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Sonntag, 6. Januar 2013

Ideologie - Baukasten

G. Altmann / pixelio.de
Ideologie-Baukasten: Ideologie-Freiheit * Kultur statt Ideologie * Kulturepoche der Piraten * (R)evolution der Ideologie * IDEE-ologie * Schublade * Extremismus * Neutralität * Sozial versus (Neo-) Liberal * Global ./. National * Sozialismus ./. Kapitalismus * Digital Native ID: Kulturrevolution * Benutzeroberfläche der Politik * Open Intelligence *

Sonntag, 4. November 2012

Ideologiebaukasten (Teil I: "Links" versus "Liberal")

(Vers. 0.2)

Liberal?!
Gerd Altmann / pixelio.de
Der "Freiheitsbegriff" des Liberalen ergibt sich einerseits aus der Fortentwicklung der Aufklärung auf dem Weg zum verantwortungsbewusst selbstbestimmten Souverän, der wissenschaftlichen Analyse, Erkenntnistheorie, der Überwindung von blinden Glaubenskriegen und Manipulation aus geschürten Ängsten - andererseits aus der neuen Freiheit von Raum, Zeit & Datenträgern, die uns die Kulturrevolution der Computerwelt geschenkt hat und aus der sich eine Realisierung von Publikative / Freier Presse (Bürgerjournalismus), Diskurs der Öffentlichkeit ("wisdom of the crowd") und ein mündiger Bürger erst ergeben können.

"LIBERAL" ist die Antwort auf das "WIE" - WIE wir etwas regeln wollen:
Freiheitlich-demokratisch, souverän.
 


Da sich das "WIE" auf die Art & Weise der Regelung bezieht, beginnt diese stets (bottom up) bei den kleinsten Einheiten, dem Individuum, den Gruppen und sozialen Verbänden (Familien), der Komune / Stadt, den Bundesländern, der Bundesrepublik - und von hieraus in unseren Aussenbeziehungen bis zum Globalen. Gesetze sind dabei nunmal hierarchisch, was ein weiterer Grund für möglichst unkomplizierte, einfach verständliche Regelungen und einen angemessen schlanken Staat sind.

Im Zuge der Globalisierung und vor allem der Kulturrevolution des Computers fielen von Menschen gemachte Grenzen. Plötzlich konnte man in Millisekunden um die Welt, bis in die Wohnzimmer und unter die nackte Haut der Rohdaten blicken. Tatsächlich mag dies ein Gefühl von Freiheit geben, wenn plötzlich der Markt dank Internet genauso grenzenlos sein kann, wie bislang nur die Kultur im Geiste grenzenlos ist.

Und natürlich hat auch der Markt FREI von sinnlosen Nationalstaatsgrenzen zu sein - aber nicht FREI von den Grundprinzipien der Demokratie und des Rechtsstaates. Im Gegenteil: Nichts benötigt überhaupt oder gar mehr Regelung, als das Zwischenmenschliche, der Handel und die Märkte - um die Freiheit des Individuums, des Menschen und seiner Natur zu wahren.

Der sogenannte "FREIE Markt" ist geregelt, in Deutschland z.B. durch das BGB und auch international durch Handelsgesetze. 
Der Markt ist nicht FREI von gesetzlichen Regelungen - der Markt ist nur FREI von Haftung (wie auch die Politik!). Und das ist fatal - geniessen Firmen doch auch Persönlichkeitsrechte!!

Das System ist aus dem Ruder gelaufen. Die Bürger gehören an das Steuer und die Politiker haben zu rudern!  

Alles darf und muss in Frage und auf den Kopf gestellt werden können - so lange wir uns an freiheitlich demokratischen Grundwerten und den Menschenrechten orientieren! 

Was will ich - was wollen wir - und wie organisieren wir das?  
Die Karten müssen offen auf den Tisch, denn wir kommen in die entscheidenden Runden ...

LIBERAL kann nicht bedeuten: keine Gesetze und kein staatliches Eingreifen.  
Wir haben einen Rechtsstaat und der sollte im richtigen Mass das richtige regulieren - nicht überregulieren, nicht das Falsche regulieren und nicht das Richtige zu halbherzig regulieren. 

Daher kann LIBERAL sehr wohl auch bedeuten, dass an verschiedenen Stellen mehr staatliches Eingreifen und sinnvolle Regelungen gefordert werden - und nicht nur ein Rückzug des Staates auf das notwendige und sinnvolle Minimum. LIBERAL muss zu einem Begriff für das richtige Maß an Regulierung an den richtigen Stellen werden!!

Und dafür müssen wir zunächst die bisherigen Regelungen, Einflüsse und Entscheidungen in Frage stellen! Auch aus den Kontroll- & Steuerungsfunktionen (Wahlen, Abstimmungen & Organen) des Souverän ergibt sich ein natürliches Misstrauen gegenüber dem Staat und seinen Funktionären, die aktuell keinerlei Haftung für ihr Handeln tragen.

Edit: Ich wurde darauf hingewiesen, dass sich meine Vorstelluungen vom "Liberalismus" mit dem "Ordoliberalismus" decken könnten. DANKE. Ich muss mich da erst einarbeiten und Vers. 0.3 dieses Textes vorbereiten :-)


Neoliberalismus

Der "Freiheitsbegriff" wurde durch den Neoliberalismus missbraucht! Es ging nie wirklich und effektiv und schon gar nicht nachhaltig um "freiheitliche Werte" - sondern immer nur um Abwesenheit von Staat und Regelung. 

Dem Markt - und in diesem Sinn dem "Gesetz des Dschungels" - sollte FREIE Hand gewährt werden. 
Dabei wurde dem Souverän, dem mündigen aufgeklärten Bürger, das Steuer und die Kontrolle entrissen. Die "unsichtbare Hand" des Marktes würde alles regeln. In Wirklichkeit sind dies die multinationalen Konzerne, die sich bereits im Dschungel etabliert haben und daher diesen auch weitgehend regeln, steuern und kontrollieren können. 

Die wirkliche "sichtbare Hand", die tatsächlich in der Lage ist zu regeln, das ist der von Habermas geforderte öffentliche Diskurs, der durch die von Kant geforderte Publikative (Transparenz) mit den notwendigen Informationen gefüttert werden muss. Das Souverän steuert, regelt und kontrolliert - und keine (erst recht keine unsichtbare und somit nicht greifbare) Hand. 

Wer steuert, eingreift oder gar manipuliert - der hat auch zu haften!!




Alan Greenspan gibt das Versagen seiner Ideologie bekannt ...


Sozial?!


"SOZIAL" ist das "WAS" - WAS wir regeln wollen: das Soziale (von lat. socius „gemeinsam, verbunden, verbündet“) im Sinn der wechselseitigen Bezüge als eine Grundbedingung des Zusammenlebens (der Menschen als sozialen Wesen) - konkret u.a. Bildungs-, Gesundheits- & SozialWESEN!

Es geht um NICHTS ANDERES als das SOZIALE, das im richtigen Maß gemeinsam zu ORGANISIEREN ist. 

Auch, wenn wir als Bürger etwas NICHT regeln wollen, dann ist es das SOZIALE und FREIHEITLICHE, dem wir den Freien Entfaltungsspielraum sichern. 

Auch diese Abwesenheit von Eingriff und Kontrolle z.B. in die Privat- & Intimsphäre des Bürgers, ist eine REGELUNG!!

Während sich das Liberale eher linear und hierarchisch vom Individuum (bottom up) bis zum Ganzen erstreckt, setzt das Soziale die Gleichheit und Geschwisterlichkeit aller Einzelteile voraus und erkennt somit die globale Verantwortung bei lokalem Handeln in vollem Umfang an. Dies ist vergleichbar mit der linearen Verästelung eines Baumes oder der hierarchischen Verantwortung der Eltern für die Kinder, die im Sinnbild des Baumes erkennt, eine Pflanze zu sein - sich bewusst ist, einen gemeinsamen Planeten zu teilen und erst in Frieden und Wohlergehen leben kann, wenn dies für alle gilt! Sozialliberal ist daher auch die Einigung von Gegensätzen zu sich ergänzenden Komplementären, der Einigung von linearer regelnder Hierarchie und radialer wohlwollender Gleichheit.

