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Donnerstag, 13. Dezember 2012

GUT (Teil II: Freie versus knappe Güter)

Klassifizierung von GUT & GÜTERN:


Frank Radel  / pixelio.de
Die neuen Dimensionen von GUT: 

In der handelsüblichen Wirtschaftswissenschaft wird grundlegend zwischen "Freien Gütern" und "knappen Gütern" unterschieden, wobei letztere den ökonomische Gütern / wirtschaftlichen Gütern oder Wirtschaftsgütern entsprechen.  

"Ein Gut ist frei, wenn es im betreffenden Gebiet zur betrachteten Zeit in so großer Menge vorhanden ist, dass jeder Mensch so viele Einheiten des Gutes konsumieren kann, wie er will, beziehungsweise bis seine Sättigungsmenge erreicht ist." 
(Artur Woll: Allgemeine Volkswirtschaftslehre '96).

"Freie Güter" sind in diesem Sinn nicht zu verwechseln mit Gemeingütern. Als Beispiele für "Freie Güter" werden z.B. Luft und Wasser genannt. An dieser Stelle zeigt sich jedoch ganz besonders, dass die Definition für "Freie Güter" auf sehr dünnem Eis steht und sich vor allem in der modernen Zeit drastisch wandelt. 

Gerade Wasser wird als das "Gold" der Zukunft beschworen und auch frische saubere Luft ist in Ballungszentren bereits "Mangelware". Es könnte absehbar sein, dass auch diese zum wirtschaftlichen Produkt wird. Auch der Emissionsrechtehandel bzgl. der Co²-Belastung ist ein Anzeichen dafür, dass der luftleere Raum zu einem direkten oder indirekten wirtschaftlichen Faktor wird.

"Die Knappheit der Güter beruht einerseits auf der Tatsache, dass sie durch den Einsatz ebenfalls knapper, nur begrenzt verfügbarer Produktionsfaktoren produziert werden müssen (so genannte absolute Knappheit), andererseits darauf, dass die prinzipiell unbegrenzten Bedürfnisse und Wünsche der Wirtschaftssubjekte außerhalb der Möglichkeiten zu deren Befriedigung liegen (so genannte relative Knappheit)."  [TEIA]

Die Frage ist, ob diese bislang "Freien Güter" wirklich frei sind (siehe z.B. Wasserkriege oder Berliner Wasserbetriebe) - ob diese FREI sein oder FREI werden sollten und falls ja, ob die jetzige Definition geeignet ist, deren Freiheit zu verteidigen??

"Auf der anderen Seite können auch knappe Güter zu einer bestimmten Zeit zu freien Gütern werden. So kann eine Rekordernte durchaus dazu führen, dass mehr Äpfel vorhanden sind, als benötigt werden. Da im engeren Sinne bei freien Gütern keine Bewirtschaftung stattfindet, also auch keine Anpflanzung von Obstbäumen, sind Äpfel in de Sinn kein freies Gut, aber ein Überangebot an Brombeeren im Wald schon." *

Die Festlegung "Freier Güter" ist also nicht wirklich geeignet, um die "Freiheit" der Güter zu defenieren. Die Beschreibung ist rein marktwirtschaftlich ("in so großer Menge vorhanden", dass die Preisgestaltung bislang keinen Profit versprach...). 

Angeblich verdanken wir der Knappheit alles: "Angenommen es hätte nie einen Mangel gegeben, dann hätte es vermutlich auch keine Evolution gegeben. Vermutlich wäre der Mensch nicht entstanden. Es hätte auch einen technischen Fortschritt gegeben. Nur die Knappheit der Güter hat den Menschen, Ackerbau zu betreiben, statt weiter nur Nahrung zu sammeln." ... eine gewagte These, wie ich finde...

Auch der Gegenpol zu "Freien Gütern" ist irreführend. 

"Knappe Güter" werden diese genannt und etwas pragmatischer "ökonomische Güter" / "wirtschaftliche Güter" oder "Wirtschaftsgüter".  

