos, Mumble-Sessions, etc. 

      Wenn der öffentliche Diskurs zu einem Thema, wie z.B. zur Wirtschaft, nicht ausreichend war, dass die Piraten zum BPT thematisch vorbereitet sind - dann war der öffentliche Diskurs erst recht nicht ausreichend für die Wähler!

      Nein, ich verwechsel hier nichts! Ich sehe die Aufgabe der Piraten wahlthematische Diskurse in Tiefe und Breite so zu führen, dass sich ganz Deutschland eingeladen fühlt, an der Lösung der Krise mitzuwirken und bei allen Vorschlägen (und seien diese im LQFB) regelrecht mitfiebert.
      Lizenz: CC-BY-SA 3.0 Daniel Neumann (@The_DanielSan)


      Und nein, die Messlatte ist nicht zu hoch, dann es gibt gerade im Bereich Wirtschaft zahllose Videos sogenannter Experten - vergleichbar einem kleinen fachlichen Online-Sender.

      Es gibt tausende Seiten an Wiki- und Blogbeiträgen.

      Natürlich geht mehr und besser - aber was vor allem geht, das ist Übersicht, Aufarbeitung und die Parteikollegen bis zum letzten Wähler mit auf die Reise nehmen, die von Habermas "öffentlicher Diskurs" und von Kant "Publikative" (Freie Presse) genannt wurde!

      Da hilft Transparenz nichts, da wird diese im vorhandenen Übermass sogar schädlich - da hilft nur Übersichtlichkeit und Einführung (wie in Lernmedien).


    2. Fachwissen: Das Fachwissen stellt zum jetzigen Zeitpunkt ein Ausschlusskriterium dar. Man sollte sich vor Augen führen, dass wir hier an Grundsatz- und Wahlprogramm arbeiten, die der Öffentlichkeit nicht nur zu kommunizieren sind - sondern ein öffentlicher Diskurs auszulösen ist.

      Die Herausforderung ist folglich, die zuvor erwähnte Ausarbeitung der Vorbereitungs-Phase nicht nur für die parteiinterne Wahl zu bündeln, sondern auch als Orientierungshilfe und Lernmedium (Auftrag zur politischen Willensbildung) für die Wähler!




>>> Voting-Software Überblick <<<

Inhaltsverzeichnis dieser Voting-Analyse 

Wahlverfahren Teil III: Der Parteitag der Piraten im Vergleich

CC-BY-SA 3.0 Daniel Neumann (@The_DanielSan)
Aufgrund meiner Artikel über die Wahlverfahren und meiner Antragsformulierung für ein "Piratenbegehren" habe ich einiges an Feedback bekommen. 

Daher habe ich mich entschlossen den Vergleich der Wahlverfahren nochmals umfänglich zu machen - ausschliesslich aus dem Blickwinkel der Zugangsvoraussetzungen (Access) zur jeweiligen Urwahl.

 


Im Vergleich zu allen anderen Wahlverfahren schneidet ein üblicher Parteitag, wie ihn die Piraten veranstalten, fast am schlechtesten ab - gefolgt von einem Parteitag üblicher Parteien und ihren Delegationen. 

Zur Veranschaulichung habe ich auch eine (noch) nicht existente Variante von Parteitagen hinzugefügt, bei der Abwesende die Möglichkeit haben, ihre Stimme zu deligieren. (Bitte nicht verwechseln mit einem üblichen Delegations-System handelsüblicher Parteien!)

Eine der wichtigsten Erkenntnisse dürfte sein, dass 500+ Anträge nicht vorbereitet werden können, wenn die Tagesordnung nicht bereits im Vorfeld feststeht und sich somit die tatsächlichen Anträge, auf die man sich vorbereiten muss,  reduzieren.

"in Bochum hatten wir 2.000 Piraten und 700 Anträge bei minimalen fünf Minuten pro Antrag kommen 7.000.000 Minuten zusammen, das sind 14.583 Arbeitstage!"