Da der Souverän mit der "sichtbaren Hand des öffentlichen Diskurses" steuert, regelt und kontrolliert, können wir uns die Frage stellen, was wir uns gemeinsam gönnen wollen und wie wir dies organisieren?! 
Gerd Altmann & dezignus.com / pixelio.de

Der Markt reguliert sich absolut nicht selbst, das neoliberale Märchen ist am Ende. Dem Markt sind genau da Grenzen zu setzen, wo sich dieser dank Profitgier über soziale Notwendigkeiten stellt und letztlich gegen den Menschen "handelt". 

Die Privatisierung von Verkehr, Öffentlichem Nahverkehr, Telekommunikation, Medien, Post, Wasser und auch Banken, hat sich nicht als sonderlich positiv erwiesen.  

Es sollte prinzipiell überdacht werden, welche Leistungen sich die Bürger eines Landes gönnen wollen und wie sich diese die Kosten und Vorzüge teilen - und vor allem, wie dies jeweils zu managen ist.

Die Frage ist nicht, wie wir etwas finanzieren! Die Frage ist, wie wir das organisieren, was wir gemeinsam beschliessen! 
Vielmehr ist die Frage was wir bereits finanzieren und warum überhaupt? 

Es sind die Bürger, die sich einen Mindestlohn geben oder über eine Steuer für Maschinen und Finanzspekulationen nachdenken. Wir sind es, die unsere Bildung finanzieren und für ein lebendiges Gesundheitswesen sorgen und es liegt an uns Bürgern die Ziele zu entwickeln, vorzugeben, aus Fehlern zu lernen und die Grundlagen für ein allseitiges Wohlergehen umzusetzen.

Wir befinden uns in einer Zeit, wo erstmals klar ist, dass für alle Menschen genügend Nahrungsmittel vorhanden sind. Die Maschinen und Roboter können uns die lang versprochene Freizeit freischaufeln. Stattdessen hungert ein Drittel der Weltbevölkerung und das Arbeitspensum, der Druck und die Belastung sind gestiegen. Diese Misswirtschaft zu meistern und den Grundstein für ein weltweites "menschenwürdiges Leben" zu legen, ist die Herausforderung der aktuellen Generationen.


Sozialistische Vergemeinschaftung


Gerd Altmann / pixelio.de
Tatsächlich macht es keinen Sinn nur die Schulden und Risiken der Banken zu vergemeinschaften - entweder die Banken und Anleger tragen ihr Risiko selbst und selektieren sich somit nach neoliberalem Kurs (den witziger Weise "Die Linke" fordert), oder auch die Vorteile der Geldschöpfung sind ebenso zu vergemeinschaften.

Aber wie auch immer - uns stehen zahllose Wege offen etwas zu finanzieren, das wir als Bürger als Ziel ersonnen haben. Die Vergemeinschaftung nach sozialistischem Vorbild ist dabei nur eine der denkbaren Möglichkeiten:


  • Wir können etwas sozialistisch vergemeinschaften
    • und gar enteignen
  • direkt über die gezahlten Steuern finanzieren.
  • oder indirekt:
    • über Subventionen
    • Steuererlass 
    • bzw. Fördermittel
  • Wir können aber auch eine zusätzliche Zwangskasse eröffnen nach GEZ-Vorbild  
  • eine Stiftung gründen, die rein einem Zweck dient
  • kommunale Genossenschaften gründen, wie z.B. bei lokaler Wasser- oder Energieversorgung
  • oder etwas einfach dem Freien Markt überlassen 
    • ... und darauf hoffen, dass sich Social Business / Social Enterprise Unternehmen gründen.
  • Wir können aber auch gleich eine Bank gründen und die Geldschöpfung im Sinne einer Förderung nutzen.

Mit Sicherheit gibt es für jedes zu finanzierende Ziel die richtige Art und Weise dieses umzusetzen. 

Natürlich werde ich dem Sozialismus nicht gerecht, wenn ich diesen nur auf das "Funding" von Gemeingütern reduziere. Aber überhaupt Gemeingüter, gemeinsame Finanzierung und Realisierung von Zielen durch die Bürger als Souverän in das Feld zu ziehen, erlaubt einen frischen Blickwinkel auf den "demokratischen Sozialismus". Dabei sollte auch bedacht werden, dass die Vergemeinschaftung von Banken und wirtschaftliche Fördermittel im Übermass für überfütterte Kanäle - also die jetzige Situation - sehr wohl sozialistische Züge aufweist, die in sich zu korrigieren sind!



Piratische Ideologiefreiheit

Ich bin immernoch der Meinung, dass die Piraten frei von "Ideologie" bleiben sollten. Das widerspricht nicht dem, dass die Piraten erst ihre "Idee" entwickeln, die aus der Kulturrevolution der Computerwelt geboren wurde und an deren Anfang wir erst stehen. Entwickelt sich aber aus dieser "Idee" eine "Ideologie", dann sage ich Stillstand, Kampf und Rückentwicklung voraus. Wie bei jeder bisherigen Ideologie, die nicht mehr im Geiste der Idee lebt, sondern blind und ohne Reflektion oder gar Weiterentwicklung dem Worte wie einem Führer folgt, wird der Boden für Massenmord und Vernichtung gesäht. 

Dennoch gefällt es mir, dass die Piraten mit einem Blick von Aussen als "sozialliberal" eingeschätzt werden, denn dies schenkt uns die Möglichkeit "Links", "Sozialdemokratie" und "Liberalismus" neu zu definieren und eingestaubtes Wählerpotential neu zu beleben. Und wir schenken den Bürgern die Möglichkeit, das aktuell noch unfassbare zumindest zu greifen - während wir uns die Gelegenheit geben zu reifen.

Neoliberalismus und Sozialismus haben als Ideologie und in ihrem Extrem zu Massenmord und Wirtschaftskrieg geführt. Als Begriffe kann man behaupten, dass diese "besetzt" und eigentlich unbrauchbar geworden sind. Aus meiner Sicht betrifft dies auch den Liberalismus, der zusätzlich als Sozialliberalismus von der FDP an die Wirtschaft verkauft und verraten wurde. Es würde unglaubliche Energie kosten sich von der Belastung der Begriffe zu befreien. Freiheitlich-demokratisch-souverän wäre mein vorläufiger Ersatz für Liberalismus. Auch die Sozialdemokratie ist ausgelutscht und verraten - für mich persönlich würde da eher der Begriff des Humanismus passen - also freiheitlich-humanistisch... wenn wir schon unbedingt auf alte und somit verständliche (aber ebenso bereits verwursteter) Begriffe zurück greifen und uns keiner völlig neuen Wortschöpfung hingeben wollen :-)

Wir könnten natürlich auch völlig verwirren und dennoch treu bleiben, als die Freiheitlichen Hedonisten ;-) 


Wichtigste Merkmale des Humanismus sind:
  • Der Mensch ist dem Menschen gleich, d.h. dass alle Menschen den gleichen Wert haben.
  • Individuum und Gesellschaft sind im Werte gleich, also weder die einzelne Person auf der einen Seite, noch die Gesellschaft auf der anderen Seite, sind mehr wert, als das jeweils andere.
  • Jedes Handeln soll sich am Glück und Wohlergehen des Individuums und der Gesellschaft orientieren und dazu beitragen.
  • Der Mensch und seine Persönlichkeit müssen respektiert werden und er muss die Möglichkeit haben sich weiterzubilden und seine Persönlichkeit zu entfalten.
  • Die Gesellschaft soll dazu beitragen, dass der Mensch seine Freiheit ausleben und seine Persönlichkeit entfalten kann.

Da ich einerseits keine Ahnung habe - aber andererseits hier versuche Links / Sozial & Liberal eine neue Sichtweise zu verpassen - freue ich mich über Feedback in Form von Komentaren oder Mail: 
Nils(at)Freie-Mediale.org


Links:

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Was ist die Piratenpartei?


Gerd Altmann  / pixelio.de
Die Piratenpartei ist der politische Ausdruck einer Kulturrevolution, die durch den Computer und Neue Medien ausgelöst wurde. Wir befinden uns erst am Anfang dieser Kulturrevolution. Die ersten Wirkungen und Umwälzungen sind allerdings bereits in sämtlichen Lebensbereichen deutlich zu spüren.