Mit "knapp" ist in Wirklichkeit begrenzt gemeint, denn im Gegensatz zu den "Freien Gütern" müssen diese hergestellt, bewirtschaftet und / oder gepflegt werden.  
Unsere globale Nahrungsmittelproduktion, die über 12 Milliarden Menschen - jetzt sofort - ernähren KÖNNTE, zeigt besonders dramatisch, dass diese Güter ganz und gar nicht grundsätzlich knapp sind. Und die digitalen Güter, die zu den immateriellen und somit auch zu den "knappen Gütern" zählen, sind alles andere als knapp oder gar begrenzt. "Knappe Güter" als Beschreibung und Definition (nomen est omen) ist eine gefährliche Irreführung. Dass diese Güter knapp sind, ist schlicht im Interesse der Anbieter, denn genau das steigert bzw. erhält den Preis.

Die Aufteilung und Polarisierung in Güter der Freien Marktwirtschaft und Güter, die sich ganz oder teilweise der Freien Marktwirtschaft entziehen (oder entzogen und besonders geregelt gehören), ist sinnvoll. Die Gemeinsamkeit bzw. das Kriterium der Unterscheidung dieser beiden Bereiche ist das Recht (siehe auch "Eigentum" bzw "Eigentumstheorien").


Insofern gibt es eigentlich nur die Güter des Freien Marktes - sowie die Güter des geregelten Marktes, und Mischformen. Bei den Mischformen spielen jedoch bereits weitere Klassifikationen, wie Verfügung, Zugang & Finanzierung eine bedeutende Rolle, weshalb ich an dieser Stelle nicht tiefer darauf eingehe.

Die NICHT Aneigbaren Güter möchte ich hervorheben, denn schon der Begriff und die Definition zeigen, dass der Freie Markt aktuell nur nicht weiß, wie er sich diese Güter aneignen soll und schlicht realisiert, dass diese Güter nicht voll inkludiert werden können.

Güter - siehe auch Wirtschaftslexikon24


  • Freier Markt
    • private, ökonomische / wirtschaftliche Güter

  • Gemeiner Markt
    • aktuell nicht geregelt:
      • "Freie Güter" wie Luft & Wasser
    • unregelbar:
    • geregelter Gemeiner Markt:
      • Gemeingüter / Kollektivgüter
      • Allmende
      • Öffentliche Güter
      • Kulturgüter


siehe auch "Überfluss im Mangeldenken"

Freie und knappe Gemeingüter

Dass "Freie Güter" (z.B. Wasser und Luft) nicht mit Gemeingütern verwechselt werden sollen. verrät berreits welch Geisteskind die definierenden Wirtschaftswissenschaften sind. Würde die Definition, dass "Freie Güter" in so großer Häufigkeit vorkommen, dass dies für alle Menschen genügt, wirklich ziehen, dann müssten auch die virtuellen Güter wie "open source" Produkte dazu zählen. Aber die Definition stammt nicht aus dem aktuellen Computerzeitalter.

Speziell Wasser (Menschenrecht auf Wasser), aber auch die Luft sollten grundsätzlich zu den Gemeingütern zählen. 

Und auch bei den knappen Gütern, also den Wirtschaftsgütern, sind eine ganze Reihe an Gütern dabei, die dem sogenannten "Freien Markt" entzogen und zumindest teilweise geregelt werden sollten. In meiner Klassifizierung gehören diese dann zu dem "Gemeinen Markt", dessen Bestandteile und Regelungen ich noch bei den "Gemeingütern" (Kapitel IX & X) genauer beschreiben werde.



Anmerkung:
Ich bin kein Gegner des "Freien Marktes" - sogar im Gegenteil. Aber die Analyse der bisherigen Klassifikation zeigt deutlich, dass keine saubere Trennung zwischen den Gütern des Freien Marktes und den sog. "Freien Gütern" bzw. Gemeingütern vollzogen wurde. Die Begiffe und deren Definitionen wurden stets so gewählt, dass sich der Freie Markt offen hält, auch diese Bereiche zu erobern. Eine klare Argumentationslinie, dass es auch schützenswerte Güter ausserhalb des Freien Marktes geben könnte, fehlt absolut. 

Den Beweis, dass die unsichtbare Hand des Freien Marktes auch das Sozialwesen oder Güter von kulturellem Wert regeln oder gar schützen würde, ist der Neoliberalismus schuldig geblieben und hat sich somit ad absurdum geführt. Von daher ist der Freie Markt an den Stellen, wo dieser Existenzbedürfnisse (auch kultureller Art) bedroht, in seine Schranken zu weisen und (wenn es sein muss auch staatlich) zu regeln.