Dazu gruppiert sich das Ausschlusskriterium "Fachwissen", denn bei 500+ Anträgen kann ebenso wenig davon ausgegangen werden, dass auch das notwendige Fachwissen wirklich basisdemokratisch repräsentativ oder überhaupt vor Ort ist. Wenn Abwesende ihre Stimme deledieren können, sieht dies natürlich anders aus!

"Es geht darum, dass die Piratenpartei zwar einerseits lautstark verkündet, wie basisdemokratisch und revolutionär es doch ist, dass jedes Mitglied beim BPT selbst mitentscheiden und Anträge stellen kann – anderseits aber Augenklappen über beiden Augen trägt, wenn es darum geht, dass diese physische Anwesenheit dazu führt, dass die Mehrheit der Piraten selbst in der CDU besser repräsentiert wären: Da hätten sie zumindest die Hoffnung, dass ihr gewählter Delegierter ihre Interessen vertritt."

Bei jedem (!) Wahlverfahren ist ein crossmedialer Diskurs im VORFELD möglich! Darauf weise ich explizit hin, weil in einigen Fällen - wie auch bei Parteitagen - die Vorbereitung NUR im Vorfeld wirklich möglich ist!

Alle Varianten, die vor Ort durchgeführt werden, haben natürlich keine technischen Hürden (ausser man wäre vor Ort auf das Internet angewiesen;-), die Möglichkeit geheimer Wahlen - und geniessen den Vorteil sich persönlich kennenlernen und austauschen zu können. Dafür kommen bei den meisten TeilnehmerInnen Fahrtkosten, Verpflegung und Übernachtung hinzu. Ausserdem begrenzt die Redezeit.

Einfach mal DANKE sagen ...!!!
 
Bei der Piratenpartei ist jede Wahl eine Urwahl - theoretisch sind alle Mitglieder  stimmberechtigt. Nur durch Parteitage, wo Abwesende delegieren können, wird dies basisdemokratische Potential ausgereizt. Ohne diese Möglichkeit ist eine möglichst vollumfängliche Basis absolut unmöglich.


Links zum Thema:

>>> Voting-Software Überblick <<<
Übersicht der Analyse von Wahlverfahren

Wahlverfahren Teil V: Dezentrale Parteitage

CC-BY-SA 3.0 Daniel Neumann (@The_DanielSan)
Aufgrund meiner Artikel über die Wahlverfahren und meiner Antragsformulierung für ein "Piratenbegehren" habe ich einiges an Feedback bekommen. 

Daher habe ich mich entschlossen den Vergleich der Wahlverfahren nochmals umfänglich zu machen - ausschliesslich aus dem Blickwinkel der Zugangsvoraussetzungen (Access) zur jeweiligen Urwahl.



Dezentrale Parteitage sind ein sehr interessantes Experiment. Das Hauptargument, dass diese damit besser erreichbar wären, ist allerdings zweitrangig. Denn sicherlich ist die Anreise für einen Teil von Deutschland kürzer - aber wer will bei 2-3 Std. Anreise Abends nochmals heim fahren und dann morgens wieder los? Wer an Übernachtung spart, hat in der Regel höhere Fahrtkosten. Allerdings, wer sowieso übernachtet, hat zu einem Teil weniger Fahrt - aber das gilt eben nur für einen Teil von Deutschland. Interessant sind dezentrale Parteitage eigentlich erst bei Events, die sich über mehrere Länder ziehen - für Amerika wäre das wirklich von Vorteil.

Der Aufwand für die Vorbereitung, Einarbeitung in 500+ Anträge und das notwendige Fachwissen, ändert sich bei dezentralen Parteitagen nicht.

Ohne Delegation, wie Parteitage der Piraten aktuell nunmal sind, grenzen auch dezentrale Parteitage Abwesende aus den verschiedensten Ausschlusskriterien aus. Der Vorteil der Anwesenheit vor Ort ist in Form von Redezeit und der Art der Kommunikation begrenzt. Auch aus Gründen der Vorbereitung ist der crossmediale Diskurs im Vorfeld zwingend.

Die volle Basis wäre nur zumindest theoretisch möglich, wenn Abwesende ihre Stimme delegieren könnten.


Links zum Thema: