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Freitag, 12. Oktober 2012

Öffentlichkeitsarbeit in transparenten Organisationen

Die Piratenpartei fordert gnadenlose Transparenz und bekommt diese. 

Mich wundert es ein bisschen, wenn Piraten über Berichte der Presse schimpfen, die sich zu großen Teilen aus dem Transparenz-Pool der Piraten bedient. 

Haben die Piraten nicht mit den Folgen von Transparenz gerechnet? Wird den Piraten erst jetzt so langsam bewusst, dass Transparenz bedeutet, dass die Konflikte und Auseinandersetzungen live mitverfolgt werden können? 

Und dann wundert man sich, dass die Konflikte auch noch live mitverfolgt und publiziert werden?


Offensichtlich können die Piraten nicht mit ihrer eigenen Transparenz umgehen. 

Denn damit nicht genug:
Konflikte, die gut und gerne zu großen Teilen zunächst privat und persönlich ausgefochten werden können, werden als Werkzeug - Mittel - und Waffe in die Öffentlichkeit (oder gar direkt zu Pressevertretern) transportiert.


Während ich noch das Gefühl habe, dass ein Umgang mit Transparenz auch transparent gelernt werden kann - beschämt mich die Medienkompetenz der eigenen Partei.

Mehr noch: Es ist schlicht menschlich völlig daneben, Konflikte in die Öffentlichkeit, Social Media oder gar vor die Presse zu schleifen - so lange nicht alle persönlichen, privaten oder gar Kreativen Chancen ausgeschöpft wurden.

Sicher ist es ein legetimes Recht, die Öffentlichkeit oder gar rechtsstaatliche Mittel hinzu zu ziehen, wenn andere Wege ausgeschlossen erscheinen - aber genau das ist nicht der Fall. Die Öffentlichkeit wird missbraucht, um Empörung, Schimpf und Schande über den Kontrahenten zu ergiessen.


Es geht nicht um Transparenz - es geht um Kontrolle! Und genau hier soll Transparenz eingesetzt werden, um die Öffentlichkeit in Rage zu versetzen - gegen Leute aus der eigenen Partei. Das ist die unterste Schublade und zeigt wie menschlich diese Schublade zu sein scheint - die man den alteingesessenen Parteien so gerne um die Ohren hauen würde. 


Mit dem bereits ehemaligen Erfolgskurs der Bundespiraten geriet die Transparenz-Partei in das Rampenlicht. Die eigene Forderung wurde erfüllt und die Öffentlichkeit hat genauer hingesehen WIE dort Politik gemacht wird - schliesslich sollte man ja ein neues WIE erwarten. Man wollte ANDERS sein...

Dabei haben einzelne Pappnasen der Partei nicht begriffen, dass plötzlich jede öffentliche Bewegung der Partei zur Öffentlichkeitsarbeit wurde.

Es gibt da tatsächlich die Vorstellung, dass es ein Unterschied wäre, ob ein Konflikt auf einem Blog, in einem "Offenen Brief" oder in einer Pressemeldung ausgetragen wird - als gäbe es bei einer transparenten Partei unterschiedliche Abstufungen in der Transparenz.

Das Lachen bleibt mir bei diesen Texten stets an der Stelle im Halse stecken, wo diese Pamphlete von einer "Öffentlichkeitswirkung" des angeblichen Gegners reden. So viel Projektion aufgrund eigener blinder Flecken habe ich selten erlebt.


Antworten zur Öffentlichkeitsarbeit der Piraten BaWü

Würde man die eigene Birne etwas kreativ anregen, könnte man sogar zu humorvollen öffentlichkeitswirksamen Texten kommen, sollte die persönliche Aussprache nicht mehr genügen. Da sieht man, was passiert, wenn vor lauter "Ernst des Lebens" der Humor abhanden kommt. Nur, man schiesst sich derart in das eigene Bein!

Die einzige Lösung, die mir einfällt, um diesem auswuchernden Problem zu begegnen, ist die Schlacht mit eigenen Waffen. Wer künftig die Öffentlichkeit missbraucht, weil er selbst zu feige für das persönlliche Ausfechten ist - oder zu unkreativ für eine Lösung zugunsten aller, sollte im eigenen Shitstorm begraben und mit Schimpf und Schande bedient werden.

Sollten sich Funktionäre oder Abgeordnete dieser medieninkompetenten Mittel bedienen, die primär für die Talfahrt der ganzen Partei verantwortlich sind, sollte dies bei Zeiten personelle Konsequenzen haben.

Was Medienkompetenz betrifft sollten die Piraten dringend von ihrem 2.0-Ross herabsteigen und in die 1.0-Grundschule gehen!!

Soweit meine paar Cent ...
Die Kommentarfunktion in meinem Blog freut sich über kreativere und humorvollere Lösungen.


Montag, 8. Oktober 2012

Operative und emotionale Kreise

Benjamin Thorn  / pixelio.de
Wenn Du mit diesem Text einverstanden bist oder ihn hilfreich findest, teile ihn bitte, damit sich etwas bewegt - und wir uns aus-ein-ander-setzen.

Wenn Du Probleme an diesem Text erkennst und nicht einverstanden bist, kommentiere ihn bitte oder kontaktiere mich - damit ich mich weiter entwickeln kann.


Konflikt-Management

Für ein Management, das sich auch mit den menschlichen Problemen auseinandersetzt (oder auseinandersetzen muss), empfiehlt sich die Trennung zwischen dem operativen Management und dem Management der internen Krisen, Probleme und Konflikte. 

Dies liegt einerseits daran, dass beide Themenfelder unterschiedlich gehandhabt werden müssen - und andererseits daran, dass die operative Handlungsfähigkeit gestört (ja geradezu erstickt) werden kann, wenn die Konflikte Überhand gewinnen.

In der politischen Arbeit ist diese Grenze zwischen operativem Management und Konfliktlösung etwas schwerer zu ziehen, denn die politische Arbeit beschäftigt sich geradezu - fast ausnahmslos - nur mit Konflikten. Die verschiedenen Positionen unterschiedlicher Parteien sind einerseits intelektuelle Interessenskonflikte, andererseits emotionale oder gar instinktive Konflikte, die auch auf Ängsten und realen Verletzungen basieren können. Genauso ist dies bei internen Positionierungen, Meinungsverschiedenheiten und Sinnfindungen - komplex!

Daher benötigen Positionierungen zu Themen wie Kriegseinsätzen, Beschneidung, Vergewaltigung, ... etc. ein besonnenes Händchen, vor allem in der Öffentlichkeitsarbeit - bzw. in Allem, wo öffentlich oder transparent gehandelt wird.

Klar zu unterscheiden und zu trennen sind interne Konflikte, welche die Grenze eines einfachen Schlagabtauschs zur eigenen Positionsfindung überschritten haben.


Der operative Kreis


Die operativen Kreise werden in der Piratenpartei von den gewählten Funktionsträgern, Abgeordneten und Arbeitsgruppen organisiert. Hier soll rein politisch gearbeitet werden. 

Beginnen persönliche Konflikte die Arbeit zu stören - intern oder von Aussen herangetragen - sind diese auf ein eigens einzurichtendes Konflikt-Lösungs-Team zu verweisen.

Das operative Management (oder das Schiedsgericht) beschäftigt sich mit der Konfliktlösung nur dann, wenn die eigenen Konflikt-Lösungs-Mechanismen offensichtlich versagt haben.

Die letzten Mittel sind, neben einem "letzten" Gesprächsangebot zur Klärung (wobei mit den Beteiligten eventuell zunächst getrennt gesprochen wird), die Sanktionen bis zum Partei-Ausschluss-Verfahren - was in der Satzung geregelt ist.

