Posts mit dem Label Video werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Video werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Geldschöpfungsgewinn mit Prof. Dr. Carsten Lange


Geldschöpfungsgewinn mit Prof. Dr. Carsten Lange

Als Seigniorage (historisch auch „Münzgewinn“, „Schlagschatz“ oder „Schlagsatz[1] ; ausgesprochen [zɛnjoˈraːʒ(ə)]) wird der von der Notenbank erzielte Gewinn bezeichnet, der durch die Emission von Zentralbankgeld entsteht, das Privathaushalte halten.

Der Begriff leitet sich aus dem französischen Wort seigneur für Feudalherr bzw. Lehnsherr ab, da diese im Mittelalter das ausschließliche Recht zur Münzprägung (das sogenannte Münzregal) hatten. Der Gewinn aus der Geldschöpfung ergab sich in jener Zeit aus dem Unterschied zwischen Metallwert und Produktionskosten einerseits und dem Wert der ausgegebenen Münzen andererseits. Da der Feudalherr in der Regel das Prägemonopol für Münzen hatte, fiel ihm auch der Seignioragegewinn zu.
Die (anzustrebende) Höhe dieses Schlagschatzes wird in der frühen ökonomischen Literatur intensiv diskutiert. Zunächst ist die Berechtigung einer mäßigen Seigniorage unbestritten. Zum einen bedarf es der Deckung der Kosten der Prägung, so diese nicht der Allgemeinheit zu Last fallen sollen. Auf der anderen Seite steht der Nutzen der Prägung: Eine Münze hat einen höheren Nutzwert als ein gleichschweres Stück ungeprägten Edelmetalls. Liegt die Seigniorage niedriger als in den Nachbarländern, so wurde ein Abfluss von Münzen in Nachbarländer befürchtet. Eine überhöhte Seigniorage führt (ähnlich wie Münzverschlechterung) zu Inflation.[2]


Seigniorage kann aus unterschiedlichen Blickrichtungen betrachtet und daher unterschiedlich definiert werden.

Monetäre Seigniorage

Unter monetärer Seigniorage versteht man den Zuwachs des nominalen Bestandes an Zentralbankgeld:
„Unter Seigniorage versteht man die realen Erträge, die der Staat bzw. die Notenbank dank des Notenbankmonopols aufgrund der Tatsache erzielen kann, dass Private zinslos Zentralbankgeld halten“
Otmar Issing: Einführung in die Geldtheorie
Die so definierte Seigniorage errechnet sich durch eine Bereinigung der in der Periode neu geschaffenen Zentralbankgeldmenge um die Inflation:
S = {m}*\frac{M}{P}, wobei m = der Anstieg der Zentralbankgeldmenge, M = die Zentralbankgeldmenge und P = das Preisniveau sind
Da die nominale Geldnachfrage durch Inflation und Wirtschaftswachstum ausgeweitet wird (siehe Quantitätsgleichung), steigt die Zentralbankgeldmenge und damit die monetärer Seigniorage durch diese Faktoren. Daher kann man die Seigniorage in eine Wachstumskomponente und eine Inflationskomponente zerlegen. Die zweite Komponente wirkt wie eine Inflationssteuer.
Die monetäre Seigniorage entspricht nicht dem Gewinn der Notenbank aus Zentralbankgeldschöpfung. Zu diesem Gewinn tragen ebenfalls unverzinste Mindestreserven der Kreditinstitute bei der Notenbank bei[3]

Fiskalische Seigniorage

Unter fiskalischer Seigniorage versteht man den Ertrag des Staates aus monetärer Seigniorage. Während historisch das Recht zur Notenemission auch an Privatnotenbanken vergeben wurde (und die fiskalische Seigniorage dann aus den Konzessionsabgaben der Privatnotenbanken bestand), besteht heute fast überall ein Notenbankmonopol. Damit fließt die Seigniorage direkt der Notenbank (bezüglich der Banknoten und Zentralbankguthaben) und dem Staat als Inhaber des Münzregals (bezüglich der Münzen) zu.
Indirekt fließt die Seigniorage jedoch dem Staat zu. Sofern der Staat direkten Zugriff auf die Notenbank hat, kann er die neu geschaffenen Mittel direkt verwenden. Im Falle unabhängiger Notenbanken erhält der Staat die Seigniorage über die Ausschüttung des Gewinns der Notenbank. So konnte 1987 das Schatzministerium in Großbritannien im Haushaltsplan den Gegenwert der neugedruckten Banknoten und Münzen in Höhe von 1,05 Milliarden Pfund Sterling einplanen. Im gleichen Jahr wurden in Deutschland Banknoten in Höhe von 11,9 Milliarden DM neu herausgelegt. Die deutsche Bundesregierung konnte jedoch nur über den Bundesbankgewinn von 0,3 Milliarden DM verfügen[4].
Damit stellt die Seigniorage einen Teil der Staatseinnahmen dar. Die Wirkung der Seigniorage entspricht dabei einer Steuer auf die Bargeldhaltung. In der Finanzwissenschaft wird daher ein Konzept der "optimalen Seigniorage" diskutiert: Eine optimale Seigniorage ist erreicht, wenn die gesellschaftlichen Grenzkosten (z.B. eine Verzerrung der Steuerungsinformationen der Preise oder die Erzeugung von Inflation) der Seigniorage denjenigen der anderen Steuern entsprechen. Empirisch lässt sich feststellen, dass in der Tat die Seigniorage in Staaten mit wenig effizienten Steuersystemen einen höheren Beitrag zur Finanzierung der Staatsausgaben leistet als in Staaten mit effektiven Steuersystemen[5].