Die technologischen und multimedialen Entwicklungen unserer Epoche führen zu zwingenden Änderungen im kulturellem, gesellschaftlichem, wirtschaftlichem und politischem Gefüge. Die Ideologie - oder viel besser: die Idee der Piratenpartei basiert auf den Chancen und dem Umgang mit den Risiken dieser Kulturrevolution.

Die Piratenpartei hat diese Kulturrevolution nicht nur als erste Partei in ihrer gesamt-gesellschafts-politischen Dimension aufgegriffen - die Piratenpartei wurde aus dieser (R)Evolution heraus geboren. Daher ist die Piratenpartei die authentische Lösung, das Potential des aktuellen Zeitalters voll auszukosten - und den Risiken des Neuen zu begegnen. Damit ist nicht nur das gemeint, was auf uns zukommt. Denn wir befinden uns mittendrin!

Die Piratenpartei selbst kann keine "Ideologie" im üblichen Sinn haben, denn ihr liegen vorgefertigte Lösungen und Herangehensweisen nicht. Der Piratenpartei geht es vielmehr um den Lösungsweg, der mit der "Crowd" der Parteimitglieder (oder gar aller Menschen) für jede Situation und jedes Problem neu gefunden werden muss. 

Es sind nur wenige einzelne industrielle Revolutionen der Computer-Technologie, die unser gesamtes Leben in nahezu allen Lebensbereichen verändert haben. Der Film "Triumph of the Nerds" zeigt dies sehr eindrücklich, wobei es sich lohnt, das englische Original z.B. im Internet zu suchen


Die Computer - (R)Evolutionen

  1. Die Hardware:
    Altair 8800

    Die meisten werden den schrank-füllenden "Z1" von Konrad Zuse kennen.
    Erst mit dem Altair 8800 konnte sich die Allgemeinheit einen der ersten "Homecomputer" leisten. Die Nullen und Einsen (Strom / Nichtstrom) mussten mit Kippschaltern "eingegeben" werden. Nach dem Ausschalten des "Altair 8800" war das in sogenannter Maschinensprache "eingeklickte" Programm gelöscht.

  2. Programmiersprache:
    Maschinensprache
    , übersetzt in handhabbare Programmiersprache, um mit der Hardware zu kommunizieren (z.B. Basic, ...). Erst die Programmiersprachen ermöglichen eine Mensch-Maschine-Kommunikation in für uns verständlichen Befehlen - anstelle  eher schwer verständlicher Zahlenkombinationen.

  3. Betriebssystem:
    sozusagen ein erstes Set von Programmen zu einem "Betriebssystem" gebündelt, um bereits vorgefertigte Funktionen einfacher und direkter nutzen zu können (z.B. QDOS / MS DOS, ...)

  4. Benutzeroberfläche:
    Erst mit ursprünglich von XEROX entwickelten und Apple sowie Microsoft adaptierten graphischen "Benutzeroberflächen" wurden Computer für die breite Masse der Menschen und den Markt intuitiv bedienbar und somit zugänglich. (zB. OS, Windows, Linux)

  5. Netzwerk-Architektur:
    Vernetzung der einzelnen Rechner - Intranet bzw. Internet

Erst diese Entwicklungen ermöglichten den Siegesfeldzug des "Personal Computers", der aus unserem Leben praktisch nicht mehr wegzudenken ist und fast jeden Wohn- & Lebensraum erobert hat. In diesen einfachen Schritten liegen verschiedene weitere Revolutionen verborgen, die unser Leben grundlegend verändern.
 


"Wir sind keine Zuschauer oder Empfänger oder Endverbraucher oder Konsumenten.
Wir sind Menschen - und unser Einfluß entzieht sich eurem Zugriff.
Kommt damit klar."

Montag, 10. September 2012

Die Piratenpartei hat nicht eine Lösung - die Piratenpartei hat einen Lösungsweg!!

Das ist eigentlich ein himmelweiter Unterschied und erkllärt auch, warum sich ein Lösungsweg keiner Ideologie unterwerfen kann - sondern rein technisch bleiben muss.

Der Lösungsweg der Piratenpartei ist die Grundannahme, dass wir Menschen zu den richtigen Lösungen kommen können, wenn wir uns über Probleme und Alternativen kommunikativ, offen, transparent und vor allem basisdemokratisch austauschen, forschen - und wissenschaftlich aussortieren.
Dabei sind auch Fehler erlaubt, wenn diese eingestanden und korrigiert werden. 

Die Neuen Medien erlauben uns dabei zum ersten mal in der Geschichte, uns nicht nur in einem Land kommunikativ zu einigen und zur Lösungsfindung das Potential eines ganzen Landes zu nutzen - sondern theoretisch sogar zu globalen demokratischen Ergebnissen zu kommen.

Natürlich kommt eine Demokratie nur dann zu den besten Lösungen für jedes Problem,
wenn einerseits das volle Potential aller Fachleute und Inspirationen genutzt wird - und andererseits diese in einer Weise kommuniziert werden können, die jeder versteht und somit auch jeder wählen kann. 

Ansonsten kann es passieren, dass die beste Lösung von der besten Präsentation unterdrückt und verdrängt wird - und so lange vergessen bleibt, bis die Zusammenhänge allgemeinverständlich im Alltagsbewusstsein der Menschen angelangt sind.


Die Piratenpartei bringt uns Menschen somit das Selbstbewusstsein und Vertrauen zurück, dass wir wirkliche politische Lösungen für unsere lokalen und globalen Lösungen finden und umsetzen können. 

Somit könnten wir auf halbe und Scheinlösungen verzichten, von denen bislang meist nur wenige Menschen profitieren. Wir könnten uns davon verabschieden den anwachsenden Problemberg nur zu verwalten und aufzuschieben, wenn aus den vielen Alternativen die wirklich guten Lösungen herauskristallisiert und realisiert werden.

Die Piratenpartei traut somit dem mündigen Bürger in aller Konsequenz, sich organisieren und verwalten zu können. Dies geht allerdings nur, wenn dank "Freier Presse" und Aufklärung ein Bewusstsein für die möglichen Lösungswege und Alternativen besteht. 

Dafür hat die Piratenpartei eine ganze Reihe an technischen Werzeugen für multimediale Kommunikation und stellt einige sogar zur freien Verfügung, zB. Wiki, Forum, Twitter, Liquid Feedback, ...

Was bislang allerdings fehlt, das sind Werkzeuge für die Kommunikation selbst, für gewaltfreie Kommunikation, Lösungs- & Konsensfindung.


Bildmaterial: Benjamin Thorn  & Gerd Altmann / pixelio.de
 

Donnerstag, 6. September 2012

Endlich die passenden Schubladen für Piraten

Es ist verständlich, dass die Piratenpartei greifbarer wäre, wenn sich diese EINER Ideologie UNTERORDNEN würde - und mit "greifbar" sind sicherlich auch lang erwünschte Angriffsflächen gemeint. 

Die Piratenpartei ist dem Bürger verpflichtet und durch die Forderungen nach mehr Bürgerbeteiligung auch näher als die meisten Parteien. Dieser Bürgerwille ist ohne Zweifel NICHT asozial ausgerichtet - und angesichts der aktuellen Bedrohungen der Demokratie ein Diener der Freiheit und freiheitlicher Ideale. 


Genauso wird der Rechtsstaat anerkannt, denn dieser sollte im richtigen Maß das richtige regulieren - nicht überregulieren, nicht das Falsche regulieren und nicht das Richtige zu halbherzig regulieren. Da dies aktuell dermaßen aus dem Ruder gelaufen ist, liegen aktuell liberale Prinzipien nahe ... kommt aber ein Punkt auf die Tagesordnung, wo die staatliche Regulierung mangelt, kann genausogut mehr Staat (oder zumindest ein gezielterer sinnvollerer Staat) verlangt werden. Dies ist nur dann ein Wiederspruch, wenn man sich einer Ideologie geradezu blind unterwirft. In Wirklichkeit sind dies Gegensatzpaare, wo je nach Situation auf der einen oder anderen Seite nachjustiert - oder eben losgelassen - werden muss.