Da wir uns hier in einem Management befinden, das Transparenz als Mittel einsetzt, muss zunächst geklärt werden, ob Konflikte wirklich in der Öffentlichkeit auszutragen sind. 

Kommt man zu dem Schluß, dass Konflikte erst dann in die Öffentlichkeit (oder auch in den operativen Kreis) gehören, wenn diese im persönlichen Kontakt bzw. mit Vertrauenspersonen und Mediator sowie in einem Krisenmanagement versagt haben, dann muss man sich überlegen, wie man künftig damit umgehen will.

Ist der Konflikt im operativen Management selbst, dann wird es kritisch, weil die Handlungsfähigkeit leiden kann, gelähmt - oder in Frage gestellt - wird. Eine solche Situation zeigt besonders, wie wichtig ein professionelles Krisen-Management sein kann.

Wird der insgesamte Prozess durch einen Konflikt letztlich handlungsunfähig, müssen die Verantwortlichen das Management auswechseln.


Kreis der Konflikt-Lösung


Die Verantwortlichen im "Kreis der Konfliktlösung" sollten geschult sein und Mediation, Gewaltfreie Kommunikation oder gar geeignete therapeutische Ausbildungen vorweisen können.

An dieser Stelle geht es nicht mehr um den Alltagskonflikt, den jeder haben und somit auch lösen können sollte - leider. 

Hier geht es rein lösungsorientiert darum, den Konflikt zu lösen und eine Intervention des operative Kreises oder Schiedsgerichts mit satzungsgemässen Sanktionen zu vermeiden.

Bevor ein Thema mit den Beteiligten in den "Kreis der Konfliktlösung" gelangt, müssen folgende Punkte erledigt sein:


a) Die Beteiligten - und nur die wirklich Beteiligten - haben sich bereits persönlich getroffen (oder zumindest telefoniert / VoIP / Mumble) und um eine Lösung des Konflikts bemüht.

b) Da der Konflikt nicht gelöst werden könnte, haben die primären Kontrahenten jeweils eine Vertrauensperson hinzugezogen und gemeinsam einen unabhängigen Mediator für ein möglichst persönliches Klärungsgespräch gewählt.

c) Nur, wenn beide Klärungsversuche versagt haben, wird der Kreis der Konfliktlösung einberufen. Weigern sich die Beteiligten zu den ersten beiden Zyklen einer Konfliktlösung und droht der Konflikt die operative Handlungsfähigkeit zu beeinträchtigen, kommt der Kreis der Konfliktlöser intervenierend auf die Beteiligten zu.

d) Kommt es zu keiner Lösung, muss an den operativen Kreis abgegeben werden, der rein sachlich - an der Satzung orientierend - handelt und ggfs. Sanktionen ausspricht.

Dieser Ablauf ist an sich natürlich - in dieser Form nur strukturiert. 
Bei einem Konflikt gehen die Beteiligten meist auf Unbeteiligte zu und erzählen ihre Version. An dieser Stelle ist es wichtig nachzufragen, ob denn bereits ein persönlicher Klärungsversuch unternommen wurde. Unbeteiligte sollten stets und geradezu ausnahmslos auf die persönliche Klärung drängen - und sich vorher keinesfalls einschalten. 

Wenn man will, kann man sich als Vertrauensperson für die nächste Eskalationsstufe anbieten. In der Regel klären sich Konflikte spätestens im Kreis der Konfliktlösung und nur noch Ausnahmen müssen die operative Handlungsebene betreten.


Transparenz als Waffe


Transparenz wird in der Piratenpartei als wichtiges politisches Werkzeug - aber auch leider sehr häufig als Waffe eingesetzt. Es drängt sich die Frage auf, ob die Parteimitglieder ihr eigenes primäres Werkzeug überhaupt richtig verstanden haben und einzusetzen wissen?? 

Wo ist die Grenze von Transparenz, um nicht zur Überwachung zu werden bzw. Privat- & Intimsphäre eines Menschen nicht zu verletzen? 

Welchen Raum von Vertraulichkeit brauchen Menschen einfach - vor allem, wenn Konflikte und deren Lösung (oder Positionierungen) das Alltagsgeschäft sind?

Es fällt auf, dass es nur zwei Arten von Transparenz zu geben scheint: Absolute, teils fast aggressive Transparenz - und Intransparenz, geheimes Klüngeln. Was fehlt, das sind Stufen - z.B. eine Transparenz, die rein innerhalb der Partei transparent ist und somit gemeinsam entscheidet, was davon überhaupt an die lauschende Öffentlichkeit gehört - und was in der Öffentlichkeit schlicht und einfach nichts zu suchen hat.

Jetzt könnte man auch mit "Post-Privacy" kommen und behaupten, dass es egal ist, wenn der eigene Konflikt an die Öffentlichkeit gelangt. Gewisser Weise stimmt das auch, denn der viralen Öffentlichkeit wird der Konflikt ja nicht aufgezwungen (man kann wegklicken oder überlesen). Ist es wirklich keine Belästigung der Timeline, wenn Kontrahenten ihren Konflikt unbedingt mit "Social Media" als Werkzeug oder Waffe austragen müssen?

Es spricht nicht unbedingt für die soziale Kompetenz von Menschen, die ihren Konflikt in der Öffentlichkeit austragen. Oder warum geht ihr mit Eurem Partner nicht grundsätzlich in den Supermarkt bzw. in die Oper, um Euren Konflikt lautstark auszutragen? Nur, weil ihr die anderen nicht stören wollt - oder auch, weil dieser Rahmen nicht unbedingt der geeignetste ist, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen? 

Oder ist es bereits ein Hilferuf, dass ihr damit alleine nicht zurande kommt? Denn genau das ist es: Ein Hilferuf einer höheren Eskalationsstufe!! ... oder auch Bequemlichkeit bzw. Feigheit, den persönlichen und direkten Kontakt zu scheuen.

Die öffentliche Meinung einzuschalten, zur Presse zu gehen, oder einen Blogbeitrag zu schreiben - ohne einen persönlichen Klärungsversuch unternommen zu haben (bzw. vorhandene Strukturen zur Klärung zu nutzen) - sollte scharf verurteilt werden und bei Trägern von Verantwortung Konsequenzen haben.


Set & Setting:

Ich übertrage an dieser Stelle die Begriffe "Set & Setting" von Timothy Leary auf den heilsamen und lösungsorientierten "Raum".

Wenn es wirklich darum gehen soll, den Konflikt zu lösen - es also um keine Scheinlösungen, Halbwahrheiten und Machtspielchen gehen soll, dann ist die mentale Verfassung der Kontrahenten und der umgebende Raum bei einer Klärung von entscheidender Bedeutung.

Lösungsorientiert betrachtet benötigen Konflikte, wenn diese gelöst werden sollen, einen vertrauensvollen Rahmen. Das bedeutet, dass sich die Beteiligten freiwillig treffen und mit den Methoden zur Konfliktlösung einverstanden sein müssen. Die Phase, wo sich die Beteiligten aktiv verletzen wollen (damit der andere spürt, was man selbst durchmacht), sollte bewusst abgeschlossen sein - bzw. sollten die Kontrahenten dies zumindest ehrlich wünschen und sich möglichst daran halten.

So eine Konfliktlösung kann durchaus therapeutisch werden - es können Tränen rollen ... 

Schliesslich geht es darum, dass sich die Beteiligten öffnen, offen und ehrlich miteinander sprechen - auch, was diese verletzt hat und wie eventuelle Missverständnisse gemeint waren.