Alternativkostenkonzept der Seigniorage

Die Seigniorage kann auch über Opportunitätskosten definiert werden. Aus Sicht der Privathaushalte entspricht die Seigniorage deren Kosten für die Zentralbankgeldhaltung. Diese entsprechen den entgangenen Zinsen, die bei einer verzinslichen sicheren Anlage erzielt werden können.
S = {i}*\frac{M}{p}, wobei i = der sichere Tagesgeldzins, M = die Zentralbankgeldmenge und p = das Preisniveau sind[6]
Dies entspricht der Kalkulation der Bargeldbestände in der Notenbankbilanz. Die Bargeldbestände sind dort passiviert. Gemäß der Marktzinsmethode entspricht der Konditionsbeitrag dem Overnight-Satz, da die Banknoten unverzinst sind.

Siehe auch

Weblinks

Dr. Thomas Mayer, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank

"Mesopotamia-Studie" der BCG

Zu Gast ist Dr. Daniel Stelter, Managing Director der Boston Consulting Group in Berlin, eine der weltweit führenden Unternehmensberatungen. Eines der Hauptthemen ist die "Mesopotamia-Studie" der BCG: http://www.bcg.com/documents


"Mesopotamia-Studie" der BCG: http://www.bcg.com/documents

Paradigmenwechsel in der VWL

Mit der Aussage, dass es keine empirischen Belege dafür gibt, dass der Zins eine wichtige Kausalvariable zur Steuerung der Wirtschaft darstellt, stellt Werner die allgemeine Lehrmeinung in Frage und macht deutlich: Der Zins als geldpolitisches Werkzeug ist untauglich.

Werner spricht sich daher für eine Neuorientierung in der Volkswirtschaftslehre aus. Die Bedeutung der Banken im Zentrum der Wirtschaft wurde bisher nicht beachtet und in den VWL-Studiengängen und Lehrbüchern findet die Funktionsweise der Banken oder das Thema Geldschöpfung keine Beachtung. Es kann daher nicht weiter verwundern, daß die Mainstream-Volkswirtschaftslehre in der Krisensituation versagt hat. Die Geldschöpfung und das Bankenwesen muss in das Zentrum der Wirtschaftsmodelle gestellt werden, denn Kreditschöpfungsentscheidungen gestalten die wirtschaftliche Landschaft in erheblicher Weise. (>>> mehr!)


Richard A. Werner (* 5. Januar 1967 in Landau an der Isar) ist ein deutscher Ökonom, der an der London School of Economics und den Universitäten von Oxford und Tokyo studierte. Derzeit lehrt er an der Universität Southampton in England sowie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Bekannt wurde er durch die Entwicklung einer heterodoxen Lehre der Geldschöpfung unter dem Begriff der Kredittheorie des Geldes, die an Arbeiten und Ansichten von Joseph Schumpeter anknüpft.

Sein Buch Princes of the Yen wurde im Jahre 2001 zum Bestseller in Japans allmeiner Bücherliste und stellt speziell ein Lehrbuch über die japanischen Zentralbank und allgemein eine informelle Anleitung für die Kreditvergabepolitik von Zentralbanken dar. Dieses Buch wurde laut Werner illegal von der japanischen Zentralbank ins Englische übersetzt, fand ab 2001 in Washington weite Verbreitung und fand das Interesse des US State Departments. Eine autorisierte englische Fassung erschien 2003 bei M. E. Sharpe, eine deutsche steht noch aus.

Richard Werner war Chefökonom bei der asiatischen Jardine Fleming Securities (Asia) Ltd. und hat zahlreiche Artikel über Kreditzyklen in Japan verfasst, wie auch über Geldpolitik, davon viele auf Japanisch.

In einem Diskussionspapier des Instituts für Wirtschaft und Statistik der Universität Oxford warnte er 1991 vor dem bevorstehenden Zusammenbruch des japanischen Bankensystems und der Gefahr der größten Rezession seit der Weltwirtschaftskrise von 1929

Werner ist bekannt als Zentralbankkritiker, als monetarischer sowie als entwicklungsorientierter Wirtschaftswissenschaftler und prägte den Begriff der quantitativen Lockerung, welcher bisher allerdings sinn- und zweckentfremdet gegenüber dem ursprünglichen Konzept angewendet wurde.

Werner ist ein Kritiker der klassischen und neoklassischen Ökonomie. Insbesondere verwirft er die Annahme der vollkommenen Information und die deduktive Vorgehensweise. Ohne derartige Annahmen, so Werner, sind alle Märkte im Ungleichgewicht, d. h. rationiert, so daß Quantitäten wichtiger sind als Preise („short side principle“). Ausgehend von der klassischen Quantitätsgleichung entwickelt er das Modell des disaggregierten Kredites, mit dem er die Fehlentwicklungen der japanischen Wirtschaft in den Jahren 1980 - 2003 erklären kann, was der klassischen Ökonomie nicht gelungen war (siehe Neue Wirtschaftspolitik ISBN 978-3-8006-3247-3).

Im Jahre 2003 wurde er vom Weltwirtschaftsforum in Davos als Weltrichtungsgeber für Morgen (Global Leader for Tomorrow) gewählt. (Wikipedia)


Samstag, 15. Dezember 2012

Magisches Viereck / Sechseck / Achteck

Das Magische Viereck ist ein volkswirtschaftliches System dieser vier wirtschaftspolitischen Ziele:

Die Ziele des Magischen Vierecks werden abgeleitet aus den obersten Zielen der demokratischen und marktwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung, wie z. B.
Die Ziele sind im deutschen Stabilitätsgesetz von 1967 gesetzlich verankert.