Sonntag, 4. November 2012

GUT (Teil VI: Funktionale & Dysfunktionale Güter)

Ich führe die "Funktionalen Güter" und "Dysfunktionalen Güter" aus mehreren Gründen ein:
Gerd Altmann  / pixelio.de

  • Strom lässt sich streng genommen weder bei materiellen noch bei immateriellen Gütern einsortieren. 

  • Würde man Müll, Ausschuss, geplante Obsoleszenz und das Vernichten von Gütern einfach so bei den bisherigen "knappen" Wirtschaftsgütern einsortieren, könnte man deren Hintergründe geschickt verschleiern.

  • Es lohnt sich zwecks Vereinfachung, die Güter, die eine gesellschaftliche, wirtschaftliche oder soziale Funktion erfüllen, gebündelt zu betrachten.

Funktionale Güter:

Funktionale Güter erfüllen eine soziale, gesellschaftliche / kulturelle oder wirtschaftliche Funktion von hoher oder gar existentieller Bedeutung. Funktionale Güter zeichnen sich durch ihre Lösungsorientierung und NOTwendigkeit aus.

Es gibt auch "Funktionale Güter", die aufgrunde eines "Dysfunktionalen Marktes" einer besonderen Förderung oder Regulierung bedürfen - sogenannte meriotische und demeriotische Güter.

Grundlegende Funktionen sind z.B.: Gesundheit, Bildung, Frieden,

Funktionale Güter sind häufig Gemeingüter oder unterstehen besonderen gesetzlichen Regelungen, besonders wenn sich deren Notwendigkeit aus Grundrechten wie auch dem Menschenrecht ableiten lassen. (siehe auch)


Subfunktionale Güter:

Subfunktionale Güter sind auslaufende Güter / Technologien, die ersetzt werden oder ersetzt gehören - bzw. sich ab erreichen eines funktionalen Zieles erübrigen. Subfunktionale Güter sollten stets mit dem zu ersetzenden "Funktionalen Gut" benannt werden.

"Subfunktional" ist dabei eine Anlehnung an "strategische Erfolgsfaktoren".
Die sinnvolle Änderung einer Dysfunktion in eine Funktion kann als "Transfunktion" beschrieben werden.

Subfunktionale Güter können wie folgt mit Gemeingütern in Verbindung gebracht werden: Die Entsorgung der Dysfunktionalen Güter (z.B. "Atommüll" als Dysfunktionales Gemeingut) bzw. die Förderung der "Funktionalen Ersatzgüter" (wie z:b. Solar-, Wind- & Wasserkraft).


Dysfunktionale Güter:

Dysfunktionale Güter sind ein Ausdruck von Versagen oder Missbildungen des Marktes, der Gesellschaft / Kultur bzw. des Sozialen. Dysfunktionale Güter zeichnen sich durch ihre Problemorientierung und das Schaffen von Problemen aus. Meistens werden unNÖTIGE und unverhältnissmässig viele Probleme geschaffen - gegenüber der Leistung, die dem Dysfunktionalen Gut nachgesagt wird.

Klassische Dysfunktionale Gemeingüter sind z.B. der Atommüll oder die "Militärischen Güter".


Dual Funktionale Güter

Dual Funktionale Güter lassen sich in mehreren Kategorien der Funktionalität einsortieren - speziell: "dual use goods" (dual nutzbare Güter), die einerseits militärisch und andererseits gebräuchlich eingesetzt werden können und daher rechtlich besonders geregelt werden. 

Im übertriebenen Sinn ist bereits das bekannte Buttermesser, das auch als Waffe eingesetzt werden kann, ein "Dual Funktionales Gut".