So auch bei der Transparenz, was die Piraten selbst erst lernen. Natürlich ist das Komplementär zur Transparenz der Schutz der Intimsphäre bzw. privater Daten. Und natürlich muss hier ein Gleichgewicht gefunden werden. Die beiden Seiten widersprechen sich nicht, sie sind nur die beiden Enden ein und der selben Wurst. Aber die Forderungen nach einem transparenten Staat - anstelle eines transparenten Bürgers sind neu und völlig frisch auf der realistischen Politbühne. Es sind nicht nur die Piraten, die mit den neuen Begebenheiten, Möglichkeiten und Risiken des Internets umgehen lernen. Die gesamte Gesellschaft steht hier vor neuen Herausforderungen. Die Piraten sind nur die Einzigen, die dies thematisieren und ihre Analysen sowie Vorschläge offen zur Verfügung stellen.


Wir befinden uns in einem Land und gewisse nationale Belange sind sehr wohl schützenswert - so sehr man sich auch gegen nationalistische Wucherungen zu recht zur Wehr setzt. Tatsächlich macht es keinen Sinn nur die Schulden und Risiken der Banken sozialistisch zu vergemeinschaften - entweder die Banken und Anleger tragen ihr Risiko selbst und selektieren sich nach neoliberaler Art des Hauses, oder auch die Vorteile der Geldschöpfung sind ebenso zu vergemeinschaften. Bis zum jeweiligen Parteitag, wo die Basis aus allen vorliegenden Ideen / Ideologien die bestmögliche Lösung herauskristallisiert, wird sich die Piratenpartei  nicht festlegen lassen. Warum auch? Angesichts der aktuellen Krisen wird keine halb durchdachte Lösung helfen. Es lohnt sich trotz Zeitdruck genau hinzusehen und an wirklichen Lösungen - und keinen weiteren (!) Scheinlösungen - zu arbeiten.

Der Markt reguliert sich absolut nicht selbst, das neoliberale Märchen ist am Ende. Dem Markt sind genau da Grenzen zu setzen, wo sich dieser dank Profitgier über soziale Notwendigkeiten stellt und letztlich grenzverletzend gegen den Menschen "handelt". Auch die Privatisierung von Gemeingütern wie Verkehr, Bahn, Öffentlicher Nahverkehr, Telekommunikation, Medien, Post, Wasser, Energie und teilweise auch Banken, hat sich nicht grundsätzlich als sonderlich positiv erwiesen. Die Piratenpartei wird hier jeden einzelnen Fall überdenken und das Potential der Fachleute aus den eigenen Reihen ausschöpfen. Denn die Piratenpartei besteht aus den verschiedensten Alters- & Berufsgruppen und lädt dank partizipativer Grundprinzipien jeden Menschen zur gemeinsamen Lösungsfindung ein! Vor allem die Bürger werden einbezogen werden, wenn es um die Fragen geht, was sich diese gemeinsam leisten wollen - welche Kosten und Vorzüge sich diese teilen wollen und vor allem, wie dies zu organisieren ist.

Dabei ist völlig offen, ob diese Gemeingüter wieder zurück in die staatliche Kontrolle, sozialistisch angehaucht vergemeinschaftet gehören --- ob von Bürgern verwaltete Genossenschaften z.B. die Wasserversorgung übernehmen oder auch Stiftungen denkbar sind --- ob die Geldschöpfung in die Hand des Staates gehört oder gar als Staatsgewalt (im Rahmen der Gewaltenteilung) als sog. "Monetative" am besten aufgehoben ist. Das Einzige was jedem klar sein dürfte ist, dass es so wie bislang nicht weiter gehen kann. 


Die Ideologie, die am Ende jeweils heraus kommt, ist völlig zweitrangig. Wichtig ist, dass für den einzelnen Fall die bestmögliche Lösung gefunden wird. Dafür müssen alle Lösungen und Alternativen transparent auf den Tisch. Diese gehören wissenschaftlich analysiert und auseinandergenommen. Die Ergebnisse müssen dem Bürger zur Verfügung gestellt und Entscheidungen nachvollziehbar werden! Und wir dürfen uns als Bürger (und den Piraten als Bürgerpartei) dabei Fehler erlauben, denn wir können diese jederzeit ebenso basisdemokratisch wieder korrigieren. Auch die bisherige Politik hat sich Fehler erlaubt und muss sich Korruption oder zumindest Bereicherung einiger Weniger vorwerfen lassen. Die Bürger haben keine Notbremse, wenn wir allesamt an die Wand gefahren werden und genau da müssen wir gemeinsam einschreiten.


Sicher können Inhalte der Piratenpartei einzelnen Ideologien zugeordnet werden. So lange allerdings keine Ideologie die Motivation für die Lösungsfindung ist - bleibt der Motor und Antrieb piratischer Politik IDEOLOGIEFREI!!

 
[Sollten einzelne meiner Aussagen irgendwie ideologisch gefärbt sein, weise ich ausdrücklich darauf hin, dass ich hiermit keine offizielle Meinung der Piratenpartei zitiere - sondern die Fadenscheinige Frage nach zugrundeliegender Ideologie demaskieren und alle sinnvollen Möglichkeiten offen haten möchte!]


Mehr zum Thema :

 


http://ins-pirat.blogspot.de/2012/09/freiheit-von-piratischer-ideologie.html
http://ins-pirat.blogspot.de/2012/09/kultur-statt-ideologie.html
http://ins-pirat.blogspot.de/2012/09/die-kulturepoche-der-piratenpartei.html

Bilder: Gerd Altmann / pixelio.de 

Sonntag, 2. September 2012

Freiheit von piratischer Ideologie

Gerd Altmann  / pixelio.de
Haben die Piraten wirklich keine Ideologie - oder kennen die Piraten ihre eigene Ideologie selbst noch nicht, da eine "politische Ideologie" der Summe der Ziele imanent zugrunde liegt - und auch die Ziele der Piraten erst entwickelt werden?




Oder revolutionieren die Piraten den Begriff der "Ideologie" an und für sich?

Über den historisch gewachsenen Ideologiebegriff formen sich ganze Gesellschaftsteile, Subkulturen und soziologische Identitäten. Mit ihrer Identitätsstiftung konnte sich die Gesellschaft in ihre heutigen Bestandteile ausdifferenzieren. Neu aufkommende Wertesystemen bildeten neue gesellschaftliche Gruppierungen, über die sich bislang Ideologien konstruierten. 

In einer so schnellebigen Zeit, wie der unseren, überleben sich Ideologien ebenso schnell und werden regelrecht als "universaler Maßstab und Metatheorie" ungültig. Im Extrem führten Ideologien zu Kriegen, totalitären Systemen und Massenvernichtung, Mord und Totschlag.

Wie würde Marx, der "Ideologie" an und für sich kritisierte, reagieren, wenn er bemerken würde, dass seine "Rahmenbedingungen" zu einer Ideologie verwurstet wurden? Mit der Mauer fiel der Sozialismus in sich zusammen und selbst der Kapitalismus, der sich in der einen oder anderen Form in nahezu allen Ideologien wiederfindet, ist mehr als nur am bröckeln.

Vielleicht sollte die "Ideologie" selbst - gemeinsam mit ihren "Sub- & Parallel-Ideologien", die sich ad absurdum geführt haben - das zeitliche segnen? Angesichts dem (katastrophalen) Versagen bisheriger "Ideologien" erscheint es nur legitim, jegliche "Ideologie" als unzeitgemäß abzulehnen.

Betrachten wir das aktuelle Geschehen, dann könnte man bemerken, dass bisherige Ideologien auch nicht mehr eindeutig zugeordnet werden können. Die LINKE fordert gegenüber den Banken einen neoliberalen Kurs und stellt sich gegen die sozialistische Vergmeinschaftung - wohlbemerkt der Bankschulden. Die Grünen setzen sich für nationale Umweltstandards ein, da diese Vorreiterrolle Deutschlands gegenüber anderen Ländern auch für diese hilfreich ist - und nicht einfach so aufgegeben werden sollte. Nationalismus ist wohl nicht der "-Ismus" für nationale Entscheidungen und Handlungsweisen - und dennoch ist die Grenze des Chauvinismus fliessend (und findet sich versteckt sicherlich in praktisch jeder Ideologie wieder). Und die Merkel-CDU ist wahrscheinlich das beste Beispiel dafür, dass Ideologien auch in den Reihen etablierter Parteien ihren Sinn und Zweck verloren haben, denn diese kann man ja nach Tageslage wechseln wie Unterwäsche, die nach dem Wind weht und jeden Tag etwas anderes erzählt. 