Von einem magischen Dreieck spricht man bei der Beobachtung der drei Ziele Preisniveaustabilität, Vollbeschäftigung und außenwirtschaftliches Gleichgewicht. Bisweilen ist auch vom magischen Fünfeck, Sechseck, Siebeneck, Achteck oder Neuneck die Rede, wobei dann jeweils das magische Viereck um einen oder mehrere der folgenden Punkte erweitert wird:
  • ausgeglichene öffentliche Haushalte
  • gerechte Einkommensverteilung
  • Erhaltung einer lebenswerten Umwelt
  • humane Arbeitsbedingungen
  • Sicherung von Ressourcen


Staatsschulden



Mittwoch, 28. November 2012

Wirtschaftsprogramm der Piratenpartei


Da der Antrag PA444 (Rubrik Wirtschaft) deutlicher als Einleitung gekennzeichnet und aufgebaut ist, habe ich diesen Antrag zur Einleitung ausgewählt - gegenüber PA091 (Rubrik Wirtschaftspolitik), der tiefer in die einzelnen Punkte eines Wirtschaftsprogrammes führt und somit angeschlossen wurde. Da beide Anträge in unterschiedlichen Rubriken gestellt wurden, spielt das für das letztendliche Programm eine untergeordnete Rolle. Leider wird die endgültige Antragsreihenfolge nicht durch den abgestimmten Vorschlag von @Tirsales abgedeckt!?!


Grundsatzprogramm Wirtschaft und Finanzen

Präambel 

Die Wirtschafts-, Finanz- und Sozialordnung soll allen Menschen und der Gemeinschaft dienen. Traditionelle Kennzahlen, wie etwa das Bruttoinlandsprodukt (BIP) oder die Wachstumsrate, die nur bedingt mit dem Wohlstand der Menschen und der Nachhaltigkeit des Wirtschaftens verknüpft sind, sollen daher nicht mehr alleinige Orientierungsgrößen für die Wirtschaftspolitik sein.

Das Leitbild der Piraten ist eine Ordnung, die sowohl freiheitlich als auch gerecht als auch nachhaltig gestaltet ist. Da Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit universelle Grundwerte sind, wollen wir auch über den nationalen Rahmen hinaus auf die Berücksichtigung dieser Werte hinwirken.

  • Freiheitlich ist eine Gesellschaftsordnung, in der die individuelle Entfaltung des Menschen im Mittelpunkt steht. Sie wird durch das Gemeinwohl sowohl gestärkt als auch beschränkt. Deshalb sind Freiheit und Verantwortung untrennbar miteinander verbunden.
  • Gerecht bedeutet, dass die Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Gesellschaft so gegrundsatzprogramm staltet sind, dass sowohl eine Teilhabe als auch ein angemessenes Leben grundsätzlich gewährleistet werden.
  • Nachhaltig ist ist ein auf Dauer angelegter, verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und der Umwelt. Die Haushalts- und Subventionspolitik, sowie das Finanzsystem, müssen dem Menschen und der Realwirtschaft langfristig dienen.

Die Wirtschaftspolitik der Piratenpartei basiert auf einem humanistischen Menschenbild und ist bestimmt von Freiheit, Transparenz und gerechter Teilhabe. Auf diesem Fundament stehen unsere Konzepte für eine freiheitliche und soziale Wirtschaftsordnung, deren Ziel die selbstbestimmte Entfaltung und das Wohlergehen aller Menschen ist.

Weltweite Vernetzung und Digitalisierung machen ganz neue Formen der Produktion, der Arbeit und des Austausches möglich. Diese neuen Formen des Wirtschaftens bieten enormes Potenzial, erfordern aber auch eine Weiterentwicklung der Wirtschaftsordnung.
Hier bietet sich die Chance, einen zentralen Bereich der Gesellschaft politisch neu zu gestalten.


Dabei ist für Piraten Wirtschaftspolitik nicht gleich Wachstumspolitik. Die über den Markt verkauften Güter und Dienstleistungen sind nur ein sehr unvollständiges und zuweilen irreführendes Maß für den Wohlstand und für die Lebensqualität in einer Gesellschaft.
An diesen Steuerungsgrößen allein darf sich Wirtschaftspolitik nicht ausrichten, sie muss sich stattdessen den individuellen Lebensentwürfen der Menschen öffnen, unabhängig davon, wie stark diese ins Wirtschaftsgeschehen eingebunden sind. Die Wirtschaftspolitik der Piratenpartei soll den Rahmen zur Verwirklichung dieser Lebensentwürfe in einer globalisierten Wirtschaft schaffen.



Ökologie
 

Die Piratenpartei setzt sich für einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen ein. Dazu gehört auch, dass die wirtschaftliche Nutzung von natürlichen Ressourcen so bepreist ist, dass eine Ausbeutung auf Kosten der Allgemeinheit nicht möglich ist.
In der Umstellung auf regenerative Energiequellen und in der Dezentralisierung der Erzeuger- und Verteilungsstrukturen sehen wir großes Potential für die deutsche Wirtschaft, gerade für kleine, innovative Unternehmen. Wir werden dazu beitragen, dass dieses Potenzial genutzt wird und dadurch bundesweit Innovationen und Arbeitsplätze entstehen.



Verbraucherschutz
 

Damit eine freie Marktwirtschaft auch sozial ist, müssen die Rechte der Konsumentinnen und Konsumenten gegenüber der Macht der Anbieter gestärkt werden. Dies kann jedoch nicht durch weitere Bevormundung des Einzelnen und wenig sinnvolle Warnungen geschehen. Die Piratenpartei will stattdessen Produzenten und Dienstleister dazu verpflichten, umfassende und verständliche Informationen bezüglich ihrer Produkte und deren Herstellung öffentlich bereitzustellen. Die Möglichkeiten, die neue Medien hier bieten, sollten nicht nur für Werbung sondern auch für solche Informationen genutzt werden. Nur informierte Konsumierende können frei entscheiden, wofür sie ihr Geld ausgeben und damit direkten Einfluss auf die Anbieter ausüben.


Arbeit und Mensch
 

Arbeit ist für uns nicht nur eine handelbare Ware, sondern immer auch die persönliche Leistung eines Menschen. Es ist daher ein Gebot der Menschenwürde, dass jeder Mensch frei entscheiden kann, welchen Beruf er ausüben will und welche Arbeit er annehmen will, aber auch, dass diese Leistung entsprechend gewürdigt wird.
Die technologische Entwicklung ermöglicht es, dass nicht mehr jede monotone, wenig sinnstiftende oder sogar gefährliche Aufgabe von Menschenhand erledigt werden muss. Wir sehen dies als großen Fortschritt, den wir begrüßen und weiter vorantreiben wollen. Daher betrachten wir das Streben nach absoluter Vollbeschäftigung als weder zeitgemäß noch sozial wünschenswert. Stattdessen wollen wir uns dafür einsetzen, dass alle Menschen gerecht am Gesamtwohlstand beteiligt werden und werden dazu die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens prüfen.