Transparenz findet hier im kleinsten Rahmen unter den Streithänen und der professionellen Begleitung statt. Eine weitergehende Transparenz, Aufnahmegeräte oder Zuhörer sind nicht erwünscht. Was öffentlich gemacht werden soll, entscheiden die Betroffenen im Anschluss. Darum geht es hier nicht!

Menschen, die sich öffnen, können vielleicht auch mal etwas sagen, was diese später bereuhen... vor allem, wenn dies öffentlich werden würde. Solche Ängste und Gedanken würden verhindern, dass man sich öffnet, offen und frei spricht.

Angenommen ein Missbrauch ist der Urgrund für jemanden, der permanent grenzverletzend wird und im vertrauensvollen Gespräch kommt dies an die Oberfläche. Gehört so etwas wirklich in das Mumble, muss sowas aufgezeichnet und der notgeilen Öffentlichkeit präsentiert werden? Oder beginnt hier spätestens der Schutz der Privat- & Intimsphäre? 

Die Grenze zwischen Transparenz und Überwachung kann hauchdünn und nur einen Schritt voneinander entfernt liegen! Wer tief sitzende Konflikte wirklich lösen will, muss sich ebenfalls von der Vorstellung lösen, dass derart vertrauliche Gespräche in die Öffentlichkeit gehören.

Wurde ein Konflikt geklärt, stehen die Beteiligten der Veröffentlichung ihrer eigenen Berichte zwecks Nachvollziehbarkeit sicher nicht im Wege - und wird ein Konflikt nicht geklärt, wird leider höchstwahrscheinlich weiter auch über die Öffentlichkeit hinweg gekämpft.


"no go" & Sanktionen:

Rollenspieler, die einen neuen Mitspieler haben und dessen Spielcharakter im Rollenspiel nach den ersten gemeinsamen Spieleabenden umbringen... um diesen im Anschluss offiziell in ihrer Gruppe aufzunehmen, legen es auf die Kraft eines "geistigen Todes" und einer Art "Neugeburt" an - auch wenn diese nur in der Vorstellungswelt gebiert.

Ähnlich soll ja auch Matthäus der Täufer die Menschen so lange im Wasser untergetaucht haben, bis diese Atemnot bekamen und eine Art Nahtoderlebnis hatten ... worauf diese wieder auftauchten und im vorchristlichen Zeitalter als "getauft" galten. (im Gegensatz zur heutigen "Taufe" ;-)

Selbst von Skull & Bones behauptet man, dass sich diese zur Aufnahme in deren elitären Zirkel für eine Nacht in einen Sarkopharg legen müssen. 

Es gibt nicht wenige Traditionen, die mit einer Art "Geistigem Tod" arbeiten.

Der Ausschluss aus einer Gruppe hat eine ähnliche Wirkung - auch wenn hier der Teil der "Auferstehung" und "Wiederbelebung" fehlt. Man sollte die Kraft von solchen Sanktionen nicht unterschätzen, denn psychologisch wird tatsächlich ein kleiner Mord, ein kleiner Tod durchlaufen. Das "Zugehörigkeitsgefühl" ist heutzutage eines der stärksten Motivationen - was nicht nur die Werbung verstanden hat und zu gebrauchen weiss. Wahrscheinlich schulden wir diese Entwicklung unserer "Isolationsgesellschaft".

Dies hat nicht nur auf denjenigen eine Wirkung, der ausgeschlossen wird - sondern auch auf die gesamte Gruppendynamik der verbliebenen Gruppe!! Je mehr der Ausschluss eine Art Mobbing war und je weniger man sich auf Augenhöhe geeinigt hat, um so mehr befürchten die Verbliebenen - bewusst oder unbewusst (!) - dass es ihnen ähnlich ergehen könnte. Und das sogar aus gutem Grund. 

Aus meiner Erfahrung trifft es vor allem diejenigen irgendwann, die am aktivsten andere aus der Gruppe hinausgedrängt haben. Nicht selten entledigt sich die Gruppe zu einem gewissen Zeitpunkt ihrer trennenden Elemente. Nicht nur deshalb sollte es eigentlich das Ziel sein sich zu einigen.

Häufig tragen die Querulanten eine Art Thema mit sich, das eigentlich einen Mehrwert für die Gruppe mitbringt - wenn es geschafft wird, sich zu einigen. Meistert eine Gruppe (!) einen Konflikt, dann wächst diese schneller über sich und das Stadium der "Pseudo-Gemeinschaft" hinaus. Je mehr dieser Prozess ein Kampf ist, umsomehr prägt dies auch das "Gruppengefühl". Je mehr sich eine Gruppe im Prozess einer Gründung oder Projektarbeit kannte, umso mehr sollte auf das Mittel des Ausschliessens verzichtet werden - und primär die Mehrheit in einer Gruppe an sich arbeiten ... anstelle von der Minderheit zu fordern!


Die Piratenpartei hat das Problem ihre fast 35.000 Mitglieder nicht wirklich zu kennen bzw. diese sich nicht wirklich untereinander. Es gibt keine wirkliche Schwelle des Zugangs. Das hat Vorteile - aber auch den Nachteil, dass sicherlich auch Menschen dabei sind, die den gemeinsamen Geist nicht teilen. Häufig gehen die Unpassenden von selbst - einfach aufgrund des Gruppengefühls. Wenn dies nicht der Fall ist, muss bei wirklichen Konflikten zu Sanktionen oder Androhung dieser gegriffen werden. Dies sollte allerdings absolut mit Bedacht geschehen. 

Will man die Notwendigkeit davon geradezu ausschliessen, dann muss man das Kennenlernen der Mitglieder fördern und den Prozess Mitglied zu werden mit einem Kennenlernprozess verknüpfen. Damit ist keine Gesinnungsprüfung gemeint - sondern rein zwischenmenschliches "Kennen & Lernen".


2do:

  • Ein geschultes Konflikt-Lösungsteam (z.B. "Gewaltfreie Kommunikation") ist zu begründen, das möglichst in jedem Bundesland und Kreisverband vor Ort ist.

    Bei diesem Konflikt-Lösungsteam sollten auch unabhängige Mediatoren angefragt werden können.

    Da dies Team auch intervenieren können sollte, müssten die Hauptverantwortlichen gewählt werden.

  • Die eigene Transparenz ist zu überdenken - möglichst eine Transparenzebene einzuführen, die nur für Parteimitglieder öffentlich ist und dort gemeinsam entschieden wird, was überhaupt nach "Draussen" gehört.

    Die völlige, absolute und aggressive Transparenz ist in Frage zu stellen - vor allem wenn diese Züge eines Überwachungsstaates annimmt bzw. Privat- & Intimsphäre verletzt werden (können).

  • Es sollte überdacht werden, ob und wie zu sanktionieren ist, wenn:

    • Abgeordnete, Funktionäre bzw. Mitglieder einen Konflikt öffentlich austragen, ohne zunächst den persönlichen Kontakt (oder eben Mediation und Lösungsteam) gesucht zu haben.

    • Innerhalb eines Konflikts persönliche Daten, Mails oder auch nur Timelines (die individuelle Privatsphäre-Einstellungen haben) ungefragt veröffentlicht werden.

    • Ob ein einfaches Ächten / Verurteilen solcher Handungen genügt (ob es einen positiven Shitstorm gibt)

  • 2 be continued ....

Der Autor Nils Sautter hat zwei Jahrzehnte als Seminarleiter im Bereich "Lerntechniken für Kinder und Erwachsene" gearbeitet. Die höchste Schule des Lernens ist sicherlich, Konflikte zu verarbeiten und aus diesen zu lernen. Ausserdem begleitet er Gruppen in Gründungsprozessen.