Elke Salzer  / pixelio.de
Vielleicht sind die bisherigen politischen Ideologien, die sich wechselseitig bekämpfen und ausschließen, eher als Werkzeuge zu begreifen und jeweils für die eine oder andere Situation angemessen. Es ist mehr als vorstellbar, dass sich mit der Zeit und unter gegebenen Umständen das "Angemessene" ändert. Es sollte immer wieder überprüft werden, ob eine Handlungsweise als Maxime überhaupt noch Gültigkeit hat.

Ohne Verpflichtung, Anhaftung oder ideologische Maxime sollte für jedes Problem und auch jede zeitlich neue Situation mit einem frischen Blick nach der jeweils besten Lösung gesucht werden. Der Maßstab hierfür sollte eine wissenschaftlich aufgeklärte Herangehensweise an die Lösungen und Alternativen sein. Politik besteht - auch aufgrund der vielfältigen Ideologien - geradezu aus Alternativen. Eigentlich ist das Problem ja gerade, dass wir zu viele Lösungen haben - als denn zu wenige oder gar DIE EINE Lösung. Eine "alternativlose Politik" ist absolut unvorstellbar und eine hinterfo***ige Lüge. Wäre Politik wirklich alternativlos, dann bräuchten wir keine Politik und könnten die eine anstehende Entscheidung auch basisdemokratisch auseinandernehmen.

Genau das ist die Herangehensweise der Piratenpartei und deshalb wird es bei dieser  keine "Ideologie" als solche geben. Die bisherigen Ideologien werden eher als Werkzeuge betrachtet, die sicherlich in der einen oder anderen Situation angemessen sind. Durch dieses permanente sich-selbst-infrage-stellen entsteht vielleicht so etwas, wie eine sich imanent erneuernde "Ideologie", die deshalb nicht greifbar festzunageln ist - und auch den Rahmen bisheriger Ideologien völlig sprengt. 

Soweit wir in der Begrifflichkeit von Ideologien bleiben, handelt es sich somit um eine inklusive Ideologie, die andere Ideologien nicht ausschließt (wie es die bisherigen exklusiven Ideologien allesamt praktizierten) - sondern sich stets und frei bei vorhandenen oder auch neuen Ideologien (oder einfach Ideen, auf denen Ideologien per Definition beruhen) bedienen kann - soweit diese angemessen sind einem Problem zu begegnen.

Im Prinzip werden die kommunikativen und einigenden Werkzeuge, stets die richtige Sichtweise neu zu entwickeln, zu dem erhoben, was bislang Ideologie genannt wurde.

Wenn die piratische Rangehensweise eine imanent permanent erneuernde "Ideologie" ist, dann erklärt dies, warum die Piraten so schwer bis unmöglich zu greifen sind. Dies sollte auch nicht "Ideologie" genannt werden - sondern hat einen neuen Begriff verdient.



http://ins-pirat.blogspot.de/2012/09/freiheit-von-piratischer-ideologie.html
http://ins-pirat.blogspot.de/2012/09/kultur-statt-ideologie.html
http://ins-pirat.blogspot.de/2012/09/die-kulturepoche-der-piratenpartei.html


Kultur statt Ideologie

Eine neue Kultur
- anstelle einer neuen Ideologie?

 
Gerd Altmann / pixelio.de
"Die Gesellschaft hat Angst vom neuen Medium beherrscht zu werden, statt es als Instrument beherrscht einzusetzen." 

Roger de Weck in einem Gespräch mit Dirk Baecker bei "Sternstunde Philosophie" im Schweizer Fernsehen

  
Gehen wir davon aus, dass unser aktuelles "Computerzeitalter" eine mindest genauso große Evolution ist, wie die dominierenden Kulturtechniken der vergangenen vier Millionen Jahre - Sprache (Tribale Gesellschaft / Stammesgesellschaft), Schrift (Antike Gesellschaft) und Buchdruck (moderne Gesellschaft) - dann befinden wir uns in einer neuen Kultur-Epoche. 

Diese Sichtweise von vier großen Kultur-Epochen geht davon aus, dass jedes dieser Zeitalter ein dominierendes Kommunikations- und Verbreitungsmedium innehatte, welches jeweils das vorherige Zeitalter "überforderte". Jedes dieser neuen Medien stellt zunächst ein Problem für die vormalige Gesellschaft dar, weshalb die Gesellschaft zunächst ablehnend reagiert. Diese These des "Kulturpessimismus" wird von den Soziologen dem "Ökonomismus" gegenübergestellt, der sich über jedes neue Medium aufgrund von Rationalisierung und Profitmaximierung freut. 

Nur, wenn ein gesellschaftlicher, kommunikativer Umgang mit der großen Reichweite dieser Medien gefunden wird, findet eine wirkliche Adaption und Integration der damit verbundenen Möglichkeiten statt.

"Platon schaut nach Ägypten und befürchtet die Bürokratisierung der griechischen Polis und das Erkalten der menschlichen Kommunikation, wenn man beginnt, sich auf die Schrift und damit eine mechanische Gedächtnisstütze zu verlassen. Das Gegenteil war der Fall. Die Griechen erfanden in der Auseinandersetzung mit der Schrift die Philosophie, und die frühe Neuzeit erfand in der Auseinandersetzung mit dem Buchdruck die Welt der Gefühle."

Selbst Kant befürchte negative Auswirkungen des Buchdrucks, denn viele Leser würden das Gelesene unreflektiert herausposaunen. Kant frage sich in seinem Aufsatz "Was ist eigentlich Aufklärung", ob es sinnvoll sei, dass nur Gelehrte lesen dürften und Meinung nur geäussert werden dürfe, wenn ein zweiter Gelehrter zum Kritisieren anwesend sei. 

Als eine Folge von Schrift, dem Buchdruck, der folgenden Bücherflut und noch mehr unfundierten Meinungsäusserungen entwickelte sich die Kulturtechnik der Kritik. Im darauf folgenden Zeitalter des Computers übersteigert sich die Kritik - obwohl diese der Informationsflut nicht mehr, wie im Buchdruck, alleine gerecht werden kann. Während Kritik als Kulturtechnik das Duellieren ablöste drohen wir im aktuellen Zeitalter in sogenannten "Shitstorms" zu ertrinken.

Die Neuen Medien konfrontieren uns mit unglaublich vielen Einzelpunkten, die uns vor allem in ihrer Fülle geradezu überfordern. Wir erahnen erst, dass die globalen und lokalen Probleme der Menschheit mit Hilfe des Internets leichter gelöst werden könnten - und gleichzeitig beginnen wir die bislang unermesslichen Risiken zu erfassen, denen wir durch das Internet ausgesetzt sind. 






Unabhängig davon, ob die Neuen Medien eine Kulturrevolution einläuten oder nicht - die Piratenpartei ist die einzige Partei, die sich dem Potential sowie den Gefahren authentisch stellt. Alle anderen Parteien haben den Zug lange verschlafen und sind sozusagen am Nachrüsten. Natürlich sind auch in den anderen Parteien Personen, die sich im Internet heimisch fühlen - aber parteipolitisch entsteht meist ein dilettantischer Eindruck.

Wir wissen mittlerweile alle, dass die atomare Ebene absolut vernetzt ist und ein Elektron mit der Aufenthaltswahrscheinlichkeit eines Fussballfeldes praktisch alle andere Elektronen beeinflussen kann. Das atomare Bild absoluter Vernetzung im Mikrokosmos kommt nun dank der Computernetzwerke auf unseren Schreibtisch und wir bemerken potentiell auch mit jedem Menschen verbunden zu sein. Zu Ende gedacht liegt hier zumindest das Potential aller Menschen sich zu begegnen, zu verständigen oder gar verstehen, sich zu einigen und eine globale Gemeinschaft zu bilden, die in Frieden den Planeten und seine Ressourcen teilt. Gleichzeitig liegt bereits in den 140 Zeichen, die einem bei Twitter pro Nachricht zur Verfügung stehen, das Potential, dass sich Menschen missverstehen und geradezu kriegerisch entzweihen.

"Gewiß, zwei Völker und zwei Sprachen werden einander nie sich so verständlich und so intim mitteilen können wie zwei einzelne, die derselben Nation und Sprache angehören. Aber das ist kein Grund, auf Verständigung und Mitteilung zu verzichten. Auch zwischen Volks- und Sprachgenossen stehen Schranken, die eine volle Mitteilung und ein volles gegenseitiges Vertrauen verhindern, Schranken der Bildung, der Erziehung, der Begabung, der Individualität. Man kann behaupten, jeder Mensch auf Erden könne grundsätzlich mit jedem andern sich aussprechen, und man kann behaupten, es gebe überhaupt keine zwei Menschen in der Welt, zwischen denen eine echte, lückenlose, intime Mitteilung und Verständigung möglich sei - eins ist so wahr wie das andre."

- Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel


Bild: Gerd Altmann / pixelio.de


http://ins-pirat.blogspot.de/2012/09/freiheit-von-piratischer-ideologie.html
http://ins-pirat.blogspot.de/2012/09/kultur-statt-ideologie.html
http://ins-pirat.blogspot.de/2012/09/die-kulturepoche-der-piratenpartei.html

Die Kulturepoche der Piratenpartei


Was bei Baecker eine neue Kultur-Epoche ist, wird bei Peter Kruse deutlicher als Revolution klarer. Wir befinden uns mitten in einer (R)Evolution, die unsere bisherigen Machtverhältnisse von Wirtschaft und Politik völlig auf den Kopf stellen wird.

Dass bisherige Ideologien, Weltanschauungen und Werte völlig über den Haufen geworfen werden, ist dabei nur ein kleiner und fast unbedeutender Teil - angesichts einer Verschiebung der gesamten Macht vom "Anbieter zum Empfänger", wie Kruse das nennt.

Diese (R)Evolution wäre nur aufzuhalten, wenn das Internet aufgehalten, ausgeschaltet oder zerstört werden würde. Eine wirkliche Kontrolle wird nahezu unmöglich sein, so lange es freie Netze gibt und diese sich etablieren.

Wirtschaftsunternehmen, die es nicht schaffen, den Blickwinkel in die Netzwerke selbst hinein zu verlagern - werden nicht mitbekommen, was im Netz und um sie herum geschieht. Wer sich nicht anpasst, der wird aussortiert - wie Schlecker (man bemerke, dass Kruse bereits 2010 auf Schlecker hinweist!).

Genauso wird es Parteien ergehen, die den bereits angefahrenen Zug endgültig verpassen. Diese werden sich praktisch wie von selbst aussortieren - denn ihre Macht wird in großen Teilen auf organisierte Bürgerbewegungen übertragen sein ... falls sich nicht Politik selbst, im bisherigen Verständnis - überflüssig macht und ad absurdum führt.

In dem folgenden Video beginnt Kruse mit einer Beschreibung der Werte von "heavy usern" des Internets durch alle Altersklassen (also inkl. der sog. "digital natives"). Der Konflikt und die von Baecker beschriebene Überforderung zeigt sich dort deutlich. Genauso, wie uns heute weder Sprache, Schrift noch Buchdruck sonderlich beeindruckt - oder gar überfordert - wird auch das Internet in absehbarer Zeit absolut adaptiert und gewöhnlich geworden sein. Ein Teil, praktisch eine Hälfte der Wertevorstellungen udn somit Weltanschauungen, die von Kruse vorgestellt werden, wird es in dieser Form nicht mehr geben! 


Vortrag von Peter Kruse auf der re:publica2010 über "Whats Next
- Wie die Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft revolutionieren".

>>> Weitere Videos


"Wir haben Schwarmphänomene, weil Menschen sich in sozialen Kontexten natürlich auch verhalten können wie meinetwegen Staaten bildende Insekten. Aber das ist nicht unbedingt die höchste Stufe, derer wir fähig sind. Wir können uns natürlich reduzieren auf regelgeleitetes Verhalten und wenn wir das tun, dann kommt vielleicht so etwas wie eine „LaOla- Welle“ dabei raus oder sonst ein einfaches gruppendynamisches Selbstorganisationsphänomen. Aber ich würde die Fähigkeit zur kollektiven Intelligenzleistung ungern auf eine „LaOla- Welle“ reduzieren."

Peter Kruse




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Bildmaterial: Gerd Altmann 
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Freitag, 31. August 2012

Politische Ideologie der Piraten

Gerd Altmann  / pixelio.de
Haben die Piraten wirklich keine Ideologie - oder kennen die Piraten ihre eigene Ideologie selbst noch nicht, da eine "politische Ideologie" der Summe der Ziele imanent zugrunde liegt - und auch die Ziele der Piraten erst entwickelt werden?




Oder revolutionieren die Piraten den Begriff der "Ideologie" an und für sich?

Über den historisch gewachsenen Ideologiebegriff formen sich ganze Gesellschaftsteile, Subkulturen und soziologische Identitäten. Mit ihrer Identitätsstiftung konnte sich die Gesellschaft in ihre heutigen Bestandteile ausdifferenzieren. Neu aufkommende Wertesystemen bildeten neue gesellschaftliche Gruppierungen, über die sich bislang Ideologien konstruierten. 

In einer so schnellebigen Zeit, wie der unseren, überleben sich Ideologien ebenso schnell und werden regelrecht als "universaler Maßstab und Metatheorie" ungültig. Im Extrem führten Ideologien zu Kriegen, totalitären Systemen und Massenvernichtung, Mord und Totschlag.

Wie würde Marx, der "Ideologie" an und für sich kritisierte, reagieren, wenn er bemerken würde, dass seine "Rahmenbedingungen" zu einer Ideologie verwurstet wurden? Mit der Mauer fiel der Sozialismus in sich zusammen und selbst der Kapitalismus, der sich in der einen oder anderen Form in nahezu allen Ideologien wiederfindet, ist mehr als nur am bröckeln.

Vielleicht sollte die "Ideologie" selbst - gemeinsam mit ihren "Sub- & Parallel-Ideologien", die sich ad absurdum geführt haben - das zeitliche segnen? Angesichts dem (katastrophalen) Versagen bisheriger "Ideologien" erscheint es nur legitim, jegliche "Ideologie" als unzeitgemäß abzulehnen.

Betrachten wir das aktuelle Geschehen, dann könnte man bemerken, dass bisherige Ideologien auch nicht mehr eindeutig zugeordnet werden können. Die LINKE fordert gegenüber den Banken einen neoliberalen Kurs und stellt sich gegen die sozialistische Vergmeinschaftung - wohlbemerkt der Bankschulden. Die Grünen setzen sich für nationale Umweltstandards ein, da diese Vorreiterrolle Deutschlands gegenüber anderen Ländern auch für diese hilfreich ist - und nicht einfach so aufgegeben werden sollte. Nationalismus ist wohl nicht der "-Ismus" für nationale Entscheidungen und Handlungsweisen - und dennoch ist die Grenze des Chauvinismus fliessend (und findet sich versteckt sicherlich in praktisch jeder Ideologie wieder). Und die Merkel-CDU ist wahrscheinlich das beste Beispiel dafür, dass Ideologien auch in den Reihen etablierter Parteien ihren Sinn und Zweck verloren haben, denn diese kann man ja nach Tageslage wechseln wie Unterwäsche, die nach dem Wind weht und jeden Tag etwas anderes erzählt. 


Es ist verständlich, dass die Piratenpartei greifbarer wäre, wenn sich diese EINER Ideologie UNTERORDNEN würde - und mit "greifbar" sind sicherlich auch lang erwünschte Angriffsflächen gemeint. 

Die Piratenpartei ist dem Bürger verpflichtet und durch die Forderungen nach mehr Bürgerbeteiligung auch näher als die meisten Parteien. Dieser Bürgerwille ist ohne Zweifel NICHT asozial ausgerichtet - und angesichts der aktuellen Bedrohungen der Demokratie ein Diener der Freiheit und freiheitlicher Ideale. 

Genauso wird der Rechtsstaat anerkannt, denn dieser sollte im richtigen Maß das richtige regulieren - nicht überregulieren, nicht das Falsche regulieren und nicht das Richtige zu halbherzig regulieren. Da dies aktuell dermaßen aus dem Ruder gelaufen ist, liegen aktuell liberale Prinzipien nahe ... kommt aber ein Punkt auf die Tagesordnung, wo die staatliche Regulierung mangelt, kann genausogut mehr Staat (oder zumindest ein gezielterer sinnvollerer Staat) verlangt werden. Dies ist nur dann ein Wiederspruch, wenn man sich einer Ideologie geradezu blind unterwirft. In Wirklichkeit sind dies Gegensatzpaare, wo je nach Situation auf der einen oder anderen Seite nachjustiert - oder eben losgelassen - werden muss.