Mindestlohn als Brückentechnologie


Es gehört zu den Aufgaben des Staates sicherzustellen, dass auch im freien Markt die Menschenwürde respektiert wird. Wer voll berufstätig ist, darf nicht unter der Armutsgrenze leben und auf staatliche Zusatzleistungen angewiesen sein. Zudem verzerren Dumpinglöhne die Wettbewerbsbedingungen innerhalb und zwischen freien Märkten.
Um allen Menschen eine würdige Existenz und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, werden wir uns daher für einen bundesweiten gesetzlichen Mindestlohn einsetzen. Mittelfristig wollen wir jedoch mit dem „Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe“ ein umfassenderes System zur allgemeinen, bedingungslosen Existenzsicherung etablieren.



Betriebliche Mitbestimmung


Die Piratenpartei tritt für die stärkere Demokratisierung der Wirtschaft ein. Dieser Prozess findet aber nicht nur auf der Ebene von Staat und Markt statt, sondern auch innerhalb einzelner Unternehmen. Das Arbeitsumfeld ist ein wesentlicher Teil des Lebensumfeldes, auf das Menschen einen angemessenen Gestaltungsanspruch haben, der letztendlich auch den Unternehmen zugutekommt. Wir werden daher die existierenden Mitbestimmungsrechte für Angestellte verteidigen und wo nötig weiter ausbauen. Die
Beteiligung der Mitarbeiterbasis an der Unternehmensführung begünstigt sozialere und nachhaltigere Entscheidungsfindung sowie unternehmerische Innovationen.




Globalisierung

Die zunehmende weltweite Vernetzung sehen wir grundsätzlich als positive und bereichernde Entwicklung. Das Internet mit seinen fast unbegrenzten Möglichkeiten wird dabei ein immer bedeutenderer Wirtschaftsfaktor, der weit über nationale Politik hinausgeht.
Der weltweite Ausbau eines freien Internets ist daher nicht nur ein ideelles, sondern auch ein wirtschaftspolitisches Ziel der Piratenpartei.
Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Globalisierung dem Gemeinwohl aller Menschen dient. Konkret heißt das, dass wir uns dafür einsetzen werden, die Rechte der Menschen in weniger stark industrialisierten Ländern am Weltmarkt zu stärken, und dass wir in zunehmend vernetzten Märkten für den Angleich und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für alle Arbeitnehmerinnen und Konsumenten eintreten werden.



Siehe auch:

>>> Alle neuen Programmpunkte und Beschlüsse der Piratenpartei
http://pir.at/wipopipa 

Montag, 29. Oktober 2012

Rechtliche Legitimation und Grenzen der Transparenz

Die Transparenz legitimiert sich grundlegend gesetzlich, sogar grundgesetzlich - jedoch meist nur in Ableitungen. Eine wirkliche umfassende gesetzliche Klarheit besteht in Deutschland leider nicht. 

Wir haben das Informationsfreiheitsgesetz sowie das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) - auch speziell in NRW. In Hamburg gibt es seit dem 6. Oktober ein bislang beispielloses "Transparenzgesetz". Das Hamburger Transparenzgesetz wird jetzt eifrig von den anderen Bundesländern (wie z.B. Berlin oder Bayern) kopiert ...


In einigen Ländern, wie z.B. in Schweden, ist die politische Transparenz Teil der Verfassung. 

Transparenz ist aber auch Teil eines bilateral verpflichtenden Grundsatzes mit Rechtscharakter eines allgemeinen Völkerrechts-Gewohnheitsrechts mit UN Mandat von 1996 (Resolution 50/225), welches als „Good Governance“ auch zum bindenden Rechtsgrundsatz des internen nationalen Rechts der ratifizierenden Staaten geworden ist. Ob der einzelne Staatsbürger oder eine zivilgesellschaftliche Gruppe bzw. Organisation des ratifizierenden Staates von seinem Staat auf einem konkreten Politikfeld, die Erfüllung von „Good Governance“ im Sinne eines Bürger- oder Menschenrechts einfordern kann (Drittwirkung), ist allerdings noch ungeklärt.

Das Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen Korruption (UNCAC) ist der erste weltweit völkerrechtlich bindende Vertrag zur Bekämpfung der Korruption. Er verpflichtet die Vertragsparteien zur Bestrafung verschiedener Formen der Korruption gegenüber Amtsträgern und zur internationalen Zusammenarbeit. Deutschland hat das Übereinkommen am 9. Dezember 2003 unterzeichnet, es bislang aber noch nicht ratifiziert. Dazu bedarf es zahlreicher Änderungen des Strafgesetzbuches (StGB), insbesondere eine Erweiterung des Straftatbestandes der Abgeordnetenbestechung (Paragraf 108e StGB).

Von einer Transparenz der EU lohnt es sich ja kaum zu sprechen oder schreiben - und bei einer Legitimation wird es ja noch komplexer...

In Deutschland fußt die Transparenz selbst (direkt oder indirekt) auf der Volkssouveränität der "Freiheitlichen demokratischen Grundordnung" - im Grundgesetz u.a. Art. 20 (2) "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. [...]"

Für diese vom Volk ausgehende Demokratie, das ist eigentlich weitgehend unbestritten, benötigt es Transparenz. Die Frage ist nur, wie weit diese Transparenz in welchen Bereichen geht - oder gehen darf. Klar ist, dass Personen des öffentlichen Lebens transparenter als Otto-Normalbürger sein müssen und die Bürger bei Themen von öffentlichem Interesse ein Recht auf umfassende Aufklärung haben.