Bildmaterial: Gerd Altmann & all-silhouettes.com  / pixelio.de

Mittwoch, 26. September 2012

Woran können Gründungen und Parteien scheitern??


S. Hofschläger / pixelio.de
Meistens liegt es an (Werbe-) Kommunikation, wenn Projekte scheitern! 

Entweder wurde falsch kommuniziert oder es war zu wenig finanzielles Durchhaltevermögen für Werbe- Kommunikationsmittel vorhanden.

Natürlich gehe ich hierbei davon aus, dass es sich bei dem Angebot / der Partei grundsätzlich um eine wirkliche Lösung (und keine Scheinlösung rein illusionär erzeugter Bedürfnisse) handelt. Ist das Endprodukt Mist, sollte es nicht wundern, wenn es auf dem Haufen landet.

Hat die Unternehmung aber wirklich etwas zu kommunizieren und zur Zielgruppe zu transportieren, dann stellt sich meist die Frage, wie sich Angebot und Nachfrage / Problem und Lösung begegnen können. Ohne Kommunikation wird das nichts und diese wird in der Regel von Trägermedien transportiert.



Spielerisch ausgedrückt gibt es folgende Varianten:


  • Die Lösung selbst ist nicht praktikabel, dann sortiert sich diese meist wie von selbst aus.
  • Die Lösung ist zwar praktikabel, wird aber ...
    • a) nicht oder zu wenig kommuniziert
    • b) unverständlich kommuniziert. [Sprache]
    • c) missverständlich oder gar kontraproduktiv kommuniziert. [Logik]
    • d) unsympathisch kommuniziert [emotional]
    • e) an der Zielgruppe vorbei kommuniziert (erreicht die eigentliche Zielgruppe nicht, da die Sprache oder die Medien der Zielgruppe verfehlt wurden). [Ziele & Ausrichtung]
    • f) die natürlichen und logischen Gegenargumente wurden nicht aus dem Weg geräumt [intelektuell]
    • g) die natürlichen instinktiven Gegenbewegungen und / oder Kampagnen wurden nicht logisch widerlegt [instinktiv]
  • Befinden sich die kommunikativen Probleme bereits im Projekt / Team, wird es etwas schwieriger, denn die "innere Kommunikation" färbt sich allzuleicht und viel zu schnell auf die "äussere Kommunikation" ab bzw. wird wahrgenommen. Dies gilt natürlich absolut, wenn es sich um eine transparente Organisation handelt.

    Ebenso gilt dies auch für intransparente Projekte, denn fehlende Transparenz kann sehr wohl für Unverständniss, Missverständnisse, fehlende Sympathie und Verfehlung der Zielgruppe sorgen (b, c, d und e).

Zu wenig Geld:

Neben den verschiedenen Möglichkeiten, wie Kommunikation so schief laufen kann, ist es häufig die finanzielle Puste, die irgendwann versagen kann. 

Was wäre unmöglich, wenn wir endlos Werbekommunikation betreiben könnten?
Bei nahezu endloser Kommunikation, spielen natürlich die kommunikativen Fehler weniger eine Rolle - vorausgesetzt man lernt und kommuniziert die Lernerfolge. Auch das wird häufig vergessen: Veränderungen vergangener Fehler auch nach Aussen zu kommunizieren. Intern scheint bereits alles klar zu sein, aber das Umfeld - die Kunden, Wähler und Interessierte - haben davon noch nichts mitbekommen. Fehler eingestehen, dass kann sympathisch machen ... - bewusst Fehler leugnen, ignorieren oder das Lernen nicht zu kommunizieren, schreckt dagegen eher ab.

 
Ich behaupte, dass praktisch jede funktionierende Ökonomie mit Marketing und Vertrieb spielend und schrittweise zu einer Autarkie in der eigenen Kommunikation (Werbemedien!) kommen und somit schlussendlich den eigenen Erfolg nahezu garantieren kann. 

Sicherlich gibt es noch weitere Faktoren, die ein Scheitern ermöglichen - aber fast jedes
ökonomische und politische Scheitern lässt sich auf kommunikative und mediale Mißstände reduzieren!


"Gewiß, zwei Völker und zwei Sprachen werden einander nie sich so verständlich und so intim mitteilen können wie zwei einzelne, die derselben Nation und Sprache angehören. Aber das ist kein Grund, auf Verständigung und Mitteilung zu verzichten. Auch zwischen Volks- und Sprachgenossen stehen Schranken, die eine volle Mitteilung und ein volles gegenseitiges Vertrauen verhindern, Schranken der Bildung, der Erziehung, der Begabung, der Individualität. Man kann behaupten, jeder Mensch auf Erden könne grundsätzlich mit jedem andern sich aussprechen, und man kann behaupten, es gebe überhaupt keine zwei Menschen in der Welt, zwischen denen eine echte, lückenlose, intime Mitteilung und Verständigung möglich sei - eins ist so wahr wie das andre."

- Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel



>>> Können Massenmedien jedes Ziel erreichen?
>>> Ist das Arbeitsamt in Wirklichkeit ein Medium?
>>> Warum für Werbung Geld zahlen ...

>>> Ist die Verfassung "nur" ein Medium? 

Donnerstag, 23. August 2012

Politische Kommunikation

Es ist der Krieg im Geiste - jedes Einzelnen - der den Krieg auf die große weltliche Bühne transportiert.

Die alltäglichen subtilen kommunikativen Verletzungen sind der Ursprung der Möglichkeiten für Waffengewalt und Massen-Vernichtung!!

Gewisser Weise ist eine Verletzung nunmal eine Verletzung - ob geistig oder körperlich ist kein großer Unterschied, wenn die geistigen Verletzungen die Wurzeln der körperlichen Gewalt oder gar Massenvernichtung sind.

Politik ist, wenn diese nicht nur etwas innerhalb des Systems verändern möchte - sondern sich selbst - eine Form gesunder oder gar heilsamer Kommunikation, um die uns betreffenden gesellschaftspolitischen Probleme zu lösen. 

Angesichts der Grabenkämpfe politischer Strippenzieher ist es dabei fast egal, welche Kommunikationsformen, Trainings und psychotherapeutischen Spiele Einzug in den politischen Alltag finden* (von irgendwelchen Sekten natürlich abgesehen!). Hauptsache der öffentliche Krieg der Gedanken und Worte wird dadurch auf eine Ebene der Lösung, Klärung oder gar Versöhnung gehoben.

Es ist ein Trugschluss zu glauben Probleme in der Gesellschaft oder Welt lösen zu können, wenn man selbst noch subtile, direkte oder indirekte Gewalt in der Kommunikation praktiziert. Diese Gewalt und Verletzung beginnt stets da, wo wir die Augenhöhe oder gar Gürtellinie verlieren - wenn wir uns derart über jemand stellen, diesen unterordnen zu wollen - ohne Einwilligung oder gar gegen den Willen. Denn genau ab dann geht es nicht mehr um Selbstbestimmung, sondern Fremdbestimmung, verbalen Missbrauch!

Der politische Alltag ist voll von diesem kommunikativen Missbrauch verbaler Verletzungen. Einerseits sind dies sogenannte "autoritäre Persönlichkeiten", die unterordnen, den anderen übertönen, beleidigen und am liebsten mündlich ausschalten wollen - schlicht nicht wirklich zuhören können, weil diese sich selbst als wichtiger empfinden als das Gegenüber. Diese Charaktertypen werden von T.W. Adorno und Erich Fromm als die Ursuppe und Wurzeln rechter Gewalt beschrieben. Tatsächlich benötigt der Faschismus diese Gewöhnung an die Unterordnung, um überhaupt in der Masse ausbrechen zu können!

