Ein
Thema, das bei den „GELDSYSTEM-PIRATEN“ bereits durchgekaut wurde
ist der Zins.
Der Zins
und Zinseszins wurde als eine Hauptproblematik der Krisen
ausgeklammert, da der „fehlende geschöpfte Zins“ in Wirklichkeit
versteckt sehr wohl mitgeschöpft werden würde bzw. durch mehr
Geldschöpfung / Kreditvergabe einfach ausgeglichen werden könnte.
Der
Zinseszins-Effekt (indem sich einige Staaten aktuell befinden)
entstehe nur, wenn die Kredite nicht getilgt werden. Also könne die
Problematik gelöst werden, indem die Tilgung als Lösung betrachtet
wird (genügend bzw. weitere Kredite / Kapital zur Verfügung
stünden?).
Das ist für mich erstmal neu und ich möchte
begreifen wo dieser angeblich fehlende Zins am Ende dann auch
wirklich geschöpft wird.
Die
Zins-Kritik vereinfacht:
Stell
Dir vor es gäbe an insgesamter Geldmenge nur einen Geldschein im
Wert von 100,- €
Wird
dieser als Kredit mit 3 % vergeben dann muss ein 103,- € Schein
zurück gezahlt werden, obwohl es nur einen 100,- € Schein gibt.
Der Zins würde folglich in der Geldschöpfung fehlen.
Da
Banken auch zurück geführte Kredite und Gewinne aus Krediten
wieder in die gesamte Geldmenge einfließen lassen –
diese dadurch steigt (?) - fehlt
in der Geldmenge die Zinslast nicht.„Wie
bereits oben erwähnt, werden in der Realität die gezahlten Zinsen,
die ein Kreditnehmer der Bank zahlt, über das Eigenkapital der Bank
wieder zurück in den Wirtschaftskreislauf gebracht, und könnten
dort, unter anderem auch dazu benutzt werden, wieder als Zinszahlung
an eine Bank bezahlt zu werden. So bezahlt zum Beispiel ein
Bankangestellter, der einen Immobilienkredit hat, seine Zinsen aus
seinen Lohnzahlungen, die aus dem Eigenkapital der Bank kommen.
Diese Lohnzahlungen sind aber nichts anderes als die Zinseinnahmen
der Bank. Aber auch ein Dividendenempfänger von Bankaktien kann mit
der gezahlten Dividende wieder einen Kredit abzahlen, bzw. die
Zinsen dafür bezahlen.“
Diese
Darstellung geht davon aus, dass mindestens die zusätzlichen
Zinsforderungen in der gesamten vorhandenen Geldmenge durch die Bank
mit geschöpft werden:
Mir
fällt es noch schwer zu sehen, dass hier exakt das – oder
zumindest genug an Mehr-Geld geschöpft wird, dass die Zinsrechnung
am Ende wirklich aufgeht.
Auch
überzeugt mich nicht wirklich, dass diese Mehr-Geldschöpfung dann
bei der Bank bzw. in deren Dividenden liegt – bzw. ein Teil davon
z.B. über die (Personal)Kosten der Bank auch wieder in den
Geldkreislauf kommt. Denn hier liegt das Geld nicht unbedingt da, wo
es dann gebraucht wird – auch wenn rechnerisch die Geldmenge
vielleicht dem entsprechen könnte, was an Zinsforderung vorliegt.
Müsste
man nicht prinzipiell durch die angeblich fehlenden Zinsen in der
Geldschöpfung aufstocken – ist dies dann nicht am Anwuchs der
insgesamten Geldmenge ablesbar? Wahrscheinlich nicht, weil diese ja
auch aus anderen Gründen wächst.
Jede
Geldschöpfung mit Zins zwingt jedenfalls zu weiteren
Geldschöpfungen, mehr Geld drucken – um dem Zins auch vorhandenes
Kapital gegenüberzustellen. Wenn dies durch die zusätzliche direkte
Geldschöpfung der Banken ausgeglichen wird oder buchhalterisch über
die Gewinne der Bank nicht nur zurück geführt – sondern als
zusätzliche Mehr-Geldschöpfung eingegeben wird, dann ist das
klasse. In jedem Fall muss es zu dieser Mehr-Geldschöpfung kommen –
ein Wachstumszwang.
Auch
wenn ich mir persönlich bei diesen Zins-Fragen noch nicht sicher
bin, ist dies doch sehr gut geeignet, um die weiteren Probleme des
Geldsystems wie an einer Perlenschnur aufzufädeln.
Sparen
& Horten
Durch
Sparen & Horten wird die Geldmenge verknappt.
Es wird also
noch mehr an Mehr-Geldschöpfung benötigt als nur durch die
Zinsproblematik.
Da keine Umlaufsicherung des Geldes existiert,
kann nicht davon ausgegangen werden, dass grundsätzlich genügend
Geld an der benötigten Stelle vorhanden ist. Oder anders
ausgedrückt: Die (künstliche) Knappheit von Krediten / Kapital ist
nicht gelöst, selbst wenn das Zins-Rechenspiel mathematisch
funktioniert.