Eine weitere rechtliche Legitimation für Transparenz ergibt sich aus der Pressefreiheit, GG Art. 5 „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
Allerdings wird hier das Verständnis von Transparenz beschnitten und auf allgemein zugängliche Quellen, die nicht näher definiert werden, begrenzt. Der von Habermas geforderte Diskurs der Öffentlichkeit ist hier folglich abhängig von der bei Kant geforderten "Publizität".

Frieden als Motivation der Transparenz?
Immanuel Kant verknüpfte das Prinzip der Transparenz (Publizität) untrennbar mit Rechtmäßigkeit und Legitimität einer Regierung. "Alle auf das Recht anderer Menschen bezogene Handlungen, deren Maxime sich nicht mit der Publizität verträgt, sind unrecht." (I. Kant)
"Qualitätsnachrichten und -informationen sind notwendig, damit Menschen am Leben ihrer Gemeinden voll teilnehmen können", schreibt die Knight Foundation in einem Bericht über den "Aufbau starker Gemeinschaften durch Informationsaustausch" (Knight Foundation 2011). Sie fügt hinzu: "Exakte und zeitgerechte Informationen müssen auf eine zugängliche Weise zur Verfügung gestellt werden - und diese müssen von ihren Urhebern auf einfache Weise dorthin fließen können, wo sie am meisten gebraucht werden." Dies sei ein "Markenzeichen" einer "transparenten und rechenschaftspflichtigen Regierung, ein zentrales Merkmal für eine effektive Zivilgesellschaft und ein entscheidender Baustein für einen erfolgreichen Privatsektor mit Geschäftsethik". (bpb)
Transparenz in der Wirtschaft (z.B. Markttransparenz) legetimiert sich meist aus dem Verbraucherschutz und dessen gesetzlichen Regelungen (Verbraucherinformationsgesetz). Zumindest scheinen Kunden eine Transparenz hier bereits als eine Art Grundrecht wahrzunehmen. Für die altgediente Geschäftswelt, die bislang auf Vertraulichkeit fußte, ist die Transparenz eine Horrorvision. Aber auch die Position ist berechtigt, dass erst Transparenz eine Vergleichbarkeit und somit wirklichen Wettbewerb ermöglicht. Eine absolute Transparenz des Marktes (Informationsökonomik) sei nach Oskar Morgenstern nicht möglich, da nicht alle Marktteilnehmer wechselseitig alle Details wissen können.
"Die Legitimation eines demokratischen Systems speist sich nicht nur aus der Beteiligung der Bürger an den regelmäßig stattfindenden Wahlen (sog. Input-Legitimation) und der unter ihnen vorhandenen Unterstützung des politischen Systems (Legitimation durch Identität). Sondern beides setzt zur Meinungsbildung wiederum die Möglichkeit eines regelmäßigen Zugangs zu Informationen über das politische Geschehen voraus (Legitimation durch Öffentlichkeit und Transparenz)." (Anke Offerhaus; Transparenz und massenmediale Öffentlichkeit als Voraussetzung demokratischer Legitimation)

Aber nicht nur die Politik und Politiker - sondern selbstverständlich auch alle ihre Organe (wie z.B. Verfassungsrichter) legitimieren sich aus der Transparenz gegenüber dem Souverän. „Transparenz und Kontrolle sind unverzichtbar für die Legitimation des Verfassungsschutzes in einer Demokratie“ Alexander Bauer

Selbst - oder gerade - bei den Geheimdiensten stellt sich die Frage, wie diese gegenüber Parlament und Bürger transparent kontrolliert werden können. Ohne diese Kontrolle und zumindest eine politisch interne Transparenz stellt sich die Daseinsberechtigung in Frage. Da müsste mal richtig aufgeräumt werden - und damit meine ich keine Entsorgung von Akten!!

Nur aus einem Vertrauen - und zwar keinem blinden - sondern berechtigtem Vertrauen legetimieren sich Politik und Politiker. 
"Stattdessen aber regiert uns eine Diktatur der Mittelmäßigkeit, sagt Oswald Metzger. Er erklärt, warum ohne Vertrauen keine Gesellschaft funktioniert und was der Hauptfeind des Politikers ist." (DIE WELT)

Es geht um Geld - richtig viel Geld. So stellt selbst das "Bundesministerium für Wirtschaft und Zusammenarbeit" (BMZ) fest:
"Dort wo Kontrollmechanismen, die Transparenz staatlichen Handelns und Rechenschaftspflichten fehlen, wird Korruption besonders begünstigt." (BMZ)

"Transparenz und Ordnungsmäßigkeit sind notwendige Voraussetzungen für eine Verwendung von öffentlichen Geldern, die den Prinzipien von Good Governance entspricht." S. 21

>>> Interessanter Artikel über die Entwicklung der "Korruptionskultur"




Datenschutz, Schutz von Privatsphäre / Intimsphäre, staatliche Geheimhaltungs-Verpflichtungen, Amtsgeheimnisse, Vertraulichkeit, Persönlichkeitsrechte, die Unschuldsvermutung und das Freie Mandat sind sozusagen die "Komplementäre" zur Transparenz. 

Diese widersprechen der Transparenz, beschneiden oder grenzen diese in einen angemessenen Rahmen. Das hat verschiedene gravierende Vorteile!!

Der wichtigste Vorteil ist der Lern-Effekt. Natürlich ist es ein bisschen komplexer den Bürgern rüber zu bringen, dass sich Transparenz und verschiedene Schutzrechte, wie Datenschutz bedingen - aber es gibt halt keine andere Partei, die dies authentisch kommuniziert, am weitesten vorlebt und der man aktuell vertrauen kann, die Geheimniskrämerei des Staates zu beenden. Begreift der Bürger einzelne Zusammenhänge, dann ist dies ein Lernprozess, der sich regelrecht im Gehirn verankert und stets wieder abrufbar sein wird (sich vernetzende Wissenseinheiten).
  • Um eine wirklich gute, exakte und mächtige Definition von Transparenz zu finden, macht es fast mehr Sinn bei einer Maximalforderung zu bleiben, Rechenschaft von allem zu verlangen was intransparent bleiben will und die Komplementäre so genau wie möglich zu beschreiben.
    "Um Transparenz sicherzustellen, müssen Methodenbeschreibungen dem Prinzip der „Replizierbarkeit“ folgen: sämtliche Kriterien der exakten Wiederholbarkeit müssen offen gelegt werden." (EMNID)
    Je genauer die Faktoren beschrieben werden, die Transparenz aus rechtlichen Gründen eingrenzen, um so exakter wird die Definition von Transparenz selbst!