So auch bei der Transparenz, was die Piraten selbst erst lernen. Natürlich ist das Komplementär zur Transparenz der Schutz der Intimsphäre bzw. privater Daten. Und natürlich muss hier ein Gleichgewicht gefunden werden. Die beiden Seiten widersprechen sich nicht, sie sind nur die beiden Enden ein und der selben Wurst. Aber die Forderungen nach einem transparenten Staat - anstelle eines transparenten Bürgers sind neu und völlig frisch auf der realistischen Politbühne. Es sind nicht nur die Piraten, die mit den neuen Begebenheiten, Möglichkeiten und Risiken des Internets umgehen lernen. Die gesamte Gesellschaft steht hier vor neuen Herausforderungen. Die Piraten sind nur die Einzigen, die dies thematisieren und ihre Analysen sowie Vorschläge offen zur Verfügung stellen.

Wir befinden uns in einem Land und gewisse nationale Belange sind sehr wohl schützenswert - so sehr man sich auch gegen nationalistische Wucherungen zu recht zur Wehr setzt. Tatsächlich macht es keinen Sinn nur die Schulden und Risiken der Banken sozialistisch zu vergemeinschaften - entweder die Banken und Anleger tragen ihr Risiko selbst und selektieren sich nach neoliberaler Art des Hauses, oder auch die Vorteile der Geldschöpfung sind ebenso zu vergemeinschaften. Bis zum jeweiligen Parteitag, wo die Basis aus allen vorliegenden Ideen / Ideologien die bestmögliche Lösung herauskristallisiert, wird sich die Piratenpartei  nicht festlegen lassen. Warum auch? Angesichts der aktuellen Krisen wird keine halb durchdachte Lösung helfen. Es lohnt sich trotz Zeitdruck genau hinzusehen und an wirklichen Lösungen - und keinen weiteren (!) Scheinlösungen - zu arbeiten.

Der Markt reguliert sich absolut nicht selbst, das neoliberale Märchen ist am Ende. Dem Markt sind genau da Grenzen zu setzen, wo sich dieser dank Profitgier über soziale Notwendigkeiten stellt und letztlich grenzverletzend gegen den Menschen "handelt". Auch die Privatisierung von Gemeingütern wie Verkehr, Bahn, Öffentlicher Nahverkehr, Telekommunikation, Medien, Post, Wasser, Energie und teilweise auch Banken, hat sich nicht grundsätzlich als sonderlich positiv erwiesen. Die Piratenpartei wird hier jeden einzelnen Fall überdenken und das Potential der Fachleute aus den eigenen Reihen ausschöpfen. Denn die Piratenpartei besteht aus den verschiedensten Alters- & Berufsgruppen und lädt dank partizipativer Grundprinzipien jeden Menschen zur gemeinsamen Lösungsfindung ein! Vor allem die Bürger werden einbezogen werden, wenn es um die Fragen geht, was sich diese gemeinsam leisten wollen - welche Kosten und Vorzüge sich diese teilen wollen und vor allem, wie dies zu organisieren ist.

Dabei ist völlig offen, ob diese Gemeingüter wieder zurück in die staatliche Kontrolle, sozialistisch angehaucht vergemeinschaftet gehören --- ob von Bürgern verwaltete Genossenschaften z.B. die Wasserversorgung übernehmen oder auch Stiftungen denkbar sind --- ob die Geldschöpfung in die Hand des Staates gehört oder gar als Staatsgewalt (im Rahmen der Gewaltenteilung) als sog. "Monetative" am besten aufgehoben ist. Das Einzige was jedem klar sein dürfte ist, dass es so wie bislang nicht weiter gehen kann. 

Die Ideologie, der jeweils gefolgt wird, ist völlig zweitrangig. Wichtig ist, dass für den einzelnen Fall die bestmögliche Lösung gefunden wird. Dafür müssen alle Lösungen und Alternativen transparent auf den Tisch. Diese gehören wissenschaftlich analysiert und auseinandergenommen. Die Ergebnisse müssen dem Bürger zur Verfügung gestellt und Entscheidungen nachvollziehbar werden! Und wir dürfen uns als Bürger (und den Piraten als Bürgerpartei) dabei Fehler erlauben, denn wir können diese jederzeit ebenso basisdemokratisch wieder korrigieren. Auch die bisherige Politik hat sich Fehler erlaubt und muss sich Korruption oder zumindest Bereicherung einiger Weniger vorwerfen lassen. Die Bürger haben keine Notbremse, wenn wir allesamt an die Wand gefahren werden und genau da müssen wir gemeinsam einschreiten.

[Sollten einzelne meiner Aussagen irgendwie ideologisch gefärbt sein, weise ich ausdrücklich darauf hin, dass ich hiermit keine offizielle Meinung der Piratenpartei zitiere - sondern die Fadenscheinige Frage nach zugrundeliegender Ideologie demaskieren und alle sinnvollen Möglichkeiten offen haten möchte!]


Elke Salzer  / pixelio.de
Vielleicht sind die bisherigen politischen Ideologien, die sich wechselseitig bekämpfen und ausschließen, eher als Werkzeuge zu begreifen und jeweils für die eine oder andere Situation angemessen. Es ist mehr als vorstellbar, dass sich mit der Zeit und unter gegebenen Umständen das "Angemessene" ändert. Es sollte immer wieder überprüft werden, ob eine Handlungsweise als Maxime überhaupt noch Gültigkeit hat.

Ohne Verpflichtung, Anhaftung oder ideologische Maxime sollte für jedes Problem und auch jede zeitlich neue Situation mit einem frischen Blick nach der jeweils besten Lösung gesucht werden. Der Maßstab hierfür sollte eine wissenschaftlich aufgeklärte Herangehensweise an die Lösungen und Alternativen sein. Politik besteht - auch aufgrund der vielfältigen Ideologien - geradezu aus Alternativen. Eigentlich ist das Problem ja gerade, dass wir zu viele Lösungen haben - als denn zu wenige oder gar DIE EINE Lösung. Eine "alternativlose Politik" ist absolut unvorstellbar und eine hinterfo***ige Lüge. Wäre Politik wirklich alternativlos, dann bräuchten wir keine Politik und könnten die eine anstehende Entscheidung auch basisdemokratisch auseinandernehmen.

Genau das ist die Herangehensweise der Piratenpartei und deshalb wird es bei dieser  keine "Ideologie" als solche geben. Die bisherigen Ideologien werden eher als Werkzeuge betrachtet, die sicherlich in der einen oder anderen Situation angemessen sind. Durch dieses permanente sich-selbst-infrage-stellen entsteht vielleicht so etwas, wie eine sich imanent erneuernde "Ideologie", die deshalb nicht greifbar festzunageln ist - und auch den Rahmen bisheriger Ideologien völlig sprengt. 

Soweit wir in der Begrifflichkeit von Ideologien bleiben, handelt es sich somit um eine inklusive Ideologie, die andere Ideologien nicht ausschließt (wie es die bisherigen exklusiven Ideologien allesamt praktizierten) - sondern sich stets und frei bei vorhandenen oder auch neuen Ideologien (oder einfach Ideen, auf denen Ideologien per Definition beruhen) bedienen kann - soweit diese angemessen sind einem Problem zu begegnen.

Im Prinzip werden die kommunikativen und einigenden Werkzeuge, stets die richtige Sichtweise neu zu entwickeln, zu dem erhoben, was bislang Ideologie genannt wurde.

Wenn die piratische Rangehensweise eine imanent permanent erneuernde "Ideologie" ist, dann erklärt dies, warum die Piraten so schwer bis unmöglich zu greifen sind. Dies sollte auch nicht "Ideologie" genannt werden - sondern hat einen neuen Begriff verdient.



Eine neue Kultur
- anstelle einer neuen Ideologie?

 
Gerd Altmann / pixelio.de
"Die Gesellschaft hat Angst vom neuen Medium beherrscht zu werden, statt es als Instrument beherrscht einzusetzen." 

Roger de Weck in einem Gespräch mit Dirk Baecker bei "Sternstunde Philosophie" im Schweizer Fernsehen

  
Gehen wir davon aus, dass unser aktuelles "Computerzeitalter" eine mindest genauso große Evolution ist, wie die dominierenden Kulturtechniken der vergangenen vier Millionen Jahre - Sprache (Tribale Gesellschaft / Stammesgesellschaft), Schrift (Antike Gesellschaft) und Buchdruck (moderne Gesellschaft) - dann befinden wir uns in einer neuen Kultur-Epoche. 