Andererseits sind es die sogenannten "Rebellen", die sich und andere zwar nicht unterordnen wollen, aber überordnen, darüber hinwegsetzen - für die keine Regeln zu gelten scheinen, wenn diese sich nicht mit den Regeln identifizieren können. Der Rebell bemerkt nicht, dass "alle Regeln zu brechen" ebenfalls eine Regel ist und dass "niemand unterordnen wollen" nicht funktioniert, wenn man sich überordnet und hinwegsetzt. Der "Rebell" wird von Arno Gruen, der die Arbeiten von Adorno und Fromm am weitesten entwickelt hat, als der Ursprung linker Gewalt beschrieben.

Beide Urformen des "Totalitären" - linker und rechter "Gewalt" (!) - existieren selten in Reinform. Wir alle sind meist bunt gemischt aus den verschiedensten Kombinationsmöglichkeiten beider Pole. "Wehret den Anfängen" beginnt somit bei der eigenen Nase, bei sich selbst! 

Man könnte behaupten, dass dieser Ursprung rechter Gewalt noch lange kein Faschismus und mit diesem nicht vergleichbar sei - aber es handelt sich dennoch bereits um Verletzungen, wenn auch "nur" verbaler Natur. Genauso kann man bei den Ursprüngen linker Gewalt argumentieren. Denn was ist schon dabei, wenn sich jemand selbstbestimmt über gesellschaftliche Regeln des Zusammenlebens hinwegsetzt, ein bisschen Bonzenautos zündelt oder einfach nur "tote Materie" zerstört - sich ja nur gegen die Gewalt von "Rechts" oder "Oben" wehrt. In beiden Fällen hat derjenige den Kontakt zu sich selbst, seinem Gegenüber und meist auch zur Gesellschaft verloren - beide praktizieren und legetimieren (!) Gewalt,  wenn auch nur ganz feiner, kaum spürbarer - also versteckter - Art. Und beide Formen liefern erst den Boden für totalitäre Systeme der einen oder anderen Weise. Da kann man noch so viele Sympathien für die eine Richtung haben - wenn diese im Extrem bzw. am Ende in ein vernichtendes System überzulaufen droht, sind bereits die Anfänge zu kritisieren, thematisieren oder gar zu lösen.

Damit ist keine "Zivilcourage" oder "Notwehr" gemeint - sondern bereits die feinen Schritte, die erst zu Situationen führen, in denen "Zivilcourage" und "Notwehr" angebracht sind. Und in der Regel betrifft dies immer beide, alle Kontrahenten, und eigentlich nie nur eine Seite eines Konflikts. In Wirklichkeit leiden beide Seiten darunter - und nie nur der Schwächere, der Stärkere eher unbemerkt, der Klugscheissende eher unwissend, der Stillschweigende mit Kloss im Hals oder der stets nachgebende in Selbstverleugnung. Im Prinzip sind allesamt Verlierer, wenn ein Konflikt nicht zur Lösung führt und in einem kriegerischen Zustand harrt.

"Politische Kommunikation" ist daher nicht nur das Lösen der Probleme unserer Finanz-, Bildungs-, Gesundheits-, Arbeitsmarkts- und Jugend-Krisen - sondern vielmehr das Lösen der zwischenmenschlichen Krise, zwischen mir, Dir und allen anderen Menschen!
Die Krisen sind somit nicht relativ von einem selbst entfernt, sondern stecken bereits in uns und zeigen sich in jedem Konflikt, den wir verletzend ausfechten oder umgehen.

Innerhalb einer Partei geht es darum, die Menschen auf gleicher Wellenlänge zu sammeln und zu bündeln. Daher macht es auch Sinn unpassende Strömungen auszuschliessen. Dies geht vor allem dann wie von alleine, wenn innerhalb der Partei eine Kultur gepflegt wird, die z.B. totalitären Entwicklungen bereits von Anfang an widerspricht - z.B. indem es besonders menschenfreundlich zugeht. Wird aber nicht gelebt, was gepredigt wird, werden sich auch entsprechende Charaktere sammeln und wohl fühlen.

Was bedeutet es, wenn der Umgangston in einer Partei zu hart ist für weiche und sensible Charaktere? Ist es dann nicht logisch, dass autoritäre und rebellische Charaktere Überhand gewinnen und ein eher totalitärer Wind zu wehen droht? Werden die sanftmütigen und schwachen wirklich im politischen Diskurs nicht gebraucht? Ist es nicht verlogen gegen Diskriminierung zu sein, aber eine Kultur zu pflegen, an der nur verbal starke, laute und gar aggressive Diskutanten partizipieren können?

"Politische Kommunikation" ist, wenn sich alle legalen Parteien (als Abbild der gesellschaftlichen Positionen) praktisch an einen vielleicht sogar kreisrunden Tisch setzen. Das ist vergleichbar einer modernen Form des indianischen Medizinrads, wo die Gegensätze wie zB. Jugend und Alter gegenüber Platz nehmen. Es wird nicht über den Feuerplatz in der Mitte, sondern kreisum kommuniziert. Alle sich widersprechenden Positionen werden genannt, um am Ende zu einem Ergebnis zu kommen, das von allen getragen werden kann.

In der "politischen Kommunikation" geht es vor allem um diese gegensätzlichen, sich offensichtlich wiedersprechenden Positionen. Da scheinen nationale Belange der Globalisierung gegenüber zu widersprechen. Da scheint "die Sicherheit" in's Wort zu fallen und "der Freiheit" eine Scheibe abzuschneiden. Da sollen Banken und deren Risiken sozialistisch vergemeinschaftet zu werden - gegenüber Positionen, die den neoliberalen Kurs und die Selektion des Marktes einfordern - wiederum gegenüber Positionen, die sich mehr staatliche Regulierung wünschen. Es erscheint jeweils unmöglich zwischen den Polen zu vermitteln.

Wir befinden uns in einer Zeit, wo nahezu jedes der bisherigen Systeme im Extrem versagt hat. Und mit Versagen meine ich Kriege, Massenvernichtung, Hunger und soziale Ungerechtigkeit - und nicht nur Schwierigkeiten bei der einen oder anderen Problemlösung! Sicher wurden die einzelnen Konzepte nur selten im Geiste des Erfinders durchgeführt und man sollte auch diskutieren, warum das Versagen auch heute noch jeweils an der Umsetzung liegt. Vielleicht könnte man sich darauf einigen, dass in fast jedem der bisherigen Systeme Elemente waren, die zumindest gut gemeint waren. Jedenfalls bekämpfen sich diese ursprünglichen Urformen auf eine Art und Weise, die jeweils schon Ansätze zu verhindern versucht, wenn eine Idee auch nur nach der einen oder anderen Form zu riechen scheint.

Man bedenke, dass aktuell von den Linken gefordert wird, dass sich die Banken ihrem ursprünglichen neoliberalen Kurs doch bitte schön auch zu ergeben haben und nicht plötzlich nach sozialistischer Vergemeinschaftung ihrer Schulden schreien. Genauso werden plötzlich nationale Belange geschützt, wenn die EU in die Souveränität von Deutschland eingreifen will. Wir sind also bereits so weit, dass die einzelnen - ich will sie mal Werkzeuge nennen - nicht mehr den ursprünglichen Strömungen zuzurechnen sind. Und das ist auch gut so, denn vielleicht hat fast jedes der bisherigen Werzeuge seinen rechtmässigen Platz. Vielleicht sollte auch keines der Werzeuge gleich zu einem System führen und als Grundprinzip über alles gestellt werden. Vielleicht müssen die Werkzeuge endlich wertfrei diskutiert werden können. Doch genau an dieser Stelle befinden wir uns im Krieg der "Ideologien und -ismen" aller couleur.