    Besonders der Datenschutz ist bereits sehr sicheres und gut formuliertes Gewässer für die Piraten und macht es daher in diesem Bereich recht einfach.

     
  • Das bedeutet nicht, daß man die Geheimhaltungs-Verpflichtungen und -Variationen der Bundesregierung hinnehmen muss, die ohnehin jeder noch so gewollten Transparenz einen Strich durch die Rechnung machen wollen - im Gegenteil: Es geht darum zu formulieren, wie sich die "Komplementäre" der maximalen Transparenz anzupassen haben - ohne die Grundrechte zu beschneiden oder auch nur anzurühren.
     
    • Ist die Geheimhaltungsfrist von 30 Jahren angemessen?
      Sind Informationen, die freigegeben werden, im Anschluss im Internet zu veröffentlichen und somit jedem Menschen ungefragt zugänglich zu machen (vergleichbar dem FBI, der allerdings nur teilweise publiziert)?

    • Vormals geheime bzw. vertrauliche Inhalte, die veröffentlicht werden sollen und datenschutzrechtlich relevant sind, müssen anonymisiert werden. Der Aufwand, um dies SICHER zu stellen, ist zu bedenken.

    • Unter dem Deckmäntelchen von Geschäftsgeheimnissen und Urheberschutz wird versucht sich der Transparenz zu entziehen.

      Demnach müssen Firmen künftig im Vorfeld über die Offenlegung informiert werden - diese Offenlegung zum Bestandteil der Zusammenarbeit zwischen Firmen und der Regierung bzw. ihren Einrichtungen werden.

      Daß Urheberschutz von Medien, die für die Regierung erstellt wurden, kein Argument ist diese vor der Öffentlichkeit geheim zu halten, moniert die Piratenpartei ja bereits.

  • Aus meiner Sicht ist die Vertraulichkeit von Politikern zu wahren und auch Teil ihres Freien Mandates, also grundgesetzlich geschützt. Politikern, auch der Piratenpartei, sind somit vertrauliche Gespräche grundsätzlich zu ermöglichen. Wieviel von diesen Gesprächen in welcher Form wann zu veröffentlichen ist, bleibt eine spannende Frage und kann nur im Kontext zu den einzelnen Tätigkeitsfeldern eines Politikers exakt definiert werden.

    Dabei kann es hilfreich sein, sich den eigentlichen Auftrag in das Gedächtnis zu rufen. Koalitionsverhandlungen sind z.B. eine Fort- & Ausführung der Wahl - eine Konkretisierung des Wählerwillens - und sollten deshalb grundsätzlich absolut transparent sein (möglichst audiovisuell aufgezeichnet werden).

    Interne Wahlen, die vom Volk gewählte Abgeordnete unter sich ausüben, müssen nicht vollumfänglich transparent sein, da die Wähler die Gewählten auch zwecks Selbstorganisation gewählt haben. Wenn die Wähler auch die Posten per Wahl bestimmen wollen, müsste dies gesetzlich festgelegt werden. Daher sollten Gewählte unter sich abstimmen, wie diese bzgl. der Transparenz ihrer Wahl verfahren wollen.
    Grundsätzlich sollte mindestens das Protokoll veröffentlicht werden, das in solchen Fällen möglichst von allen Beteiligten - mindestens aber von 2-3 Vertretern unterzechnet wird.

  • Bei der Gewaltenteilung bin ich mir nicht sicher, ob diese nicht vielleicht sogar der Transparenz in die Hände spielt. Ich muss mich hier erst tiefer einarbeiten. Der Gedanke war, dass durch die Gewaltenteilung ein gewisser direkter Informationsfluss untersagt ist und dann evtl. auch nicht über die Öffentlichkeit fliessen darf. Aber vielleicht ist es ja genau anders herum, dass gewisse Informationsflüsse der Gewaltenteilung eben nur über ein Medium wie die Öffentlichkeit fliessen können.

  • Weitere Rechte, welche Transparenz beschneiden können: Privatsphäre, Intimsphäre und Persönlichkeitsrechte.

  • Unschuldsvermutung: Die Unschuldsvermutung kommt mir irgendwie zu kurz in der Diskussion um die Transparenz von Politikern. Es macht natürlich absolut Sinn Politiker darauf hinzuweisen, wie nackig sich z.B. Hartz4-Empfänger machen müssen. Hier scheint die Unschuldsvermutung nicht zu zählen und man könnte in's Feld ziehen, dass diesem Beispiel auch Politiker folgen müssten. Wahrscheinlich würde sich die Situation der Hartz4-Empfänger sehr schnell ändern.

    Natürlich ist ein gesundes Misstrauen gegenüber Politikern und Politik angebracht. Dies darf aber nicht in einer Form entarten, wo jeder Politiker und die Politik insgesamt als grundsätzlich kriminell hingestellt werden. Auch hier hat die Unschuldsvermutung zu zählen und spricht in Einzelfällen gegen eine übertriebene Transparenz.

Ich bin kein Anwalt und auch kein Verfassungsrechtler. Daher freue ich mich ganz besonders über kompetentes Feedback und werde diesen Artikel weiter entwickeln.

Dieser Artikel ist gemäß Creative Commons share alike - non-commercial auch zur Weiterentwicklung freigegeben.



Stufen und Grenzen der Transparenz

Carlo Schrodt  / pixelio.de
Absolute Transparenz

In erster Linie ist absolute Transparenz unmöglich, weil es mindestens gleichwertige Gesetze und Grundrechte gibt, welche die Transparenz beschneiden.