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Mit
Sohn und Patjuli auf der Demo gegen den Fiskalpakt / ESM in
Berlin. |
Auch
die Verteilung
ist nicht unbedingt so gewährleistet, dass das Kapital dann dort
ist oder erzeugt werden kann, wo es gebraucht wird. Vielleicht ist
mathematisch genügend vorhanden – aber am falschen Platz (z.B.
durch Sparen & Horten).
Recht
auf Kapital
Es stellt
sich die Frage ob es – alleine schon auf Basis / als Basis der
Grundrechte – eine Art Naturrecht auf Kapital gibt.
Die
Kreditvergabe der Banken ist also ebenso in Frage zu stellen, wer
für was Kredit bekommt.
Angenommen es würde eine Geldschöpfung
in der Zinsrechnung fehlen, dann wäre dies kein Problem, wenn diese
Geldknappheit durch erneute Kredite / zusätzliche
Mehr-Geldschöpfungen ausgeglichen wird.
Geldmangel alleine
dürfte kein wirklicher Grund für Insolvenzen und den Pleitegeier
sein, wenn es die Aufgabe der Geldschöpfung ist für Kapital zu
sorgen.
Wenn die Geldschöpfung durch Kredit in Bürgerhand
ist, dann ist das Recht der Bürger eine Art Recht auf diese Kredite
– dann sind diese Kredite die Dienstleistung am Bürger, an der
Gesellschaft. Und dann ist auch der Kreditnehmer ein Dienstleister
am Bürger, da er sich ja insofern – mitsamt seines
Ausgaben-Netzwerks – an der Geldschöpfung und in Verkehr bringen
beteiligt.
Die Bürger tragen die Risiken der Geldschöpfung
– und sollten daher auch die Vorteile in Anspruch nehmen
dürfen.
Es ist vorstellbar eine Bank zu retten, die mit ihren
Krediten nur soziale und ökologische Zwecke ermöglicht hat (aber
solche Banken stehen in der Krise auffällig gut da) – weil hier
ein Mehrwert für die eigentlichen Geldschöpfer, den Staat und
seine Bürger ersichtlich ist.
Es ist allerdings mehr als
fraglich Banken zu retten, die mit Ihrer Kreditvergabe nicht der
Gesellschaft gedient haben. Nur Banken, die ihrer Aufgabe gerecht
wurden und den Bürger mit Kapital versorgten, innovative
Existenzgründungen und somit auch Arbeitsplätze ermöglichten,
sind rettenswert. Banken, die den Menschen aus dem Blickfeld
verloren haben, Waffen produzieren und Kriege fördern, die Umwelt
vergiften, … etc. könnten an dieser Stelle eigentlich einfach
aussortiert werden, auch wenn dies dann wahrscheinlich eine Mehrheit
ist.
Kurz: Es muss untersucht werden, ob die fraglichen
Banken notwendig waren / sind, dass genügend Kredit für Bürger
und Wirtschaft vorhanden ist – oder wurde Kapital aus dem
realwirtschaftlichen Kreislauf in „Blasen“ abgeführt und dem
eigentlichen Auftraggeber der Geldschöpfung, dem Bürger,
verweigert? Vielleicht sollte man die Chance nutzen und sich der
schädlichen Banken entledigen, indem man nach vergleichbaren
Kriterien pleite gehen lässt bzw. rettet.Zu
retten sind die demokratische Geldschöpfung und die eigentlichen
Aufgaben Geldes.
Interessant
ist auch:§ 248 BGB
Zinseszinsen
(1) Eine im Voraus
getroffene Vereinbarung, dass fällige Zinsen wieder Zinsen tragen
sollen, ist nichtig.
(2) Sparkassen,
Kreditanstalten und Inhaber von Bankgeschäften können im Voraus
vereinbaren, dass nicht erhobene Zinsen von Einlagen als neue
verzinsliche Einlagen gelten sollen. Kreditanstalten, die berechtigt
sind, für den Betrag der von ihnen gewährten Darlehen verzinsliche
Schuldverschreibungen auf den Inhaber auszugeben, können sich bei
solchen Darlehen die Verzinsung rückständiger Zinsen im Voraus
versprechen lassen.
http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik/Zins/Zinseszins_bei_Krediten%3F
Im
Falle von Vollgeld spielt der Zins eine untergeordnete Rolle, da
Zentralbankgeld ohne Zins ausgegeben wird. Interessant in diesem
Zusammenhang sind die Fragen wie dies Geld in den Geldkreislauf
eingegeben wird – ob durch eine Bürgerdividende an jeden
Einzelnen, zur Tilgung der Steuerschulden, für primäre
Staatsaufgaben, … usw.
Was
sind denn die Konsequenzen, wenn das Zinseszins-Modell recht
hat?
Dann befindet man sich z.B. in einem Land, wo der
Schuldenberg so exorbital wächst, dass zur Aufrechterhaltung neue
Schulden aufgenommen werden müssen.
Und im Falle von
Bürgern und Unternehmen droht bei Überschuldung die Insolvenz und
der Pleitegeier.
Die Frage sei erlaubt, ob wir
gesellschaftlich Insolvenzen wünschen, die auf das Konto der
(künstlichen) Geldverknappung gehen? Inwieweit müsste es ein Recht
auf Kapital geben – oder eine Regulierung, wem wann und wieso der
Geldhahn zugedreht wird.