* = Beispiele für lösungsorientierte Kommunikations-Techniken:

p.S.:
Wir haben einen Rechtsstaat und der sollte im richtigen Mass das richtige regulieren - nicht überregulieren, nicht das Falsche regulieren und nicht das Richtige zu halbherzig regulieren. Wir befinden uns in einem Land und gewisse nationale Belange sind sehr wohl schützenswert - so sehr man sich auch gegen nationalistische Wucherungen zu recht zur Wehr setzt. Tatsächlich macht es keinen Sinn nur die Schulden und Risiken der Banken zu vergemeinschaften - entweder die Banken und Anleger tragen ihr Risiko selbst und selektieren sich somit, oder auch die Vorteile der Geldschöpfung sind ebenso zu vergemeinschaften. Der Markt reguliert sich absolut nicht selbst, das neoliberale Märchen ist am Ende. Dem Markt sind genau da Grenzen zu setzen, wo sich dieser dank Profitgier über soziale Notwendigkeiten stellt und letztlich gegen den Menschen "handelt". Auch die Privatisierung von Gemeingütern wie Verkehr, Öffentlicher Nahverkehr, Telekommunikation, Medien, Post, Wasser, Energie und teilweise auch Banken, hat sich nicht als sonderlich positiv erwiesen. Es sollte prinzipiell überdacht werden, welche Leistungen sich die Bürger eines Landes gönnen wollen und wie sich diese die Kosten und Vorzüge teilen - und vor allem, wie dies jeweils zu organisieren ist.

Donnerstag, 9. August 2012

Extremismus in der Piratenpartei

"Warum die Piratenpartei nicht gegen Extremismus jeder Art ist" - ein, wie ich finde lesenswerter Artikel, der mich zum Umkehrschluss reizt: Warum die Piratenpartei für Extremismus der besonderen Art ist ;-)

Zumindest soll das Grundgesetz Einzug in das Grundsatzprogramm der Piratenpartei finden. Das verdanken wir der Initiative "'Abgrenzung zu Extremismus als Grundlage für Parteiprogramm in Präambel aufnehmen'"*.

Ich weiss nicht, wie es bei einem Parteiprogramm ist, aber bei einer Vereins- oder Stiftungssatzung ist - soviel ich weiss - die Präambel rechtlich nicht bindend.

Schauen wir uns die Wahlversprechen in Periode an ... nein, ein Parteiprogramm ist sicherlich nicht rechtlich bindend - sonst würden wir aus dem Knast heraus regiert werden ;-)

Aber schauen wir uns die Initiative genauer an:

Zunächst distanziert sich die Initiative von dem Begriff "Extremismus". Dies kann bei LiquidFeedback leider nicht mehr aus der Überschrift gelöscht werden. Ich finde den Artikel wie gesagt gar nicht so schlecht, auf den sich dabei bezogen wird - ausser, man würde damit linke Gewalt legitimieren. Da bin ich leider zu pazifistisch und tue mir schwer das - von welcher Seite auch immer - zu tolerieren.


"Es wird beantragt im Grundsatzprogramm der Piratenpartei Deutschland in der Präambel (nach dem vierten Absatz) folgenden Absatz einzufügen:
 
Das vorliegende Programm der Piratenpartei formuliert die Ziele der Piratenpartei.
Diese Ziele basieren auf dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, der Rechtsstaatlichkeit und einer freiheitlich geprägten Gesellschaftsordnung, die auf soziale Gerechtigkeit ausgerichtet ist. Das schließt die Ablehnung totalitärer, diktatorischer und faschistischer Bestrebungen jedweder Art sowie die Distanzierung gegenüber Rassismus, Nationalsozialismus und Geschichtsrevisionismus ein.
Niemand ist aufgrund von Staatsangehörigkeit, Stand, Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit, Religionszugehörigkeit, Glaubensausrichtung, Geschlecht, sexueller Identität und Orientierung, physischer oder psychologischer Beeinträchtigung sowie von Tatsachen, die nicht selbst beeinflusst werden können, von unserer Gesellschaft auszugrenzen."

Verstehe ich das richtig? Wir dürfen also alle diejenigen ausgrenzen und vielleicht ja sogar diskriminieren, die ihre "Beeinträchtigung oder sonstige Tatsachen" selbst beeinflussen können? Ja klasse, denn Deine Nase gefällt mir nicht und Du könntest Dir die Operation sparen, wenn ich das mal eben verbal gerade biege :-)

Besonders viele "psychologische Beeinträchtigungen" könnte man behaupten, seien eigentlich "selbst beeinflussbar". So ein angstzerfressener Fachist z.B. oder sonstige autoritäre Persönlichkeiten, die sich besonders dann groß und stark fühlen, wenn sie andere unterbuttern und beschimpfen können.

Wenn die sich nicht von selbst oder dank meinen Interventionen entsprechend ändern, dann grenzen wir die halt aus und lassen die einfach nicht mitspielen - nicht von meinem Tellerchen Essen - nicht an der Gesellschaft und ihren Sozialleistungen teilhaben. Das wird DIE natürlich ändern und DAS Problem ist somit gelöst, wenn nicht gar ausgehungert.

Sorry, aber die jetzige Formulierung der Initiative öffnet Tür und Tor für Ausgrenzung, Gewalt und Faschismus. Alles, was man nicht haben will - und bei sich selbst nicht zu sehen bereit ist.


Worum geht es hier eigentlich?

Auf Nachfrage erhalte ich folgende Antwort: "Gemeinschaftswidriges Verhalten kann man sanktionieren. Dafür haben wir das Strafgesetzbuch und die Nebengesetze." Jetzt macht es "klick" bei mir. Die Initiative traut sich nicht wirklich zu sagen, dass es um Sanktionen gehen soll ... und die werden dann unglücklicher Weise in einen Satz gepackt, der Ausgrenzung ausschliessen soll ... wahrscheinlich, weil man bemerkt, dass sich das widersprechen könnte - irgendwie zusammen gehört. Man will ja mit allen einen "Kuschelkurs" - ausser der Frieden wird gestört und regelrecht angegriffen. Das ist doch völlig legitim. Das begreife sogar ich als pazifistisch orientierter Mensch. Gerade Pazifisten kommen in ein widersprüchliches Dilemma, wenn diese (zB. körperlich) angegriffen werden. Es geht um eine Form der Notwehr, Zivilcourage!!

Es würde helfen genauer zu formulieren, was genau diese Angriffe sein können - herunter zu brechen auf z.B. (subtile kommunikative) Gewalt - anstelle "nur" eine Distanzierung zu "totalitären, diktatorischen und faschistischen Bestrebungen". Es wird nicht ganz klar, ob ein Diktator im Anflug bekämpft werden soll - oder ganz "einfache" Situationen im Alltag. Auch eine Lösung wird nicht mitgeliefert, wie man damit auf gesellschaftspolitischer oder persönlicher Ebene umgehen soll - ausser: Ausschluss aus der Gesellschaft. Das (alleine!) kann es jedoch nicht sein. Das ist zu einfach und zu eindimensional gedacht!

Die Gefahr ist natürlich, wenn man herunter bricht und sich z.B. gegen Beleidigungen, verbale Verletzungen ausspricht - dass man auch am eigenen Verhalten arbeiten müsste ... 