~> weiter zu "Absoluter Transparenz"


Radikale Transparenz

Unter "radikaler Transparenz" wird meistens eine Transparenz beschrieben, die bereit ist, sich in rechtlich noch unbekannte Gewässer zu begeben - rechtliche Begrenzungen in vollem Bewusstsein zu sprengen (Wikileaks / Whistleblowing) bzw. rechtliche Rahmenbedingungen verschiedener Nationen provokant zu überschreiten (Facebook, Google) und es auf eine gerichtliche Klärung ankommen zu lassen. 

~> mehr. 

  Gläserne Transparenz

ist ohne Filter durchlässig transparent (nicht ~> absolut).

~> mehr.


Maximale Transparenz

Eine maximale politische Transparenz ist also durchaus berechtigt und intransparente Informationen oder Sitzungen müssen sich rechtfertigen und begründen können, warum diese auf die Öffentlichkeit verzichten wollen (freedom-blog, siehe erster Kommentar).
Daher fordert oder basiert eine "maximale Transparenz" auf einem ~> "Transparenz-Prinzip"

~> mehr.



Transparenz-Prinzip

Vergleichbar dem Öffentlichkeitsprinzip würde ein Transparenzprinzip grundsätzlich eine transparente Offenlegung aller politischen Daten für alle Menschen fordern. 

~> mehr.


Medientransparenz
 

In der Kommunikationswissenschaft sind Medien transparent, wenn...


Markttransparenz

Markttransparenz bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre die Verfügbarkeit von Informationen.

~> mehr.



Transparenz Medien & Formate


Verwaltungstransparenz

Die Verwaltungstransparenz lässt sich grob in vier Stufen einteilen, die dienlich sein könnten, um grundlegende Stufen für die verschiedenen Bereiche zu definieren, wo Transparenz angebracht ist.

~> mehr.

    Freiwillige & Unfreiwillige Transparenz

    ~> mehr.


    Minimale Transparenz

    Minimale Transparenz entspricht dem Minimum an (rechtlich) geforderter Transparenz und somit auch dem Wunsch nach klaren Gesetzen und Richtlinien, die sich an der Praxis orientieren. 

    ~> mehr.


    Funktionale und Dysfunktionale Transparenz


    Gerd Altmann / pixelio.de
    Funktionale Transparenz orientiert sich an den Zielen, Zwecken und Mitteln der Transparenz.

    Dysfunktionale Transparenz ist meist eine Transparenz, die eher Selbstzweck ist und kaum über die eigentlichen Ziele und Zwecke gerechtfertigt werden kann - schiesst am Ziel vorbei. 

    ~> mehr.


    Selektive Transparenz

    "Selektive Transparenz" filtert im Sinn einer ~> "Funktionalen Transparenz"

    ~> mehr.


    Intransparenz


    Mehr als "nur" Transparenz


    Transparenz hat nicht nur Grenzen - Transparenz geht nicht weit genug und verkümmert mehr und mehr als abgelutschter rein technokratischer Begriff.


    Gerd Altmann / pixelio.de
    • Die "Publikative" von Kant ist mit den heutigen Möglichkeiten praktisch erreicht, womit Kant eventuell an seine Grenzen stößt. Dennoch geht die Publikative weit über die Forderungen nach Transparenz hinaus und bietet ihr einen philosophischen Unterbau. 

    • Auch die Forderungen von Habermas nach einem öffentlichen Diskurs wird durch die aktuelle Fokussierung auf die Transparenz regelrecht unterschlagen. Transparenz beinhaltet nicht, daß die Öffentlichkeit die Inhalte versteht oder nachvollziehen kann. Transparenz an sich holt weder den Bürger dort ab, wo dieser steht - noch wird der Bürger von nackter Transparenz mitgenommen und eingebunden.
    "Die Forderung nach Transparenz selbst stammt nicht aus dem Repertoire der klassischen Politik, sondern entspringt, wie auch die Piraten und ihre Parteifreunde, dem weiten Feld der Computer- und Internet-Technologie. Sie entstammt also nicht der Realpolitik, sondern reduziert das Politische auf das bloße Verfahren. Inhalt wird durch Information ersetzt, Freiheit ist kein Begriff mehr, sondern nur noch Propaganda. [...] 

    Transparenz ist der Fetisch der Kommunikationsgesellschaft. Sie wird spätestens dann zur Ideologie, wo sie zum Zweck an sich deklariert und die schwierige Arbeit am Begriff, das Denken, in der Überzeugungskraft des bloß sinnlichen Erlebens, in Illustration, Illusion und Abbild aufgelöst wird. Transparenz ist eben nicht reflektiertes Verstehen, sondern einfach nur Durchsichtigkeit. Die Rhetorik der Transparenz folgt der bloßen Meinung: Allein um möglichst viele per Transparenzverfahren zugänglich gemachte Informationen verarbeiten zu können, muss auf jede Methode – also auf jeden womöglich versteckten Umweg – verzichtet werden; die freie Rede ist die unmittelbare Rede, der kein Gedanke und kein Denken mehr vorhergehen muss."  Aufklärung statt Transparenz (jungle world)


    Eine Anbindung an die philosophischen Grundlagen würde auch die älteren Generationen "mitnehmen" und einbinden - ganz zu schweigen vom größeren Wirkungsradius und Tiefgang, den die Forderungen damit erreichen würden.

    Sonntag, 28. Oktober 2012

    Frieden als Motivation der Transparenz?

    Immanuel Kant
    Ich persönlich würde mich freuen, wenn ich die eigentlich naheliegende Ableitung unserer Gesetze für Frieden und gegen Krieg - von der UN über die EU bis in den jeweiligen Nationalstaat - für die Transparenz heranziehen könnte. Es kämen sicherlich wunderschön zu lesende und populär wirkungsvolle Pamphlete heraus. 