Beispiele:


Funktionale Güter (Infrastrukturgüter):
  • Funktionale Infrastrukturgüter:
    • Strom ist ein funktionales Gut. Ohne Strom wäre die Gesellschaft, wie wir diese heute kennen, undenkbar. Aber auch und besonders das Soziale, die Wirtschaft selbst und die Kultur würde ohne Strom mehr als nur beschnitten. Gleichzeitig kann Atomstrom bereits bei den Dys- & Subfunktionalen Gütern einsortiert werden.
    • Verkehr und Straßennetz
    • Öffentlicher Nahverkehr 
  • Sozial Funktionale Güter: 
    • Medikamente, speziell Generika, können z.B. im Rahmen eine Epedemie, zu einem funktionalen Gut werden.
    • Schulen, Bildungswesen
    • Krankenhäuser, Gesundheits
  •  

Subfunktionale Güter:
  • Minen-Räumfahrzeuge & Militär-Entsorgung
    Die lösungsorientierten Komplementäre zu den "Militärischen Gütern"
  • Militärische Güter, Waffen 
  • Atomstrom 


Dysfunktionale Güter:
  • Atomstrom 
  • Müll
  • Ausschuss
  • Gütervernichtung
  • geplante Obsoleszenz


Dual Funktionale Güter
  • Alltagsprodukte, die auch als Waffen eingesetzt werden können
  • Substanzen wie Morphium, die als Medikament und Droge zum Einsatz kommen können
  • Externalität kann je nachdem, ob es sich um "Funktionale" oder "Dysfunktionale" Güter bzw. eher Leistungen handelt, unterschiedlich einsortiert werden.



Motivation der Bereitstellung und Regelung der Verteilung von Gütern

Die Aufteilung in "Bereitstellung" und "Verteilung" sowie die vier Gliederungen der "Verteilung" stammen von Edwin von Böventer, Gerhard Illing: "Einführung in die Mikroökonomie", Oldenbourg Wissenschaftsverlag; Auflage: bearbeitete Auflage (14. Mai 1997), ISBN 3486242482, Seite 6f

Gerd Altmann / pixelio.de
  • Motivation der Bereitstellung von Gütern: Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, daß ein Mensch nur durch (monetäre) Anreize bereit ist produktiv zu werden und somit nur durch (monetäre) Anreize eine ausreichende Güterversorgung sicherzustellen ist (Anreiz-Beitrags-Theorie aus der Organisationstheorie von Simon, March und Barnard). Angesichts der ausgeprägten "open everything" - Bewegungen kann diese Theorie in ihrer Allgemeingültigkeit sehr wohl angezweifelt werden. Man könnte zwar behaupte, dass auch hier ein Anreiz der Auslöser ist, allerdings liegt dieser bereits im Geben und Schöpfen und nicht in der Erwartung eines Austauschs, der ja zudemn nicht in allen Fällen erfolgt.

    Da einige Ansätze voraus gingen, wie z.B. der Bürokratieansatz aus der klassischen Organisationslehre - aber auch Ansätze aus der modernen Organisationslehre folgten, wie der eng verknüpfte Humanressourcen-Ansatz, sollte man sich mal die gesamte Organisationslehre vorknöpfen und aus dem Blickwinkel von BGE-Argumentationen aufmischen.


    Wie die Motivation des Menschen aus dem Blickwinkel der Gehirnforschung aussehen kann, zeigt Gerald Hüther in diesem Vortrag:




    • Schöpfen als Anreiz (Hedonistisch)
      • Bereitstellung aus Spaß
      • Bereitstellung dank kreativem Selbstausdruck
    • Einseitige Bereitstellung (kriminell)
      • Gaben der Natur (die meist entnommen werden und nur selten ausgleichend zurück gegeben / gezahlt werden, z.B. ohne Aufforstung)
      • Diebstahl / Raub
    • Bereitstellung aus Altruismus
      • Wohlfahrt / Spende
    • Bereitstellung aus autoritärem Zwang
      In den unteren Einkommensschichten hat sich der sogenannte "monetäre Anreiz" zu einer Motivation aus "autoritärem Zwang" entwickelt.
    • Bereitstellung dank Anreizen
      • nicht monetär
        • Lob
        • Prestige
        • Orden
      • monetär 
        • erzielbare Einkommen
        • mögliche Einsparung von Ausgaben

  • Regelung der Verteilung von Gütern: "Arbeitsteilung" und die "Knappheit der Güter" würden uns zum Tausch veranlassen, heisst es bei Wikipedia. Zumindest Letzteres stimmt nicht mehr bei virtuellen / informationellen Gütern sowie bei Nahrungsmitteln und einigen weiteren Gütern. Diese Begründung müsste folglich grundlegend überarbeitet werden.

