Votorola ist eine Software-Umgebung zur Abbildung
demokratischer Entscheidungsfindung mit vielen Beteiligten. Sie eignet
sich sowohl zur Abstimmung über Wahlkandidaten, als auch für
direktdemokratische Gesetzgebungsverfahren oder zur gemeinsamen
Entwicklung politischer Strategien.
Die grundsätzliche Funktionsweise besteht darin, dass alle Benutzer
direkt miteinander kommunizieren und sich dabei zu immer größeren
Wahlbündnissen formieren können, die für einen bestimmten
Wahlkandidaten, einen bestimmten Gesetzgebungsvorschlag oder eine
bestimmte Verfahrensweise stehen.
Technisch besteht die Software aus einer Webanwendung, die in der Programmiersprache Java geschrieben ist und webserverseitig einen Tomcat-Server sowie Linux
als Betriebssystem benötigt. Als Plattform für abstimmungsbegleitende
Unterlagen wie Vorschläge, Argumente, Diskussionen usw. kommt MediaWiki zum Einsatz, also die bewährte Software, auf der Wikipedia basiert. Als Datenbanksystem wird das ebenfalls bewährte Produkt PostgreSQL
verwendet.. Das System ist nach oben hin frei skalierbar, indem Server,
die jeweils eine lokale Ebene (z.B. einen Wahlkreis, eine Gemeinde)
managen, in einem Pyramidensystem zusammengeschlossen werden.
Votorola ist OpenSource unter MIT Licence. Derzeit befindet sich die
Entwicklung noch im Alpha-Stadium. Im Dezember 2007 wurde das Projekt
gestartet. Zum Redaktionszeitpunkt dieses Artikels ist die Version 0.2.2
aktuell. Das Produkt ist jedoch schon einsatzfähig und es gibt
Testinstallationen.
Entwickler von Votorola sind der Deutsche Thomas von der Elbe und der Kanadier Michael Allan.
Das WikiBlog rund um Webworking und digitale Gesellschaft von SELFHTML-Gründer Stefan Münz
Die spannendste Entwicklung bislang, finde ich das (Online-) Konsensieren, denn dort werden eine Reihe an Konflikten ausgeschlossen, die bei praktisch allen anderen demokratischen Wahlverfahren vorprogrammiert sind.
"Gruppenentscheidungen sind schwierige Prozesse, die oft genug zu Konflikten führen. Systemisches Konsensieren hilft Ihnen, in Gruppen beliebiger Größe konfliktfrei nachhaltige Entscheidungen zu fällen.
Dazu entwickeln die Gruppenmitglieder zuerst möglichst viele Vorschläge. Danach wird für jeden Vorschlag seine Akzeptanz durch die gesamte Gruppe gemessen. Die Vorschläge werden nach dieser Akzeptanz geordnet. Der Vorschlag mit der höchsten Akzeptanz" http://www.konsensieren.eu/
Beim (Online-) Konsensieren fehlt dafür die Text-Entwicklung, die bei adhocracy und echo.to im Fokus liegt.
Adhocracy wird vom Liquid Democracy e. V. weiterentwickelt. Die Software steht unter der AGPLv3-Lizenz.
Adhocracy ist ein quelloffener Liquid Democracy-Prototyp.
Auf http://wiki.liqd.net/Adhocracy heisst es weiter: "Liquid Democracy ist nicht nur als Staatsform denkbar, sondern auch als eine neue Form des kooperativen Managements. So können Organisationen wie NGOs, Netzinitiativen oder Firmen durch einen demokratischen Prozess ihre Ziele, Strategien, interne Regeln oder Positionen entwickeln."
Bei einer Software als Staatsform habe ich ganz viele große Fragezeichen auf meinem inneren Bildschirm. Vor allem stellt sich mir die Frage "Wieviel Staat ist Software"? Damit meine ich auch: "Wo sind die Grenzen von einem Staat als Software - und was muss weiterhin in der Hand von Menschen bleiben, damit wir nicht beginnen unseren eigenen Goldenen Käfig zu programmieren??" Aus diesem Kontext heraus bin ich stark dafür solche Software quelloffen / open source zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen!!
In letzter Zeit stolpere ich immer wieder über Wikiarguments, weil sich dort auch Votings aus dem Kontext der Piratenpartei tummeln.
Ich habe mir aber noch nicht die notwendige Zeit genommen Wikiarguments zu untersuchen und in einen Vergleich mit anderer Voting-Software zu stellen.
Im deutschsprachigen Internet findet sich auch noch nicht sonderlich viel über diese Software - englischsprachig sieht das ganz anders aus:
- Wikiarguments combines the collaborative power of Wikipedia with the power of the branch of mathematics called game theory. It could revolutionize world politics and government.
WikiArguments is well suited as a new Wikimedia project because it
would utilize existing Wikipedia software interfaces and features with
only modest new development efforts needed. But it would greatly expand
the influence and utility of the Wikimedia free knowledge projects by
providing a powerful new reference that would provide a means of forced accountability for politicians, which would quickly and effectively expose any government deceit.
echo.to ist die erste Votingplattform für gesellschaftspolitische Prozesse, die ich kennenlernen durfte.
Zur Entwicklung von Texten mit pro&contra Argumenten empfinde ich echo.to bis heute die bislang die beste Variante. Gewisser Weise haben sich einige Voting-Plattformen aus Werkzeugen zur Textentwicklung entwickelt, vergleichbar opentheory.org.
Was mir bei echo.to immer fehlte und am Ende nur als iframe der ganzen Seite umgesetzt wurde, ist eine Funktion, um die Abstimmung in anderen Webseiten (oder gar Social Media Plattformen) einbinden zu können.