    Aber was sind unsere Gesetze für Frieden schon wert, wenn diese nach dem Wiedereinstieg der Deutschen in das Kriegstreiben nachträglich angepasst werden können bzw. trotz Verbot von Angriffskriegen ebensolche durchgeführt werden?? An dieser Stelle könnte die gesamte Politik und - schlimmer noch - der gesamte Rechtsstaat seine Legitimation verlieren oder gar verloren haben. Von daher macht es sicherlich Sinn, sich auch mal philosophisch mit den friedvollen Möglichkeiten der Transparenz auseinander zu setzen und nach rechtlichen Legitimationen dieser zu suchen. Aber man sollte dann nicht enttäuscht sein, wenn besonders das Recht hier gebeugt und gebogen wird, bis sich die Balken brechen.

    Wenigstens kann man Kant - oder wie man das heutzutage macht - Sekundärliteratur zitieren, wenn man sich mit der Kinderstube der Transparenz auseinandersetzt ;-)

    "Immanuel Kant verknüpfte das Prinzip der Transparenz untrennbar mit Rechtmäßigkeit und Legitimität einer Regierung. In seiner Schrift "Vom ewigen Frieden" (1795) überlegt er, unter welchen Umständen Staaten keinen Krieg mehr gegeneinander führen würden. Die Publizität spielt bei ihm dabei die Hauptrolle: Nur wenn Regierungen ihre Politik transparent und öffentlich machen, ist Frieden möglich. Wenn die Interessen der Regierungen mit denen der Regierten übereinstimmen, sei Krieg nicht mehr möglich. Die "transzendentale Formel des öffentlichen Rechts" beschreibt er folgendermaßen: "Alle auf das Recht anderer Menschen bezogene Handlungen, deren Maxime sich nicht mit der Publizität verträgt, sind unrecht." Mit Publizität könne "alles Misstrauen" entfernt werden. Eine Konsequenz daraus ist, dass es keine geheimen Nebenabreden zu internationalen Verträgen geben darf, damit die Bürger alles jederzeit kontrollieren können." (bpb)

    Auch als philosophische Rechtfertigung für Wikileaks gibt man sich schonmal den Kant. Nicht uninteressant, wie ich finde, denn gerade Wikileaks hält ja die Informationen über die Mitarbeiter - ausser Frontmann Assange - geheim. Gerade Wikileaks erkennt ja das besondere Schutzbedürfnis von bestimmten Informationen an - auch wenn dies ab und an daneben ging. So sehr auch Whistleblowing unterstützenswert ist - so sollte dies zugleich besondere Schutzbedürfnisse gewisser Informationen rechtfertigen. Ein Teufelskreis? Eher ein Hinweis zur klaren Differenzierung!! Zumindest beweist sich mal wieder, daß Wissen und Informationen bzw. diese zu publizieren oder eben nicht - Macht ist.

    So enttäuscht ich auch von der Politik und unserem Rechtsstaat in puncto Friedens-Gesetzen bin, eine Anbindung an die Hohen Ziele, die sich im Philosophieren tummeln, möchte ich persönlich nicht verlieren.

    Transparenz konterkariert das, was in der klassischen Politik der Moderne als Aufklärung definiert wurde: Wenn Immanuel Kant formulierte, dass Aufklärung der Ausgang des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit sei, dann lässt sich aus der Metapher der Aufklärung ein ganzes Zeitalter entfalten, einschließlich der Losung »sapere aude!« und schwerwiegender Probleme der reinen und praktischen Vernunft, Fragen der Erkenntnis und der Moral. Der gesamte Aufstieg und Niedergang des Bürgertums lässt sich daraus herleiten. »Beantwortung der Frage: Was ist Transparenz?« könnte der Titel einer philosophischen Persiflage auf Casting-Show-Niveau lauten. Die Frage lässt sich nur noch redundant und idiotisch beantworten: Transparenz ist Transparenz. Punkt. Kein Erkenntnisproblem, keine Frage der Moral, keine Bestimmung der Vernunft wird davon auch nur annähernd gestreift. Die Klarheit und den Durchblick, welche die Transparenz wo auch immer – politisch, ökonomisch, sozial, privat usw. – verspricht, sind nie mehr als eben einfach Klarheit und Durchblick. Je stärker und energischer Transparenz zur politischen Forderung wird, desto weniger zielt diese Forderung auf mehr und weiteres als einfach nur ein bisschen Akteneinsicht und Informationsfluss. (jungle-world)

    Erkenntnistheorie von Immanuel Kant
    Tatsächlich reduziert die Forderung nach Transparenz als politisches Verfahren weitaus größere Dimensionen an Möglichkeiten und Chancen auf nackte Daten. Erst, wenn wir diese geforderten Daten haben, werden wir wohl bemerken, wie wichtig die Qualität und die Quellen sind. Erst dann werden wir die neuen alten Fragen erkennen, welche diese aufwerfen.

    "Für den Erkenntnistheoretiker ist anders als im Alltag nicht das einzelne anzweifelbare Faktum interessant, sondern die Überlegung, mit der an einem ganzen Bereich von Wissensbeständen gezweifelt werden kann." (Wikipedia)

    „Es käme mir lächerlich vor, die Existenz Napoleons bezweifeln zu wollen; aber wenn Einer die Existenz der Erde vor 150 Jahren bezweifelte, wäre ich vielleicht eher bereit aufzuhorchen, denn nun bezweifelt er unser gesamtes System der Evidenz. Es kommt mir vor, als sei das System sicherer als eine Sicherheit in ihm. (Wittgenstein)

    Von den zentralen Fragen, mit denen sich Kant beschäftigte, sind vor allem die Fragen der Erkenntnistheorie im Kontext der Transparenz von Bedeutung:
    1. Was kann ich wissen? – In seiner Erkenntnistheorie
    2. Was soll ich tun? – In seiner Ethik
    3. Was darf ich hoffen? – In seiner Religionsphilosophie
    4. Was ist der Mensch? – In seiner Anthropologie

    Einführung: Metaphysik
    Aufklärung