    Jedenfalls wird die Verteilung der Güter nach vier großen Prinzipien beschrieben, die nie in Reinform anzutreffen seien (die Soziale Marktwirtschaft wird z.B. als Mischform aus "Markt" und "Teilkontrolle" durch den Staat beschrieben, wobei Öffentliche Güter, Steuern und Subventionen der Autorität zugeordnet werden):

    • Markt: " In einer kompetitiven Ökonomie, in der alle Güter auf Märkten frei getauscht werden, wird eine pareto-effiziente Allokation der Ressourcen erreicht. Es gilt das Prinzip der Zahlungswilligkeit: Wer den Marktpreis bezahlt, bekommt das Gut." Wikipedia

    • Autorität: "Eine Form von Zwang: mittels selbst gewählter oder demokratisch bestimmter Kriterien werden Gesetze erlassen, die die Verteilung bestimmen. Probleme sind hier mögliche Korruption oder die faktische Unmöglichkeit einer Autorität, alle Bedürfnisse der Betroffenen zu kennen." Wikipedia

    • Verhandlung: "Ein durch Diskussion herbeigeführter Einigungsprozess. Hier bleibt fraglich, ob alle Betroffenen sich tatsächlich treffen können oder durch Repräsentanten vertreten werden. Nicht geringen Einfluss haben Machtpositionen oder individuelles Verhandlungsgeschick; sogar die Tradition kann ein eigenständiges Prinzip der Zuteilung sein." Wikipedia

    • Wahl: "Die Betroffenen entscheiden zwischen einer Auswahl Alternativen direkt. Auch hier gestaltet sich die Umsetzung als kompliziert." Wikipedia


Donnerstag, 6. September 2012

Endlich die passenden Schubladen für Piraten

Es ist verständlich, dass die Piratenpartei greifbarer wäre, wenn sich diese EINER Ideologie UNTERORDNEN würde - und mit "greifbar" sind sicherlich auch lang erwünschte Angriffsflächen gemeint. 

Die Piratenpartei ist dem Bürger verpflichtet und durch die Forderungen nach mehr Bürgerbeteiligung auch näher als die meisten Parteien. Dieser Bürgerwille ist ohne Zweifel NICHT asozial ausgerichtet - und angesichts der aktuellen Bedrohungen der Demokratie ein Diener der Freiheit und freiheitlicher Ideale. 


Genauso wird der Rechtsstaat anerkannt, denn dieser sollte im richtigen Maß das richtige regulieren - nicht überregulieren, nicht das Falsche regulieren und nicht das Richtige zu halbherzig regulieren. Da dies aktuell dermaßen aus dem Ruder gelaufen ist, liegen aktuell liberale Prinzipien nahe ... kommt aber ein Punkt auf die Tagesordnung, wo die staatliche Regulierung mangelt, kann genausogut mehr Staat (oder zumindest ein gezielterer sinnvollerer Staat) verlangt werden. Dies ist nur dann ein Wiederspruch, wenn man sich einer Ideologie geradezu blind unterwirft. In Wirklichkeit sind dies Gegensatzpaare, wo je nach Situation auf der einen oder anderen Seite nachjustiert - oder eben losgelassen - werden muss.


So auch bei der Transparenz, was die Piraten selbst erst lernen. Natürlich ist das Komplementär zur Transparenz der Schutz der Intimsphäre bzw. privater Daten. Und natürlich muss hier ein Gleichgewicht gefunden werden. Die beiden Seiten widersprechen sich nicht, sie sind nur die beiden Enden ein und der selben Wurst. Aber die Forderungen nach einem transparenten Staat - anstelle eines transparenten Bürgers sind neu und völlig frisch auf der realistischen Politbühne. Es sind nicht nur die Piraten, die mit den neuen Begebenheiten, Möglichkeiten und Risiken des Internets umgehen lernen. Die gesamte Gesellschaft steht hier vor neuen Herausforderungen. Die Piraten sind nur die Einzigen, die dies thematisieren und ihre Analysen sowie Vorschläge offen zur Verfügung stellen.