Diese Sichtweise von vier großen Kultur-Epochen geht davon aus, dass jedes dieser Zeitalter ein dominierendes Kommunikations- und Verbreitungsmedium innehatte, welches jeweils das vorherige Zeitalter "überforderte". Jedes dieser neuen Medien stellt zunächst ein Problem für die vormalige Gesellschaft dar, weshalb die Gesellschaft zunächst ablehnend reagiert. Diese These des "Kulturpessimismus" wird von den Soziologen dem "Ökonomismus" gegenübergestellt, der sich über jedes neue Medium aufgrund von Rationalisierung und Profitmaximierung freut. 

Nur, wenn ein gesellschaftlicher, kommunikativer Umgang mit der großen Reichweite dieser Medien gefunden wird, findet eine wirkliche Adaption und Integration der damit verbundenen Möglichkeiten statt.

"Platon schaut nach Ägypten und befürchtet die Bürokratisierung der griechischen Polis und das Erkalten der menschlichen Kommunikation, wenn man beginnt, sich auf die Schrift und damit eine mechanische Gedächtnisstütze zu verlassen. Das Gegenteil war der Fall. Die Griechen erfanden in der Auseinandersetzung mit der Schrift die Philosophie, und die frühe Neuzeit erfand in der Auseinandersetzung mit dem Buchdruck die Welt der Gefühle."

Selbst Kant befürchte negative Auswirkungen des Buchdrucks, denn viele Leser würden das Gelesene unreflektiert herausposaunen. Kant frage sich in seinem Aufsatz "Was ist eigentlich Aufklärung", ob es sinnvoll sei, dass nur Gelehrte lesen dürften und Meinung nur geäussert werden dürfe, wenn ein zweiter Gelehrter zum Kritisieren anwesend sei. 

Als eine Folge von Schrift, dem Buchdruck, der folgenden Bücherflut und noch mehr unfundierten Meinungsäusserungen entwickelte sich die Kulturtechnik der Kritik. Im darauf folgenden Zeitalter des Computers übersteigert sich die Kritik - obwohl diese der Informationsflut nicht mehr, wie im Buchdruck, alleine gerecht werden kann. Während Kritik als Kulturtechnik das Duellieren ablöste drohen wir im aktuellen Zeitalter in sogenannten "Shitstorms" zu ertrinken.

Die Neuen Medien konfrontieren uns mit unglaublich vielen Einzelpunkten, die uns vor allem in ihrer Fülle geradezu überfordern. Wir erahnen erst, dass die globalen und lokalen Probleme der Menschheit mit Hilfe des Internets leichter gelöst werden könnten - und gleichzeitig beginnen wir die bislang unermesslichen Risiken zu erfassen, denen wir durch das Internet ausgesetzt sind. 






Unabhängig davon, ob die Neuen Medien eine Kulturrevolution einläuten oder nicht - die Piratenpartei ist die einzige Partei, die sich dem Potential sowie den Gefahren authentisch stellt. Alle anderen Parteien haben den Zug lange verschlafen und sind sozusagen am Nachrüsten. Natürlich sind auch in den anderen Parteien Personen, die sich im Internet heimisch fühlen - aber parteipolitisch entsteht meist ein dilettantischer Eindruck.

Wir wissen mittlerweile alle, dass die atomare Ebene absolut vernetzt ist und ein Elektron mit der Aufenthaltswahrscheinlichkeit eines Fussballfeldes praktisch alle andere Elektronen beeinflussen kann. Das atomare Bild absoluter Vernetzung im Mikrokosmos kommt nun dank der Computernetzwerke auf unseren Schreibtisch und wir bemerken potentiell auch mit jedem Menschen verbunden zu sein. Zu Ende gedacht liegt hier zumindest das Potential aller Menschen sich zu begegnen, zu verständigen oder gar verstehen, sich zu einigen und eine globale Gemeinschaft zu bilden, die in Frieden den Planeten und seine Ressourcen teilt. Gleichzeitig liegt bereits in den 140 Zeichen, die einem bei Twitter pro Nachricht zur Verfügung stehen, das Potential, dass sich Menschen missverstehen und geradezu kriegerisch entzweihen.

"Gewiß, zwei Völker und zwei Sprachen werden einander nie sich so verständlich und so intim mitteilen können wie zwei einzelne, die derselben Nation und Sprache angehören. Aber das ist kein Grund, auf Verständigung und Mitteilung zu verzichten. Auch zwischen Volks- und Sprachgenossen stehen Schranken, die eine volle Mitteilung und ein volles gegenseitiges Vertrauen verhindern, Schranken der Bildung, der Erziehung, der Begabung, der Individualität. Man kann behaupten, jeder Mensch auf Erden könne grundsätzlich mit jedem andern sich aussprechen, und man kann behaupten, es gebe überhaupt keine zwei Menschen in der Welt, zwischen denen eine echte, lückenlose, intime Mitteilung und Verständigung möglich sei - eins ist so wahr wie das andre."

- Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel


Die Kulturepoche der Piratenpartei


Was bei Baecker eine neue Kultur-Epoche ist, wird bei Peter Kruse deutlicher als Revolution klarer. Wir befinden uns mitten in einer (R)Evolution, die unsere bisherigen Machtverhältnisse von Wirtschaft und Politik völlig auf den Kopf stellen wird.

Dass bisherige Ideologien, Weltanschauungen und Werte völlig über den Haufen geworfen werden, ist dabei nur ein kleiner und fast unbedeutender Teil - angesichts einer Verschiebung der gesamten Macht vom "Anbieter zum Empfänger", wie Kruse das nennt.

Diese (R)Evolution wäre nur aufzuhalten, wenn das Internet aufgehalten, ausgeschaltet oder zerstört werden würde. Eine wirkliche Kontrolle wird nahezu unmöglich sein, so lange es freie Netze gibt und diese sich etablieren.

Wirtschaftsunternehmen, die es nicht schaffen, den Blickwinkel in die Netzwerke selbst hinein zu verlagern - werden nicht mitbekommen, was im Netz und um sie herum geschieht. Wer sich nicht anpasst, der wird aussortiert - wie Schlecker (man bemerke, dass Kruse bereits 2010 auf Schlecker hinweist!).

Genauso wird es Parteien ergehen, die den bereits angefahrenen Zug endgültig verpassen. Diese werden sich praktisch wie von selbst aussortieren - denn ihre Macht wird in großen Teilen auf organisierte Bürgerbewegungen übertragen sein ... falls sich nicht Politik selbst, im bisherigen Verständnis - überflüssig macht und ad absurdum führt.

In dem folgenden Video beginnt Kruse mit einer Beschreibung der Werte von "heavy usern" des Internets durch alle Altersklassen (also inkl. der sog. "digital natives"). Der Konflikt und die von Baecker beschriebene Überforderung zeigt sich dort deutlich. Genauso, wie uns heute weder Sprache, Schrift noch Buchdruck sonderlich beeindruckt - oder gar überfordert - wird auch das Internet in absehbarer Zeit absolut adaptiert und gewöhnlich geworden sein. Ein Teil, praktisch eine Hälfte der Wertevorstellungen udn somit Weltanschauungen, die von Kruse vorgestellt werden, wird es in dieser Form nicht mehr geben! 


Vortrag von Peter Kruse auf der re:publica2010 über "Whats Next
- Wie die Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft revolutionieren".

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"Wir haben Schwarmphänomene, weil Menschen sich in sozialen Kontexten natürlich auch verhalten können wie meinetwegen Staaten bildende Insekten. Aber das ist nicht unbedingt die höchste Stufe, derer wir fähig sind. Wir können uns natürlich reduzieren auf regelgeleitetes Verhalten und wenn wir das tun, dann kommt vielleicht so etwas wie eine „LaOla- Welle“ dabei raus oder sonst ein einfaches gruppendynamisches Selbstorganisationsphänomen. Aber ich würde die Fähigkeit zur kollektiven Intelligenzleistung ungern auf eine „LaOla- Welle“ reduzieren."

Peter Kruse



Bildmaterial: Gerd Altmann
Bunte Socken: Elke Salzer  
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