Dann ist DAS Problem nicht mehr so einfach von sich zu weisen und anderen in die Schuhe zu schieben. Für mich persönlich beginnt Faschismus da, wo wir verletzend werden - nicht nur körperlich oder gar mit Waffengewalt - sondern bereits subtil in der Kommunikation miteinander. 

Immer, wenn wir die Augenhöhe verlieren, soll jemand untergeordnet werden - während meist alle versuchen sich überzuordnen. Dann geht es nicht mehr um Selbstbestimmung - sondern Fremdbestimmung gegen den Willen des Einzelnen. Das funktioniert nie, höchstens als Gewalt!!

Mein Vorschlag ist, die Sanktionen genau zu beschreiben und auch die grundlegenden menschlichen Phänomene, denen begegnet werden soll. Ebenso ist zu trennen zwischen der zwischenmenschlichen - kommunikativen und der gesellschafts-politischen Ebene. Ich habe dies versucht in einen ergänzenden Initiativ-Antrag zu fassen: https://lqfb.piratenpartei.de/pp/initiative/show/4147.html
Edit: Mein Antrag fand nicht genügend Zuspruch!

 

* = Initiativen aus dem sog. "Liquid Feedback" stellen nicht die Meinung der Piratenpartei dar - sondern nur der einzelnen Antragsteller und deren jeweiligen Befürworter.

Photo: Benjamin Thorn  / pixelio.de
http://pir.at/extremismus

Sonntag, 17. Juni 2012

Politik der Angst

In anderen Artikeln bin ich auf die Wurzeln der Gewalt nach Adorno, Fromm und Gruen eingegangen. Ob nun linke, rechte oder sonstige Gewalt - stets geht es um Zustände, wo der bewusste oder unbewusste Täter nicht ganz bei sich ist und ÜBERreagiert oder UNTERordnet.

ANGST spielt hierbei eine zentrale Rolle.  ANGST ist - neben der nützlichen Funktion vor der "heissen Herdplatte" zu warnen - stets ein Gefühl VOR einer realen Verletzung, einem realen Schmerz - unabhängig davon, ob geistig oder körperlich. Während in unserer Welt sehr wohl ein Unterschied zwischen körperlichen Verletzungen und rein geistig, verbalen Attacken gemacht wird, ist dies der ANGST egal. ANGST benötigt nicht einmal eine reale Bedrohung, denn eine Einbildung genügt - für den Ängstlichen ist diese REALITÄT. So könnte man die ANGST als ideales Werkzeug oder Mittel betrachten, um rein kommunikativ eine körperliche Kontrolle auszuüben, ohne nachweisbar körperlich zu verletzen.

Was ist ANGST?



Es gibt Vereinfachungen der psychologischen Abfolgen, die es z.B. Psychotherapeuten erleichtern, den status quo eines Patienten einzustufen - um sich dann langsam zum Kern der Problematik (der ursprünglichen Verletzung, dem Schmerz) vorzuwagen. Vereinfachungen sind natürlich immer mit Vorsicht zu geniessen. Man möge dabei auch bedenken, dass unsere "Psychologie" von drei Strömungen dominiert ist, sog. "Schulen", die sich grundsätzlich wiedersprechen!

Bereits ab der Geburt begleitet uns das Bedürfnis der Zugehörigkeit und Verbundenheit - ursprünglich mit der Mutter, Familie, Freunde, der ganzen Welt - und last but not least mit sich selbst.

ANGST bezieht sich immer auf einen Schmerz, eine Verletzung - eine trennende Erfahrung zu sich und seinem Leben oder seinen Lieben. Diese Reise beginnt in der Regel bereits mit dem ersten Todeskampf: der Geburt, gefolgt von der Abnabelung, die sich geistig weit über die Pubertät hinausziehen kann.

So lange wir in der Lage sind, wieder zu uns selbst zurück zu kehren, in Verbindung mit der Mutter (oder dem Archetypus des Weiblichen) bzw. dem Vater (dem Archetypus des Männlichen) - sprich der Welt der Menschen und unserem Umfeld zu gelangen, liegt keine nennenswerte Störung vor.
Gelingt uns dies teilweise nicht mehr, mit uns selbst in Kontakt zu kommen, sich selbst und andere Menschen wirklich wahrzunehmen, dann beginnt eine Reise der Isolation und des Authismus.

Doch bevor wir uns aufgrund von Schmerz und Angst von uns und der Welt abkapseln, kommen zunächst eine Reihe weiterer Faktoren in das Spiel.
Als erstes entsteht WUT über die ANGST und den zugrunde liegenden SCHMERZ. An sich und neutral betrachtet ist auch dieser ZORN unproblematisch und als ein Antrieb sogar gesund.

Die nächste Stufe ist die KONTROLLE.
Wird WUT KONTROLLIERT, sprich UNTERDRÜCKT, dann entsteht DEPRESSION / MANIE z.B. in Form von Über- und Unterordnung. Wird diese ebenso NICHT z.B. künstlerisch verarbeitet, legt sich ein Schleier der SCHAM, VERDRÄNGUNG und SCHULDGEFÜHLE darüber.

Diese kapseln erst endgültig ab und ermöglichen das sogenannte STRATEGISCHE EGO, das letztlich Gefühle, Liebe und Nähe zu verhindern versucht, um nie wieder diesem ursprünglichen SCHMERZ ausgesetzt zu werden. Somit ist der Teufelskreis der Vermeidungsstrukturen und der Selbst- & Fremdsabotage komplett.

Werzeuge politischer Angst:
  • Aktive Verletzungen, Beleidigungen und Diffamierungen - selbst subtiler Art - sind der Urgrund für Ängste und sollten daher innerhalb politischer Arbeit gelöst und nicht toleriert werden. Da genau hier die Reise der Angst beginnt, ist besonders darauf zu achten, dass auch subtile und versteckte Verletzungen keinen Nährboden finden und heilsam ausgeräumt werden. ALLE (!) weiteren Faktoren entstehen erst aus diesen Verletzungen und daher ist besonders diesen Anfängen zu wehren.
    • "Von einem Wort oder Satz auf den Menschen schliessen"Häufig genügt ein sog. "Reizwort" oder "Schlüsselwort" und man wird abgestempelt und in eine Ecke gestellt. Besonders, wenn sich derjenige wehrt derart abgestempelt zu werden, sollte man genauer hinhören. Da jeder unter Worten und Formulierungen etwas anderes versteht, sollte die Gelegenheit bestehen, genauer zu erklären, was die Beteiligten unter einer Formulierung verstehen. Gemeinsam sollte versucht werden bessere Formulierungen zu finden bzw. Vorbehalte und Vorurteile auszuräumen. Beinhaltet das Gesagte oder Geschriebene tatsächlich auch eine gemeinte Verletzung, ist natürlich direkt hier anzusetzen und klarzustellen, dass aktive Verletzungen nicht toleriert werden. Die Suche nach dem ursprünglichen Schmerz des Verletzenden (!) kann dabei helfen diese auszuräumen.
    • Verallgemeinerungen, vor allem verletzender Natur, sind nicht zu vermeiden und nicht zu tolerieren. Auch hier kann hilfreich sein nach der ursprünglichen Verletzung zu suchen, die zu einem Urteil geführt haben. Gemeinsam ist nach besseren Formulierungen und Möglichkeiten zu suchen, den Horizont zu erweitern - Erfahrungen machen zu können, die der Verallgemeinerung wiedersprechen.
    • Killer-Phrasen & Schwarze Rhetorik
    • Linke und Rechte "Keulen" (siehe auch "Verallgemeinerungen"): Diese "Keulen" funktionieren vor allem deshalb besonders gut, da -> Ausschluss droht. Das übermässige Verwenden dieser Keulen deutet auf eine Kultur hin, die über ihre Maßen Ausschluss praktiziert und dabei sehr wahrscheinlich auch Unschuldige oder Unbeteiligte ausschliesst bzw. auszuschliessen droht. Es scheint eine Kultur entstanden zu sein, in der sich Individuen bereits vom Ausschluss bedroht fühlen müssen, wenn gewisse Indizien wie z.B Signalworte genügen und wirkliche Beweise weniger zur Sprache kommen. Ist es tatsächlich so, dann ist die Kommunikationskultur bereits deutlich gestört, denn eine sachliche Diskussion scheint kaum mehr möglich zu sein.