Wir befinden uns in einem Land und gewisse nationale Belange sind sehr wohl schützenswert - so sehr man sich auch gegen nationalistische Wucherungen zu recht zur Wehr setzt. Tatsächlich macht es keinen Sinn nur die Schulden und Risiken der Banken sozialistisch zu vergemeinschaften - entweder die Banken und Anleger tragen ihr Risiko selbst und selektieren sich nach neoliberaler Art des Hauses, oder auch die Vorteile der Geldschöpfung sind ebenso zu vergemeinschaften. Bis zum jeweiligen Parteitag, wo die Basis aus allen vorliegenden Ideen / Ideologien die bestmögliche Lösung herauskristallisiert, wird sich die Piratenpartei  nicht festlegen lassen. Warum auch? Angesichts der aktuellen Krisen wird keine halb durchdachte Lösung helfen. Es lohnt sich trotz Zeitdruck genau hinzusehen und an wirklichen Lösungen - und keinen weiteren (!) Scheinlösungen - zu arbeiten.

Der Markt reguliert sich absolut nicht selbst, das neoliberale Märchen ist am Ende. Dem Markt sind genau da Grenzen zu setzen, wo sich dieser dank Profitgier über soziale Notwendigkeiten stellt und letztlich grenzverletzend gegen den Menschen "handelt". Auch die Privatisierung von Gemeingütern wie Verkehr, Bahn, Öffentlicher Nahverkehr, Telekommunikation, Medien, Post, Wasser, Energie und teilweise auch Banken, hat sich nicht grundsätzlich als sonderlich positiv erwiesen. Die Piratenpartei wird hier jeden einzelnen Fall überdenken und das Potential der Fachleute aus den eigenen Reihen ausschöpfen. Denn die Piratenpartei besteht aus den verschiedensten Alters- & Berufsgruppen und lädt dank partizipativer Grundprinzipien jeden Menschen zur gemeinsamen Lösungsfindung ein! Vor allem die Bürger werden einbezogen werden, wenn es um die Fragen geht, was sich diese gemeinsam leisten wollen - welche Kosten und Vorzüge sich diese teilen wollen und vor allem, wie dies zu organisieren ist.

Dabei ist völlig offen, ob diese Gemeingüter wieder zurück in die staatliche Kontrolle, sozialistisch angehaucht vergemeinschaftet gehören --- ob von Bürgern verwaltete Genossenschaften z.B. die Wasserversorgung übernehmen oder auch Stiftungen denkbar sind --- ob die Geldschöpfung in die Hand des Staates gehört oder gar als Staatsgewalt (im Rahmen der Gewaltenteilung) als sog. "Monetative" am besten aufgehoben ist. Das Einzige was jedem klar sein dürfte ist, dass es so wie bislang nicht weiter gehen kann. 


Die Ideologie, die am Ende jeweils heraus kommt, ist völlig zweitrangig. Wichtig ist, dass für den einzelnen Fall die bestmögliche Lösung gefunden wird. Dafür müssen alle Lösungen und Alternativen transparent auf den Tisch. Diese gehören wissenschaftlich analysiert und auseinandergenommen. Die Ergebnisse müssen dem Bürger zur Verfügung gestellt und Entscheidungen nachvollziehbar werden! Und wir dürfen uns als Bürger (und den Piraten als Bürgerpartei) dabei Fehler erlauben, denn wir können diese jederzeit ebenso basisdemokratisch wieder korrigieren. Auch die bisherige Politik hat sich Fehler erlaubt und muss sich Korruption oder zumindest Bereicherung einiger Weniger vorwerfen lassen. Die Bürger haben keine Notbremse, wenn wir allesamt an die Wand gefahren werden und genau da müssen wir gemeinsam einschreiten.


Sicher können Inhalte der Piratenpartei einzelnen Ideologien zugeordnet werden. So lange allerdings keine Ideologie die Motivation für die Lösungsfindung ist - bleibt der Motor und Antrieb piratischer Politik IDEOLOGIEFREI!!

 
[Sollten einzelne meiner Aussagen irgendwie ideologisch gefärbt sein, weise ich ausdrücklich darauf hin, dass ich hiermit keine offizielle Meinung der Piratenpartei zitiere - sondern die Fadenscheinige Frage nach zugrundeliegender Ideologie demaskieren und alle sinnvollen Möglichkeiten offen haten möchte!]


Mehr zum Thema :

 


http://ins-pirat.blogspot.de/2012/09/freiheit-von-piratischer-ideologie.html
http://ins-pirat.blogspot.de/2012/09/kultur-statt-ideologie.html
http://ins-pirat.blogspot.de/2012/09/die-kulturepoche-der-piratenpartei.html

Bilder: Gerd Altmann / pixelio.de