  • Ausschluss: Besonders heutzutage baut eine der größten Ängste auf der Zugehörigkeit und Verbundenheit (ursprünglich zur Mutter) auf. Der Ausschluss aus einer Partei oder gar der Gesellschaft setzt genau hier an. Die Folgen sind häufig, dass sich die Ausgeschlossenen formieren und untereinander eine Zugehörigkeit, geradezu Einigkeit aufbauen, die nicht selten auf dem gemeinsamen Schmerz des Ausschlusses aufbaut. Ausschluss sollte am Ende wirklicher Versuche zur kommunikativen Lösung stehen und klare Äusserungen zu den Regeln beinhalten: Unter welchen Bedingungen ist eine Rückkehr (z.B. in die Gesellschaft) möglich. Ausschluss sollte immer begleitet werden von wirklichen Lösungen der eigentlichen Problematik, mit der man sich im jeweiligen Fall offensichtlich nicht mehr auseinandersetzen kann oder will. Nach Aussen (und vor allem Innen) sollte deutlicher - als der Ausschluss - kommuniziert werden, unter welchen Bedingungen man Teil der jeweiligen Gemeinschaft ist und bleibt. Denn das Problem von praktiziertem Ausschluss ist eine subtile Angst der Verbliebenen, selbst unter gewissen Bedingungen ausgeschlossen werden zu können. Häufig steht die Position, die ausgeschlossen werden soll, für einen wichtigen Faktor (oder ein sehr wohl vorhandenes gesellschaftliches Meinungsbild), für die schlicht noch keine andere wirkliche Lösung vorhanden ist. Insofern zeichnet Ausschluss häufig die Hilflosigkeit der jeweiligen Gruppe gegenüber einer Person oder Problematik nach. Genau hier sollte angesetzt werden, um das eigentliche Problem, dem man sich entledigen will, auch tatsächlich zu lösen. 
  • WUT in Form von kreativem Zorn sollte sein Ventil finden dürfen. Eine Kultur, die ohne (subtile) Gewalt miteinander auskommen will, muss sich erlauben Kämpfe auszufechten. Gewaltfrei bedeutet nicht, sich mit Samthandschuhen anfassen zu müssen, sondern beinhaltet den wechselseitigen Respekt immer wieder auf die Augenhöhe zu gelangen, sollte man diese verlassen. Daher hat sich bewährt, OPERATIVE Meetings von EMOTIONALEN  zu trennen. Zunächst sollten die jeweils Beteiligten versuchen einen Konflikt untereinander kommunikativ zu klären. Erreicht ein Konflikt den OPERATIVEN Kreis und stört die insgesamte Arbeit, dann organisiert der OPERATIVE einen EMOTIONALEN Kreis mit Moderation und Mediation. Erst KONTROLLIERTE und UNTERDRÜCKTE WUT ergiesst sich in gewaltiger ÜBER- und UNTER-ORDNUNG (Depression / Manie). Ein Großteil hiervon läuft regelrecht unsichtbar im Inneren von Menschen ab. Sichtbar sind meist nur Regungen, die sich Überordnen, über Menschen hinweggehen und diese auszuschliessen versuchen. Hierauf sollte genauso sensibel reagiert werden, wie auf Menschen, die so etwas häufig/er über sich ergehen lassen!
KEINE TOLERANZ FÜR INTOLERANZ:
Was bedeutet "KEINE TOLERANZ" für einen toleranten Menschen oder eine tolerante Gesellschaft? Ausschluss muss (!) ihr allerletztes Mittel sein, denn Ausschluss ist ein Eingeständnis der Hilflosigkeit. Dies sollte klar sein und an sich auch klar kommuniziert werden.Ausschluss kann als Mittel der Notwehr betrachtet werden, da alle anderen Möglichkeiten, die offen kommuniziert und transparent gemacht werden sollten, ausgeschöpft sein dürften. Die Regeln der Gruppe oder Gesellschaft sollten verdeutlicht werden, dass dem Ausgeschlossenen selbst klar sein dürfte, dort erst wieder Platz zu haben, wenn auch diese Regeln zu eigen gemacht wurden. Die Beweislast sollte klar und eindeutig sein, denn ein Ausschluss ohne wirklichen beweisbaren Grund öffnet der Willkür Tür und Tor und eine Kultur der Angst macht sich unter den Mitgliedern der eigenen Gruppe breit. Dies wirkt zwar zunächst subtil, ist jedoch schnell deutlich spürbar und schwer bis unmöglich rückgängig zu machen. Es ist genau diese Willkür, die totalitäre Systeme ermöglicht.


Kultur der Angst



Prof. Dr. Gerald Hüther zeigt in seinen Beiträgen nicht nur, warum unser Schul- & Lernsystem nicht durch Angst und Druck funktionieren kann - sondern auch, wie diese durch Begeisterung und spielerische Leichtigkeit revolutioniert werden können. 

Politik selbst ist da noch einen Zacken schärfer, wenn wir - neben dem Umgangston - bedenken, um welch große und existentielle Probleme es eigentlich geht. Wir sind in einer Gesellschaft, die Probleme eher weniger löst, sondern verwaltet und klar verdrängt. Der Problemberg ist dabei in den letzten Jahrzehnten nicht abgetragen worden, sondern bis in das schier Unermessliche angewachsen. Ganze Generationen wachsen mit einem Gefühl auf, dass eine Lösung unserer Probleme - dank der Fülle - praktisch unmöglich sei ... und man sich lieber gleich den Verdrängungsmechanismen hingeben könnte. 

Das zentrale Steuerelement (neben der exakten Definition des eigentlichen Schmerzes) ist auch hier die Angst. Dies ist ein weiterer Grund, weshalb Politik ein Weg aus der Angst und eine heilsame Kommunikationsform sein sollte.

Politik sollte insgesamt ein Gefühl ausstrahlen können, dass unsere Probleme sehr wohl lösbar sind. Es ist de facto ja so, dass wir für jedes Problem bereits nicht DIE Lösungs haben - sondern meist unzählige Alternativen.

Medien, Bildung und vor allem Wissenschaft sollte exakt hier ansetzen und einen Überblick der zahllosen vorhandenen Lösungen und Alternativen bieten.



Obigen Video-Beitrag finde ich etwas einseitig, denn ich kenne auch eine ganze Reihe an Fällen, wo die Medikamentationen funktioniert und geholfen haben. Dennoch finde ich den Beitrag in seiner polarisierenden Art recht hifreich, um der üblichen Vorgehensweise bei Krankheiten, psychischen Problemen und ganz natürlichen Lebenstiefpunkten einen deutlichen Kontrast gegenüber zu stellen. Möge jeder für sich selbst entscheiden, wie er oder sie mit den eigenen Wehwehchen und ernsthaften Verletzungen heilsam umgeht. Der Griff zu Psychopharmaka sollte nicht leichtfertig und ohne ärztliche Begleitung des Vertrauens stattfinden!

Photo by: Benjamin Thorn / pixelio.de